Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss (SiHo) Häusliche Gewalt gegen Frauen war lange tabuisiert. Scham, Angst und Unsicherheit ließen die Betroffenen verstummen. Dank des Gewaltschutzgesetzes und der intensivierten Kooperation von Polizei und Beratungsstellen sowie Hilfseinrichtungen kommt nun vieles ans Tageslicht, was bislang verschwiegen und ignoriert worden wäre. Und doch ist weitere Aufklärung und Sensibilisierung nötig, davon sind die Akteure am Runden Tisch „Gewalt in Familien/Opferschutz), an dem im Rhein-Kreis Neuss acht Institutionen vertreten sind, überzeugt.
Haus-, Kinderärzte und Gynäkologen sowie die Ambulanzen der Krankenhäuser sind oft die ersten, die mit den Folgen häuslicher Gewalt konfrontiert werden. Die nach der Diagnose empfehlenswerte Handlungsfolge hat der Runde Tisch nun gemeinsam mit der Kreis-Gesundheitskonferenz eine Materialmappe für Ärzte zusammengestellt. Gestern wurde das Kompendium „Gewalt ist nie privat - ein Leitfaden für Arztpraxis und Krankenhaus“ in der Frauenberatungsstelle Neuss vorgestellt.
Häusliche Gewalt erkennen
Es gehe nicht darum, das Rad neu zu erfinden, betonten Kreisdirektor Hans-Jürgen Petrauschke, Carsten Rumpeltin (Geschäftsführer der Gesundheitskonferenz) sowie Ursula Habrich (Frauenberatung) und Elke Kroner (Frauenhaus Neuss) als zwei Vertreterinnen des Runden Tisches. Vielmehr wurden Informationen so gebündelt, dass in kurzer Zeit einschlägige Ansprechpartner, Anschriften, Telefonnummern und weitere wichtige Hinweise zum Thema „Gewalt“ dem Arzt zur Verfügung stehen. Auch ein vor Gericht verwertbarer Dokumentationsbogen und die „Med-Doc-Karte“ als Kurzinfo für die Kitteltasche sind der Mappe beigelegt.
„Wir wollen motivieren und ermutigen nachzufragen“, bringt Ursula Habrich die Sache auf den Punkt. Denn sie weiß, dass es nicht nur auf der Seite der Opfer Hemmungen gibt, häusliche Gewalt zur Sprache zu bringen. Die Hoffnung: Mit dem Wissen um die Materialsammlung im Hintergrund, die mühsames Nachforschen und Adressensuchen überflüssig macht, werden Ärzte künftig noch offensiver Verdachtsmomenten nachgehen und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.
Info Die Verteilung des Leitfadens „Häusliche Gewalt“ soll bei Fortbildungen und die direkte Ansprache von Ärzten erfolgen. Interessenten können die kostenlose Infomappe auch direkt in der Geschäftsstelle der Gesundheitskonferenz in Grevenbroich anfordern: Telefon 0 21 81 / 601 53 82.
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