Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss (SiHo) Seit 1979 bis heute ist jedes Jahr mindestens ein Ordner mit Fotos, Zeitungsausschnitten, Programmen, Erinnerungen und Briefen gefüllt worden: Nun wandert das schriftliche Gedächtnis der Landsmannschaft Schlesien, Kreisgruppe Neuss, ins Neusser Stadtarchiv, mit dem ein Hinterlegungsvertrag geschlossen wurde.
Am Montag Morgen wurde die Übergabe zwischen Theo Jantosch, Vorsitzender der Schlesier, und Archivarin Claudia Chehab besiegelt. „Ich habe Wert darauf gelegt, dass alles festgehalten wurde“, sagte Jantosch, der seit 1979 die Landsmannschaft leitet. Wobei hinzuzufügen wäre, dass der Bestand auch künftig weiter komplettiert wird, da die Landsmannschaft im Kreisgebiet ungebrochen aktiv ist.
Claudia Chehab, die als stellvertretende Leiterin im Stadtarchiv für den Bereich des privaten Schriftguts - zum Beispiel persönliche Aufzeichnungen und Nachlässe, Vereins- und Gruppenarchive - zuständig ist, betont den Wert eines Bestands wie ihn die Schlesier seit Jahrzehnten pflegen. Die Unterlagen spiegeln das Geschehen einer Vereinigung wider, die ein wichtiger Mosaikstein dessen sei, was das Leben in der Stadt Neuss und über ihre Grenzen hinaus ausmacht.
Die Landsmannschaft Schlesien ist die erste unter den landsmannschaftlichen Gruppierungen, die ihre Dokumente dem Stadtarchiv anvertraut. Am Rande sei bemerkt: Vom Prinzip her hätte das Kreisarchiv in Zons ebenfalls als künftiger Aufbewahrungsort dienen können.
Da die Ordner jedoch bislang schon an der Oberstraße - im benachbarten Haus des Kulturamts, in dem sich die Ostdeutsche Heimatstube befindet, - gehütet wurden, lag es einfach nahe, den kürzesten Weg zu wählen. Chehab: „Wir Archive machen uns keine Konkurrenz.“
In ungezählten Klarsichthüllen sind die einzelnen Unterlagen säuberlich abgelegt worden. Mit Klarsichthüllen aber verbindet sich ein Problem: „Die sind nicht alterungsbeständig“, weiß die Fachfrau, die seit 1978 im Stadtarchiv arbeitet. Aus konservatorischen Gründen wird deshalb noch einiger Aufwand betrieben werden müssen, um die vielen Dokumente der Nachwelt zu erhalten.
Ein Wort zur Nutzung: Adressaten könnten neben lokalhistorisch interessierten Bürgern nicht zuletzt auch Wissenschaftler sein. Eine Veröffentlichung von 1992, die Michael Stieleke vorgelegt hatte, beschäftigt sich mit den Vertriebenen und Flüchtlingen in Neuss von 1945 bis 1961. Was danach alles geschah, harrt also noch der fundierten Auswertung.
Info Bürger, die dem Archiv Dokumente überlassen wollen, können sich bei Claudia Chehab, 0 21 31 / 90 42 60 melden. Der Nutzersaal des Neusser Stadtarchivs ist unter 0 21 31 / 90 42 54 erreichbar.
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