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Rhein-Kreis Neuss: Reha-Ambulanz macht Schule

VON FRANK KIRSCHSTEIN - zuletzt aktualisiert: 17.08.2007 - 21:30

Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Nichts ist mehr, wie es war. Was im Familienleben lange selbstverständlich war, ist nicht mehr zu bewältigen. Schon das Aufstehen fällt schwer: „Die Lebensenergie ist weg“, so beschreibt eine junge Frau in Neuss, was viele erleben, worüber aber nur wenige offen zu sprechen wagen: Depressionen.

Dirk Heisen, Stefan Schwandner und Ute Moll (v.l.) gehören zum Team der Reha-Ambulanz des Diakonischen Werkes Neuss, in der psychisch Kranke Hilfe finden.  Foto: NGZ
Dirk Heisen, Stefan Schwandner und Ute Moll (v.l.) gehören zum Team der Reha-Ambulanz des Diakonischen Werkes Neuss, in der psychisch Kranke Hilfe finden. Foto: NGZ

Die Reha-Ambulanz des Diakonischen Werks (DW) der Evangelischen Kirchengemeinden in Neuss hilft Menschen, die an dieser und anderen psychischen Erkrankungen leiden inzwischen im achten Jahr. 1999 gegründet und 2004 als bundesweit einmaliges Pilotprojekt mit dem Janssen-Cilag-Zukunftspreis ausgezeichnet, macht die Einrichtung zur „ambulanten medizinischen Rehabilitation für psychisch erkrankte Menschen“ nun Schule.

Das ursprünglich mit der AOK Rheinland erarbeitete Konzept hat auch andere Kostenträger überzeugt. In Bonn und Köln werden nach dem Neusser Modell weitere Reha-Ambulanzen eröffnet.

Im Lebensumfeld ansetzen

Der Unterschied zur klassischen stationären, meist heimatfernen Behandlung: Die Reha-Ambulanz setzt dort an, wo psychische Erkrankungen entstehen, im persönlichen Lebensumfeld der Betroffenen. „Am Anfang mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten, doch heute zahlt sich aus, dass das DW beim Aufbau der Einrichtung einen langen Atem bewiesen hat“, sagt Bereichsleiter Stefan Schwandner.

Immer mehr Krankenkassen, Rentenversicherungs- und Sozialhilfeträger erkennen die Bedeutung des Angebotes im System der psychiatrischen Hilfs- und Behandlungsangebote.

„Alle Sorgen und Probleme, die im Alltag entstehen und die die Gesundung erschweren, können in der Reha-Ambulanz mit einem multidisziplinären Therapeutensystem bearbeitet und die Ergebnisse direkt im Lebensalltag umgesetzt werden“, erklärt Heilpädagoge Dirk Heisen.

Was das in der Praxis bedeutet, berichtet eine ehemalige Patientin: Wegen Depressionen zunächst ambulant, dann auch in der Klinik behandelt, entschied sie sich für die Reha-Ambulanz, weil sie sich von der Therapie dort die beste Chance für eine Rückkehr in einen normalen Alltag und ins Berufsleben versprach. Die Rehabilitation ist in der Regel auf ein halbes Jahr angelegt und besteht aus medizinischer sowie sozial- und heilpädagogischer Betreuung. Hinzu kommen umfassende Beratungsangebote und Ergotherapie.

Zurück in den Beruf

„Am Anfang fiel es mir schon schwer, regelmäßig und pünktlich zu kommen - der Weg aus der Krankheit zurück in feste Strukturen ist nicht leicht“, erinnert sich die frühere Patientin. Geholfen hat ihr, dass die Reha-Ambulanz auch das Umfeld der Betroffenen einbezieht: „Auch die Angehörigen leiden und wissen oft nicht, wie sie mit den Kranken umgehen soll.“

Für Heisen und seine Kollegin, Ergotherapeutin Ute Moll ist das kein Einzelfall: „Wir wollen den erkrankten Menschen bewusst machen, dass sie ihren Erkrankungen nicht machtlos gegenüber stehen.“ Die Betroffenen selbst, aber auch ihr Umfeld seien mitverantwortlich für den Genesungsprozess.

Die Reha-Ambulanz setzt dabei neben den eigenen Angeboten auch auf die Hilfe im Verbund. Dazu gehören neben Ärzten, die die Rehabilitation begleiten, und den Kliniken die Angebote des Fachbereiches Psychiatrie des DW wie das Hof-Café, als Freizeittreff für Menschen mit psychischer Erkrankung, die Beratungsstelle, die Tagesstätte, der Betreuungsverein oder das ambulant-betreute Wohnen.

Besonders wichtig für die Rehabilitantin: Angebote, die den Weg zurück in den Beruf ebnen. In mehreren Stufen von der Papierwerkstatt über das Bürotraining bis zum externen Praktikum im kaufmännischen Bereich - immer begleitet durch die Reha-Ambulanz - gelang es ihr alte Fähigkeiten zu reaktivieren. Jetzt fühlt sie sich stark genug und sieht sich dem Wiedereinstieg in den Beruf gewachsen.

„Erwerbsfähigkeit ist aber nur ein Ziel“, sagt Heisen, der in der Reha-Ambulanz mit zwei Ergotherapeuten, einer weiteren sozialpädagogischen Kraft, einem Arzt und einer Psychologin arbeitet. Die Einrichtung sei auch bemüht, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden oder zumindest zu verkürzen sowie den Kranken ein Mehr an Lebensqualität zu ermöglichen.

InfoReha-Ambulanz, Berghäuschensweg 30, Neuss, Telefon 0 21 31 / 22 38 04.

Quelle: NGZ


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