Rhein-Kreis Neuss (NGZO). Streifzug Natur- und Landschaftserlebnisse im Rhein-Kreis Neuss (16. Folge) In der Nordkanalniederung: Wo an Baumstämmen und Ästen dicke, grüne Polster wuchern.
Rhein-Kreis Neuss Eifrige Gartenbesitzer bringt es schier zur Verzweiflung, wenn es sich im Rasen einmal festgesetzt hat. Die einschlägigen Tipps zur Moosentfernung lassen keinen Zweifel daran, dass Moos oft wenig Sympathie entgegengebracht wird. In der Adventszeit sieht es freilich etwas anders aus: Für gewisse Dekorationen ist Moos fast unentbehrlich, in handlichen Kistchen wird es gar für einige Euro zum Verkauf angeboten, Geld, das man sich eigentlich sparen kann. Denn letztlich bietet im Rhein-Kreis Neuss die Natur auch in Sachen Moos ein schier unendliches Angebot.
"Allein hier in der Nordkanalniederung wachsen zwischen 50 und 60 verschiedene Moosarten", sagt Dr. Georg Waldmann während dieses vorweihnachtlichen "Streifzugs" auf den Spuren des Dekorationsaccessoires für Kranz, Krippe und Co. Der Biologe kennt Stellen, an denen Moose in schier überquellender Üppigkeit gedeihen – gerade zu dieser Jahreszeit, in der es kühl und feucht ist.
Entlang der Kiesgrube am Pferdsbroich stehen einige knorrige, krakenartig ausladende Holunderbüsche. "Hier sind wir", sagt Waldmann und hofft darauf, dass sich der Effekt beim Betrachter einstellt. "Das sieht schon fast aus wie im Regenwald, oder?" In der Tat: Vor lauter Moos sind Äste und Stämme kaum noch auszumachen. Es wuchert und wuchert,bedeckt als grüner, weicher Teppich das Gehölz und setzt sich auch auf dem Boden fort. Das Ganze hat eine urtümliche Anmutung und erinnert daran, dass Moose mit ihrer hunderte Millionen Jahre zurückreichenden Entwicklungsgeschichte zu den ältesten Landpflanzen überhaupt gehören.
"Es gibt zwei große Gruppen von Moosen", erklärt Waldmann, während er "im Moos" steht. "Laubmoose und Lebermoose." Letztere würden sich vor allem auf felsigem und steinigem Untergrund wohlfühlen. "Der Pflanzenkörper der Moose gliedert sich in einen geschlechtlichen und ungeschlechtlichen Teil", sagt Waldmann und geht ins Detail. Der stielartige Auswuchs einiger Moospflanzen weckt in diesem Zusammenhang sein Interesse: "Sporophyten."
Die Moose, erklärt der Experte, hätten vielerorts Pionierfunktion: "Sie sind Erstbesiedler." Zwischen den Polstern sammle sich Staub, in dem wiederum andere Pflanzen siedeln könnten. Dabei wird das Moospolster zum Keimbett. Moose filtern Nährstoffe aus dem Niederschlag. In Wäldern und Mooren können Moose erhebliche Mengen an Wasser speichern und wirken so auch auf den Wasserhaushalt ein. Andererseits überstehen viele Moosarten auch längere Trockenperioden. Waldmann nennt es "Trockenschlaf".
Unweit des Holunders, wo der Untergrund sumpfiger wird, weist der Biologe auf Eschen hin. Ein breiter Mooskranz hat sich kurz über dem Boden wie eine Manschette um den Stamm gelegt. "Was wäre ein Wald ohne Moos?", fragt Waldmann. "Es schafft für mich das typische Ambiente." Irgendwie hat er recht: Ohne Moos nix los.
Info Der nächste und damit letzte NGZ-"Streifzug" dieser Serie widmet sich ebenfalls einer typischen Adventsdekoration: den Misteln.
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