Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss (h-er) Es waren einst die Franken und Thüringer, die bei der Besiedlung Schlesiens auch ihre alten Sitten und Bräuche mit in die neue Heimat brachten. Dazu gehörte unter anderem das so genannte Sommersingen, das aus einer Zeit stammt, in der es lediglich zwei Jahreszeiten gab: Sommer und Winter.
Am Fastensonntag „Laetare“ (Freuet euch) wurde das Fest begangen, wobei die Jugend das tragende Element war. Mit bunt geschmückten Stecken zogen die Kinder von Haus zu Haus und gingen, wie man in Schlesien sagte, „summern“.
Dazu sangen sie frohe Lieder, „Heischerversel“ genannt, die den Bewohnern der Orte ein gutes neues Jahr wünschten. Zum Dank dafür bekamen die jugendlichen Sänger Eier, Süßigkeiten, Obst und vor allem Schaumbrezeln, „Beegla“ genannt.
Am Abend des vierten Fastensonntages wurden die Sommerstecken, die von Ort zu Ort verschieden waren, in den Ställen als Fruchtbarkeitszauber angebracht.
Als viele Schlesier im Zeichen von Flucht und Vertreibung auch in der hiesigen Region und nicht zuletzt Dank der großen Initiative der Landsmannschaft Schlesien eine neue Heimat fanden, wurde vor etlichen Jahren in Zusammenarbeit mit der Tanzgruppe „Djonathan“ auch das Sommersingen ins Jahresprogramm aufgenommen.
Damit wird ein weiteres Stück Heimat mit viel Liebe gepflegt. War zunächst das Zeughaus der Stadt Neuss Ort des Geschehens, findet die Veranstaltung nun schon seit einigen Jahren im Gartensaal des Clemens-Sels-Museums am Neusser Obertor statt.
So auch in diesem Jahr, in dem der Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Theo Jantosch, trotz des nicht gerade einladenden Wetters zahlreiche Interessenten willkommen hieß.
Zu den Gästen gehörte Bürgermeister-Stellvetreterin Hannelore Staps, die nicht nur Grüße von Rat und Verwaltung überbrachte, sondern die Landsmannschaft auch beglückwünschte, da diese mustergültig heimatliches Brauchtum pflege.
Der Gruß Jantoschs galt zudem den Vorsitzenden der ostpreußischen und pommerschen Landsmannschaften, Peter Pott und Hans-Jürgen Krause.
Gesungen wurde nach Kräften, wobei auch die Besucher mit einbezogen wurden. Dazu wartete der Trachtentanzkreis mit Tänzen nicht nur aus dem ehemals deutschen Osten auf, sondern steuerte auch Tänze aus aller Welt bei. Zudem war auf die Jahreszeit ausgerichtete Prosa zu hören.
Es war ein wirklich schöner Sonntagmorgen, der wie im Flug verging. Und nachdem im Clemens-Sels-Museum der letzte Ton verhallt war, gab es in der Ostdeutschen Heimatstube noch ein kleines, gemütliches Beisammensein.
Dort findet im Rahmen des Tages der offenen Tür am Gründonnerstag, 5. April, ab 15 Uhr eine weitere Veranstaltung der Schlesier statt. „Frühlingsliedersingen zur Osterzeit“ ist dann angesagt. Gäste sind willkommen.
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