Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Obwohl die Zahl der Verkehrsunfälle im Rhein-Kreis im vergangenen Jahr gestiegen ist, nahm die Zahl der Getöteten oder Verletzten ab. In diesem Jahr will sich die Polizei mit modernstem Gerät besonders Unfallflüchtigen widmen. Außerdem kündigte sie gezielte Radarkontrollen an.
Die Zahl der Menschen, die 2009 bei Verkehrsunfällen im Rhein-Kreis Neuss ums Leben gekommen sind, ist 2009 auf einen historischen Tiefstand gefallen. Sieben Todesopfer zählte die Polizei im vergangenen Jahr, so wenige wie noch nie seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1960.
Auch die Zahl der Verletzten ging im Vergleich zum Vorjahr um 36 auf 1750 Menschen zurück. Und das, obwohl die Gesamtzahl der Unfälle auf 11.308 gestiegen ist (plus 36).
Landrat Hans-Jürgen Petrauschke nannte den Rhein-Kreis bei der Vorstellung der Unfallstatistik "verkehrssicher", zumindest im Vergleich mit der Landesstatistik: Während landesweit 408 Verunglückte auf 100.000 Einwohner kommen, seien es im Rhein-Kreis nur 295. "Ich sehe diese positive Entwicklung als Ergebnis unserer Bemühungen", sagte der Landrat.
Radfahrer
Gesamt Im vergangenen Jahr wurden im Rhein-Kreis 471 Radfahrer verletzt, das sind 53 weniger als im Vorjahr.
Kinder Von den Verletzten waren 71 unter 14 Jahre alt.
Senioren 98 Radfahrer, die 2009 im Rhein-Kreis verletzt wurden, waren über 65 Jahre alt.
Getötet Zwei Radfahrer kamen ums Leben, ein 77-Jähriger und ein 21-Jähriger.
Gleichwohl gab die Polizei zu, dass es gerade die Zahl der Todesopfer nicht unwesentlich vom Zufall abhänge. "Sicher trägt auch der Kontrolldruck zur Reduzierung der Unfälle bei, doch schon marginale Dinge bei einem Unfall können über Leben und Tod entscheiden", sagte Polizeisprecher Hans-Willi Arnold.
26.000 Mal hatten Polizisten Verkehrsteilnehmer wegen Rasens angehalten, 7844 Personen wurden wegen Fahrens ohne Sicherheitsgurt zur Kasse gebeten - ein Schwerpunkt der Verkehrspolizeiarbeit im Jahr 2009. Nichts anhaben konnte die Polizei im vergangen Jahr dem "typischen Fehlverhalten" im Rhein-Kreis: Fehler beim Abbiegen und Wenden um dem Nichtbeachten der Vorfahrt.
Ebenfalls konzentriert hatte sich die Rhein-Kreis-Polizei 2009 auf Senioren, offenbar mit Erfolg: Waren im Jahr 2008 noch 275 ältere Menschen verletzt oder getötet wurden, weist die Statistik nun 44 Fälle weniger auf. Mit speziellen Fahrradtrainings und gezielter Ansprache will die Polizei ihr "Senioren-Programm" dieses Jahr fortsetzen.
Gerade angelaufen ist eine Aktion mit den Verkehrsbetrieben des Rhein-Kreis Neuss: Senioren werden geschult, um die Sicherheit im Umgang mit Bussen zu erhöhen. "Wir haben gemerkt, dass immer mehr Unfälle im Bus passieren, sei es beim Bremsen oder beim Halten an der Bushaltestelle", sagte der Leiter der Polizeidirektion Verkehr, Gerhard Kropp.
Die Statistik zeigt auch: Das Alter, in dem sich Bewohner des Rhein-Kreises noch hinters Steuer setzen, scheint immer höher zu werden. 97 Jahre alt war der älteste Autofahrer, der durch einen Unfall bei der Polizei auffiel, er verursachte einen Schaden in Höhe von 8000 Euro. Insgesamt waren fünf Unfallbeteiligte, allesamt die Verursacher, mehr als 90 Jahre alt. Zwei von ihnen begingen Unfallflucht.
Damit haben sich anteilsmäßig mehr von ihnen moralisch verhalten als die Gesamtheit der Unfallverursacher. Unverändert verlassen mehr als 60 Prozent den Unfallort, ohne sich bei der Polizei zu melden. In 127 Fällen sogar, obwohl eine Person bei dem Unfall zu Schaden gekommen war.
Diesem Fehlverhalten will die Polizei nun noch stärker begegnen, bisher werden etwa 42 Prozent der Fälle aufgeklärt. "Wir werden gezielt Leute für schwere Unfälle abstellen", sagte Gerhard Kropp. Diese sollen mit neuester Technik, etwa über die Analyse von Lackspuren, den geflüchteten Unfallverursacher ermitteln. Verstärken wird die Polizei auch den Kampf gegen Raser. Der Öffentlichkeitsarbeit zur Kampagne "Komm gut an! Sieger rasen nicht!" gehen gezielte Geschwindigkeitskontrollen einher.
Erleichtert zeigte sich der Landrat, dass eine befürchtete Entwicklung nicht eingetreten ist: "Der Führerschein mit 17 scheint uns keine Probleme zu bereiten", sagte er. Seit 2009 dürfen Jugendliche mit 17 Jahren Auto fahren, wenn ein Elternteil als Beifahrer mitfährt.
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