Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Ein Job für Warmduscher ist das nicht - in sofern passten Gewitter und Graupelschauer gestern Vormittag bestens in Bild. Bei 3M Deutschland in Neuss trafen sich Schülerlotsen aus ganz Nordrhein-Westfalen, um mit Prüfungen in Theorie und Praxis den Besten aus ihren Reihen zu ermitteln.
Von 2763 Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen, die sich Morgen für Morgen für mehr Verkehrssicherheit auf dem Schulweg engagieren, hatten sich 43 in Vorausscheidungen für den Landeswettbewerb qualifiziert. Warum gerade bei 3M? Kurt-Henning Wiethoff, Generaldirektor des Multitechnologiekonzerns in Deutschland, gab die Antwort: „Wir sind diejenigen, die Kinder und Erwachsene im Straßenverkehr besser sichtbar machen.“
Reflektierende Materialien von 3M an Kleidung, aber auch an Autos oder Fahrrädern lassen Verkehrsteilnehmer im Dunkeln leuchten. Innovationen, die sich nicht nur gut verkaufen, sondern gestern auch für ein großes Lob von NRW-Verkehrsminister Oliver Wittkle gut war. „Mehr Sicherheit im Verkehr darf nicht nur ein Anliegen von Polizei und anderen Behörden sein, alle müssen mitziehen, die Verkehrsteilnehmer und auch die Wirtschaft.“
Beste Schülerlotsin
Der beste Schülerlotse in Nordrhein-Westfalen ist eine Schülerlotsin: Julia Borchert aus Kamp-Lintfort schnitt am Montag beim Vergleichtest bei 3M in Neuss als Beste ab. Ihr Preis: ein Sicherheitsfahrrad mit reflektierenden Speichen, Felgen und Reifen, bei deren Produktion 3M Scotchlite Reflexmaterialien verwendet werden.
Schülerlotsen übernehmen, so Wittke, in diesem Zusammenspiel ein besonders wichtige Aufgabe: Zwar sinke die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle - 862 waren es im vergangenen Jahr in NRW -, in der Gruppe der Schüler und bei älteren Menschen würden jedoch gegen den Trend vermehrt Unfälle registriert.
„Wo Schülerlotsen zum Einsatz kommen gibt es jedoch keine Unfälle mehr - das ist schon seit 1953 so“, sagte Heinz Hardt, Präsident der Deutschen Verkehrswacht und gestern ebenfalls bei 3M zu Gast. Wittke lobte deshalb das ehrenamtliche Engagement der Schüler, die sich in ihrer Freizeit qualifizierten und bei Wind und Wetter dafür sorgten, dass Schulwege sicherer werden. Diese Einsatzbereitschaft könne sich später auch für die Helfer selbst auszahlen, denn der Nachweis des Schülerlotsendienstes habe sich schon bei mancher Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als positiv erwiesen.
Wer einmal Gefallen an der Aufgabe gefunden hat, bleibt in der Regel auch dabei: Rukiye Karlidag, 17 Jahre alt, ist bereits vier Jahre als Schülerlotsin an der Realschule am Sportpark in Dormagen im Dienst: „Es macht Spaß, was allerdings etwas wetterabhängig ist.“ Von 7.30 bis 7.50 Uhr stoppt sie Autos an einer gefährlichen Kreuzung. Die meisten Schüler und Eltern sind voll des Lobes über den Service auf dem Schulweg. Die meisten Autofahrer auch - allerdings nicht alle: „Ich bin schon fast überfahren worden.“
„Manche Autofahrer fühlen sich von uns genervt, sie hupen oder drücken ständig aufs Gas“, berichtete auch Schülerlotsin Lena Henke aus Viersen. In den praktischen Prüfungen mussten die Jugendlichen deshalb gestern auch schnelle Reaktionsfähigkeit unter Beweis stellen. Eine weitere Aufgabe: den Anhalteweg eines Autos schätzen - nicht unwichtig für die Lotsen, die sich mit Warnweste und weiß-roter Kelle ausgestattet mitten im dichtesten Berufsverkehr auf die Straße wagen.
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