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Die Entwicklung der rheinischen Weihnacht: "Sinnstiftende Elemente wurden verdrängt"

zuletzt aktualisiert: 22.12.2000 - 22:26

Seit dem Jahr 354 wird das Weihnachtsfest gefeiert. Damals erklärte Papst Gregor den 25. Dezember zum Geburtstag von Jesus. Ein genaues Geburtsdatum konnte man anhand der Evangelien nicht nachvollziehen. Aber die damalige Kirchenpolitik hatte das Datum mit Bedacht gewählt, um die eigenen Feste mit heidnischen Riten zu vereinen.

Eng mit dem neuen Fest Weihnachten war das römische Fest der Saturnalien, das zu Ehren des Erntegottes Saturn am 18. Dezember gefeiert wurde. Zur selben Zeit wurde in Nordeuropa das Yule-Fest gefeiert. Dabei wurden geschmückte Baumstämme zu Ehren der Götter und der Sonne verbrannt. Im Mittelalter kamen dann zum christlichen Fest Krippe und Weihnachtslieder hinzu.

Die Ausbreitung eines geschmückten Tannenbaums begann zur Zeit der Romantik Ende des 18. Jahrhunderts. Zunächst findet er vor allem in protestantischen Gebieten Anklang. Dr. Karin Göbel-Schauerte berichtet in einem Aufsatz über die alte, neue Geschichte des Weihnachtsfestes davon, was noch 1909 in einem katholischen Lexikon zum Thema Baum steht: "Der Christbaum ist neuen und wohl protestantischen Ursprungs und bildet einen scharfen Gegensatz gegen die Krippe."

Der Baum war auch nicht überall notwendig. Im katholischen Rheinland zum Beispiel blieb die Dorfweihnacht bis um die Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert) ein fröhliches Dorffest mit Heischebräuchen der Kinder, Kirchgang, aber auch und vor allem gemeinschaftlichen Feiern wie Tanzveranstaltungen. Erst danach engt sich Weihnachten langsam auch dort zum wichtigen Schenkfest mit Christkind, Tannenbaum und Familienbescherung ein. Adventskalender und Adventskranz kamen um 1850 auf.

Das waren Instrumente kirchlicher Adventspädagogik, "für die Einteilung des Dezembers in sich steigernde Artigkeitsphasen." Ende des 19. Jahrhunderts beginnt dann auch die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes. Heutzutage scheint dem Kommerz letztlich alles untergeordnet zu sein. Bereits ab September werden die Bestandteile des Weihnachtsfestes den Kunden eingehämmert. Hektik, Stress und Familienfehden gehörten zum Advent und zum Weihnachtsfest.

"Die durch das Kirchenjahr sinnvoll geordnete Lebenswelt scheint für den Großteil der Bevölkerung aus den Fugen geraten zu sein", schreibt Karin Göbel-Schauerte. "Die oft beklagte Sinnleere des Weihnachtsfestes, auch im Hinblick auf die vielen unbefriedeten Regionen unserer Erde, haben wir uns im großen und ganzen selbst zuzuschreiben, weil wir ehemals sinnstiftende Elemente des Festrahmens verdrängt haben. Der Nikolaus beschenkte als Heiliger die Bedürftigen - ein gut Teil der Menschen heute schenkt, um zu repräsentieren und um das schlechte Gewissen zu beruhigen."

Weihnachten - das sollte aber auch eine Zeit des Innehaltens in der äußerst hektischen Zeit sein. Die Hektik gilt in diesem Jahr auch all jenen Themen, die für kurze Zeit große Hysterie verursacht haben, über die aber derzeit kaum noch jemand spricht. Die Kampfhunde waren ein solches Thema, das ganz große Hektik verbreitete. Es folgten die Diskussionen um Ökosteuer und Benzinpreise und derzeit geht es um Boris, Babs und BSE. Einmal innehalten, einmal nachdenken darüber, ob nicht zu schnell hinter fliegenden Fahnen hinterhergerannt, zu schnell die Neugierde befriedigt und zu schnell über Menschen und Meinungen geurteilt wird.

In diesen Tagen gehen die Gedanken nicht nur an die Einsamen, sondern auch an die Alleingelassenen. Dazu gehören zurzeit auch Landwirte im Kreis Neuss. Die BSE-Diskussion kann auch bei uns Existenzen vernichten. Für viele wird es zu spät sein, wenn in wenigen Wochen ein anderes Thema die Menschen dominiert.

Weihnachten ist nicht nur eine private Angelegenheit. Jesus wurde in eine große Gemeinschaft hineingeboren, wie der Besuch der Hirten und Weisen an der Krippe zeigt. Diese Gemeinschaft hat etwas mehr Ruhe und Gelassenheit durchaus verdient. Friedhelm Ruf



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