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Rhein-Kreis Neuss: Prävention statt Panik

VON SIMON HOPF - zuletzt aktualisiert: 14.06.2007 - 21:57

Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Noch weiß keiner, wann es so weit sein wird. So gut wie sicher ist nur, dass in den nächsten 30 Jahren damit zu rechnen ist. Betroffen sein würden Länder und Kontinente. Was droht, ist eine Pandemie, eine sich weltweit ausbreitende, massenweise auftretende Infektionskrankheit. Welche wirtschaftlichen Folgen dies hätte, kann nur geschätzt werden.

Das Neusser Unternehmen 3M engagiert sich stark in der Seuchenabwehr. Die Produktpalette reicht von der Atemmaske bis zum Schutzanzug.  Foto: 3M
Das Neusser Unternehmen 3M engagiert sich stark in der Seuchenabwehr. Die Produktpalette reicht von der Atemmaske bis zum Schutzanzug. Foto: 3M

Das Rheinische Wirtschaftsinstitut (RWI) in Essen hat die ökonomischen Effekte einer Pandemie zu taxieren versucht. Dr. Boris Augurzky stellte die Ergebnisse jetzt bei einer Expertenrunde in den Räumlichkeiten des Unternehmens 3M in Neuss vor. Warum gerade dort?

Die international agierende Firma mit Deutschlandzentrale in Neuss ist der weltweit größte Hersteller von Produkten zur persönlichen Schutzausrüstung, angefangen bei Atemmasken über Augenschutz bis zu Einwegschutzanzügen.

Hinzu kommt: „3M hat eine Planungssoftware entwickelt, die auf der Basis konkreter Unternehmensdaten und unterschiedlicher Verlaufsszenarien den individuellen Bedarf an persönlicher Schutzausrüstung und anderen Materialien zur Pandemievorsorge, Krisenmanagement und Pandemienachsorge kalkulieren kann“, sagt Dr. Robert Plum, Leiter Pandemieplanung bei 3M im Bereich Arbeits- und Personenschutz.

Sollte es zu einer Pandemie kommen, lägen die Negativeffekte für das deutsche Bruttoinlandsprodukt im „worst case“ bei bis zu 3,6 Prozent. Damit einher gehe, so Augurzky, eine Erkrankungsrate von 50 Prozent der Bevölkerung; die Zahl der Todesfälle läge bei fast 150 000.

Wirtschaftlichen Schaden nehmen würden Tourismus, Verkehrswesen, der Freizeitbereich, aber auch Handel und Versicherungsgewerbe, sagte Augurzky. „Gewinner“ seien Unternehmen des Gesundheitswesens und die Kommunikationsbranche aufgrund der Meidung öffentlichen Lebens. „Langfristige Effekte dürften eher gering ausfallen“, meint der Wirtschaftswissenschaftler.

„Problematisch ist jedoch eine hohe Zahl an Todesfällen.“ Denn dann könnten nicht alle Arbeitskräfte ersetzt oder neue angelernt werden. Es blieben Lücken. Genau hier setzt die Präventionsstrategie der ThyssenKrupp AG an, auf die Dr. Klaus Etzler als Leitender Arzt bei ThyssenKrupp im Rahmen der Veranstaltung bei 3M einging.

 Er zitierte den Direktor des Influenza-Programms der Weltgesundheitsorganisation: „Eine Gefahrenkonstellation wie jetzt hat es bisher noch nie gegeben.“ Schon im August 2005 wurde deshalb bei ThyssenKrupp ein Vorsorgeplan entworfen. Das Konzept umfasst Maßnahmen von der Mitarbeiterschulung bis zur Bevorratung von Medikamenten. Der Schutz menschlichen Lebens verbindet sich eng mit dem wirtschaftlichen Eigeninteresse des Stahlkonzerns.

„Durch Vorstandsanweisung wurden alle Segmente aufgefordert, für jeden einzelnen Standort zu prüfen, ob im Pandemiefall die Produktion beziehungsweise Dienstleistung ganz, teilweise oder nicht eingestellt werden kann“, gibt Etzler Einblicke. Er betonte die besondere Verantwortung der Unternehmen, weil im Ernstfall der öffentliche Gesundheitssektor schnell überlastet und Hilfe nicht zu erwarten sei.

Ein Vorwurf, den Dr. Michael Dörr, Amtsarzt beim Gesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss, auf Nachfrage der NGZ so nicht stehen lassen will. Grundsätzlich sei es zwar sinnvoll und richtig, dass Firmen Vorsorge betreiben, doch sei der öffentliche Sektor nicht untätig.

Seit einigen Jahren gebe es konkrete Vorgaben. Dazu gehört ein beim Robert-Koch-Institut abrufbarer Pandemieplan, „der von uns auf die hiesigen Verhältnisse umgesetzt wird“, so Dörr. Das geht von Impfmöglichkeiten in Schulen bis hin zur Rekrutierung von zusätzlichem Personal. Allein 12 000 Menschen im Kreis gehörten zudem zur Gruppe der „first responder“, die das öffentliche Leben sicherstellen sollen.

Darüber hinaus gebe es eine aus Fachleuten bestehende Sondereinsatzgruppe Biologische Gefahren, berichtet Dörr, der auch die gute Zusammenarbeit mit 3M hervorhebt. Nicht zuletzt erinnert er daran, dass das Land Nordrhein-Westfalen mehrere Depots unterhalte. „Wir sind sehr gut versorgt“, beugt er Panikmache vor, „und zwar weit über dem Bundesdurchschnitt.“

Am Freitag in der NGZ: Zur Sache Im Blick behalten

Quelle: NGZ


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