Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Düsseldorf Wenn im Landtag Modenschau ist, werden aus Abgeordneten Models, eines davon heißt Karl. Jedenfalls wird er so von der Moderatorin angekündigt. An der Seite von Marie-Luise betritt Karl den Laufsteg. Applaus brandet auf. Federnden Schritts absolviert er den Parcours, flirtet mit dem Publikum.
Jeans, Hemd, Krawatte, die Hand lässig in der Hosentasche, Karl, ein Herr im gesetzten Alter, macht eine gute Figur. Dann aber muss er die Bühne schon wieder für den nächsten frei machen, sich umziehen, um später dann in anderer Kluft, den Pullover locker über den Schultern, wieder zu erscheinen.
Im politischen Alltag kennt man Karl eher in Kombination mit seinem Nachnamen - Kress. Das klingt nach Rhein-Kreis Neuss und Zollfeste Zons. Sowohl Karl und der Kreis als auch Zons hatten am Mittwoch in Düsseldorf ihren großen Auftritt. „Die Vielfalt des Niederrheins“ war das Motto eines Regionalabends im Foyer und in der Wandelhalle des Landesparlaments.
Direkt neben dem Eingang hatten sich die Botschafter des Rheinischen Rothenburgs postiert. Während Dieter Pesch die Kunst des Korbflechtens demonstrierte, gab Hermann Kienle mit Hellebarde und Leuchte den Nachtwächter - ganz so, wie er auch sonst Touristen durch Zons führt. Nicht zu vergessen die Akteure der Lebenden Krippe.
Mitgestalter des Regionalabends waren mit Kreis-Neusser Hintergrund ferner Bernd Müller als Moderator, Dieter Welsink (Kreissportbund und Kanuweltmeister 1979) als Diskussionsteilnehmer, Horst Lichter als ewig schwadronierender Showkoch (der übrigens auf kalter Herdplatte seine Küchenkunststücke zeigen musste), die A-capella-Formation der Norbert-Singers und das Renaissance-Ensemble Dormagen.
Die Masse derer, die aus dem Rhein-Kreis - sei es aus Politik oder Verwaltung - in den Landtag gekommen waren, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Anlass der Veranstaltung war das 60-jährige Bestehen des Landes Nordrhein-Westfalen. „Jede Region stellt sich vor“, so Landtagsabgeordneter Heinz Sahnen - der sich übrigens nicht an der Modenschau beteiligte; ebenso wenig wie seine Kollegen Lutz Lienenkämper und Ulrike Apel-Haefs. Der Niederrhein-Abend war der sechste von insgesamt acht regionaltypischen Treffen, mit denen die Vielfalt des durch die britischen Besatzer geschaffenen Bindestrichlandes vorgeführt werden soll.
Zu verkosten gab es natürlich auch etwas: ob Himmel und Erde oder Murrepott, Panhas oder Muschelsuppe, Quittenkompott oder Herrencrème. Fazit: Die Liebe zum Land geht eben nicht zuletzt auch durch den Magen. Selbstverständlich auch in flüssiger Form ...
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