Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Drei Lastwagen stehen Rücklicht an Stoßstange vor dem Zollamt am Hafenbecken IV. Laut Auto-Kennzeichen stammen sie aus der Ukraine, Russland und Weißrussland. Geduldig warten die Fahrer darauf, dass ihre Ladung überprüft wird. Denn bevor sie nicht den Stempel der Zollbeamten auf ihren Unterlagen haben, dürfen sie ihre Waren nicht an die Empfänger in den Rhein-Kreis Neuss ausliefern.
Zollamt Neuss
Das Zollamt Neuss, Duisburger Straße 8 im Neusser Hafengebiet, ist zuständig
für die Städte Neuss, Grevenbroich, Dormagen, Kaarst, die Gemeinde Rommerskirchen und den Stadtteil Meerbusch-Büderich. Die anderen Teile von Meerbusch werden vom Zollamt Uerdingen betreut, Korschenbroich und Jüchen vom Zollamt Mönchengladbach. Zusammen mit dem Zollamt Schwanenhaus bilden die drei Zollämter das Hauptzollamt Krefeld.
Routiniert schlägt der Fahrer des ukrainischen Lastwagens die Plane zur Seite und entfernt die Plastikfolie von einem Stapel. Zollbeamter Michael Spicker reißt einen Karton auf, in dem sich Teile für die Automobilindustrie befinden sollen. Fachmännisch vergleicht er Frachtpapiere mit den Ersatzteilen: „Es ist die angegebene Ware im Karton“, sagt Spicker.
Das ist nicht immer der Fall, wie Alwin Bogan, Pressesprecher des Hauptzollamtes Krefeld, zu dem das Zollamt Neuss gehört, erläutert: „Wir finden jede Menge Ware, die nicht angegeben ist, ab und zu ist auch Schmuggelware in der Ladung versteckt.“ Bei Verdacht lassen die Zollbeamten Kollegen zum Beispiel mit Tabak-Spürhunden anrücken - und wenn sie anschlagen, die Ladung des Lastwagens komplett abräumen, um das meistens an unzugänglichen Stellen versteckte Gut zu finden. „Es handelt sich meistens um Zigaretten, Kaffee oder gefälschte Markenprodukte“, betont Bogan.
Die Spediteure müssen auch damit rechnen, dass Kartons aufgerissen und die Produkte bei der Kontrolle beschädigt werden. Alwin Bogan: „Wenn wir einen Verdacht haben, müssen wir die Ware überprüfen, auch wenn dafür eine Kiste angebohrt werden muss.“ Klar ist, dass es sich bei den Kontrollen nur um Stichproben handelt. „Die Dunkelziffer liegt sehr hoch, aber durch die Kontrollen von etwa 15 Prozent der Fälle werden einige Schmuggler abgeschreckt“, hofft Franz Josef Sangs, Leiter des Zollamtes Neuss. Nicht nur für den Import sind die 15 Mitarbeiter des Zollamtes Neuss zuständig: Auch für den Export von Waren, für die Agrar-Subventionen der EU gezahlt werden, bescheinigen sie die Qualität der Produkte.
In den vergangenen Jahren sind immer mehr Markenpiraten aufgeflogen: „Teure Uhren, Kleidung sowie DVDs und CDs werden täuschend echt nachgemacht und für wenig Geld weiterverkauft“, erklärt der Zollamts-Pressesprecher. Die Fälschungen würden immer besser, so wurden jetzt 200 Sweatshirt einer Marke beschlagnahmt. Bei ihrer Jagd auf Plagiate und Markenpiraten, die die Unternehmen weltweit Milliarden kosten und bei gepfuschten Ersatzteilen lebensgefährlich für die Verbraucher sein können, nutzen die Zollbeamten auch die Trödelmärkte im Rhein-Kreis Neuss, um gefälschte Neuware aufzuspüren. „Zigarettenstangen, die unter dem Tisch verkauft werden, sind ebenfalls häufig anzutreffen“, sagt Bogan. „Für den eigenen Gebrauch dürfen natürlich Kaffee und Zigaretten aus dem benachbarten Ausland eingeführt werden“, erklärt Sangs. „Bei 12 Pfund Kaffee werden wir allerdings misstrauisch, ob der private Gebrauch gegeben ist.“
Vor 30 Jahren wurde das Zollsystem von den Grenzen ins Binnenland verlegt, um die Häfen zu entlasten: „Jetzt wird am Ort des Empfängers kontrolliert“, so Sangs. Dabei sei der größte Teil eine gewerbliche Überprüfung, wobei Zoll nur auf Ware aus Drittländern außerhalb der EU erhoben werde. „Inzwischen werden durch ein automatisiertes, elektronisches Verfahren viele Waren online abgefertigt, was die Abfertigung beschleunigt hat“, weist Franz Josef Sangs darauf hin, dass nur noch wenige Waren außerhalb des Zollamtes überprüft werden.
Die Mitarbeiter des Zollamtes Neuss kontrollieren auch die Einhaltung des Washingtoner Artenschutzabkommens für Fauna und Flora. Falls zum Beispiel Elfenbein in privater oder gewerblicher Ladung eingeführt werden soll, wird es beschlagnahmt. Bei Textilien kommt es auf die Einfuhr-Quoten an, deren Einhaltung das Zollamt Neuss nachweist. „Falls die monatlich erlaubte Zahl der Textilien aus einem bestimmten Land bereits erreicht ist, müssen die Textilien oft erst einmal zwischengelagert werden, um sie dann erst im kommenden Monat einzuführen“, erklärt Sangs.
Beim Import von Medikamenten, der für Privatpersonen prinzipiell verboten ist, spielen sich manchmal Dramen ab: Denn die bezahlte Lieferung wird nicht freigegeben - sondern zurückgeschickt oder vernichtet. Aber Sangs erinnert sich auch an eine skurrile Geschichte: „Ein Immobilienmakler musste eine Ferrari aus den USA mit 29 400 Euro verzollen. Ungerührt verließ er das Zollamt und kam eine halbe Stunde später mit 30 000 Euro in bar zurück.“
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