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Rhein-Kreis Neuss: Rückkehr des Bienenkönigs

VON JENS KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 18.07.2008 - 21:30

Rhein-Kreis Neuss (NGZ). rhein-kreis neuss Es muss Mitte der 60er Jahre gewesen sein, als Abraham „Abi“ Wallenstein die Bühne für sich entdeckte. Als Teenager war der Schüler des damaligen Theodor-Schwann-Gymnasiums in Neuss von Jerusalem ins Rheinland gezogen.

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Er trug Topfschnitt und Kassengestell, das Geschwister-Scholl-Haus hieß noch Leoheim, und die Jugend in ganz Neuss vibrierte vom Sound der vier britischen Pilzköpfe. Vom Neusser Markt schwirrten „The King Bees“, die Königsbienen, eine der ersten Bands in der Abi spielte, damals aus. Das Quartett spielte im Kino Odeon, dem Leoheim - „und im Schwatte Pferd ... oder so ähnlich“, erinnert sich Wallenstein mit einer heiser-kratzigen Stimme, wie sie nur ein Blues-Musiker hat.

Im Heizungskeller geprobt

Am 30. August kehrt der Bienenkönig nun zu seinen Wurzeln zurück. Zum Abschluss der Ausstellung „Blues Culture“ im Kulturzentrum Sinsteden in Rommerskirchen tritt der inzwischen 62-Jährige mit seiner Band auf. Der Name? Richtig: „Blues Culture“. Das Museum habe ihn um Erlaubnis gefragt, und das sei natürlich eine große Ehre.

Abi Wallensteins Talent war schon in den 60ern spürbar, in einer Zeit, als die Gitarren sich noch schnell verstimmten und die Verstärker erst verzerrten, wenn man sie nur richtig laut aufdrehte. Der Abraham habe schon damals eine eigenwillige, andersartige Interpretation von Musik gehabt, erinnert sich der heutige Jugendamtsleiter des Rhein-Kreises, Norbert Dierselhuis.

Einer, der damals ebenfalls dabei war, ist Peter Richter aus Kaarst. „Damals gab es eine rege Szene in Neuss“, erinnert sich der Gitarrist, der inzwischen für die Band „Just4Fun“ spielt. Neben „The King Bees“ gab es „The Sharks“ (1962-64), „The Larks“ (1965-81), „The Scrapers“ (1962-64) oder „The Dukes“ (1965-67).

Wichtig war: Das „The“ durfte vor keinem Bandnamen fehlen. Es waren Bands wie „The Kinks“ oder „The Who“, die die Jugend elektrisierten. Von Reuschenberg bis Holland suchten sich „The King Bees“ ihre Gigs, es wurde in Pfarrheimen und Kinos gespielt. Geprobt wurde im Heizungskeller des Hauses der Eltern von Drummer Heiner Berkefeld.

Fast 50 Jahre später: Abi Wallenstein stand mit Inga Rumpf auf einer Bühne und spielte im Vorprogramm von Joe Cocker. Er wird der „Vater der Hamburger Musikszene“ genannt, seit seinem Studium lebt er in der Hansestadt. Heute teilt sich Abi Wallenstein die Bühne mit Steve Baker (Mundharmonika) und Martin Röttger (Cajon, Percussion), der Blues der Band wird mit Elementen aus den Bereichen Rock, Soul und sogar HipHop angereichert.

„Anders“, sagt Abi Wallenstein, „hätte der Blues gar nicht überleben können.“ Und so trifft sich der 62-Jährige in Hamburg ab und an mit HipHoppern zum Grooven und Rappen. Seine Vorbilder hören jedoch auf Namen, die längst in den Stein der Geschichte gemeißelt sind: Blind Willie Johnson, Mance Lipscomb, Bukka White - „ich höre aber auch sehr viel Soul- und Funkmusik: Chaka Khan, Aretha Franklin, Stevie Wonder oder Prince.“

In den 70er und 80er Jahren, als Haarspray-Rock und das Gefiepse von Casio-Keyboards in Mode kam, ist der Hamburger musikalisch nicht glücklich geworden. „Eine schreckliche Zeit“, kratzt es aus dem Telefon - „diese Filme, in denen die Schauspieler Plateauschuhe und Riesenkragen trugen, dieser Uniformcharakter ...“

Der 62-Jährige selbst trägt Jeans und T-Shirt, er hat die Bodenhaftung längst noch nicht verloren, obwohl er zumindest in Deutschland zu einer Blues-Ikone herangereift ist. Den Kontakt zu Basis jedenfalls wird er so schnell noch nicht verlieren. Denn auch heute noch tritt Abi Wallenstein manchmal heraus aus dem Rampenlicht der Bühne, dann packt er seinen Gitarrenkoffer und geht auf die Straße und fängt an zu spielen.

„Das ist eine Herausforderung, ohne Scheinwerfer, ganz auf sich alleine gestellt“, sagt er - und fügt hinzu: „Straßenmusik ist für mich eine Sucht - meine einzige Sucht.“

Info Abi Wallenstein spielt mit seiner Band „Blues Culture“ am Samstag, 30. August, 19 Uhr, im Kulturzentrum Sinsteden, Grevenbroicher Straße 29, 41569 Rommerskirchen; Telefon 0 21 83 / 70 45, E-Mail: kulturzentrumsinsteden@rhein-kreis-neuss.de.

Quelle: NGZ


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