Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Die einen sprechen neudeutsch von Corporate Social Responsibility (CSR), andere schlicht von gesellschaftlicher Verantwortung: Wie auch immer benannt - das Thema ist aktuell. Es gibt kaum ein Großunternehmen, das nicht - meist wortreich - auf seine Verantwortung für Mitarbeiter, Gesellschaft oder Umwelt verweist.
Wenn aus den Worten auch Taten werden, kann das nicht nur gut fürs Image, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen sein. Das ist das Fazit einer Veranstaltung, zu der am Mittwochabend die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein gemeinsam mit den Evangelischen Kirchen in NRW und Borussia Mönchengladbach in den Konferenzbereich des Borussia-Parks baten.
IHK-Geschäftsführer Roland Meißner, der für die Organisation verantwortlich zeichnete, konnte sich über reges Interesse freuen - und das, obwohl das Thema eigentlich weniger neu ist, als der „angelsächsische Zungenbrecher“ Corporate Social Responsibility, so IHK-Vizepräsident und Borussia-Chef Rolf A. Königs, es vermuten lässt: „Vielmehr engagieren sich seit Jahrzehnten, ja seit Jahrhunderten, deutsche Kaufleute und Unternehmer in Bereichen wie etwa der Gesundheits- und Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter.“ Und das, so Königs weiter, „häufig ohne großes Brimborium und Klappern, aber immer mit großer positiver Wirkung für die Betroffenen“.
Gesellschaftliches Engagement sei bei vielen großen, aber auch mittleren und kleinen Unternehmen ein selbstverständlicher Teil der Unternehmenskultur. Warum also die aktuelle, breit angelegte Diskussion um CSR? Die Antwort des Vizepräsidenten der IHK: Globalisierung und Internetrevolution. Mit jeder internationalen Niederlassung, jeder ausländischen Produktionsstätte, jedem internationalen Zulieferer oder Kunden steige die Zahl der Sozial- oder Umweltstandards, mit denen sich Unternehmen auseinander setzen müssen.
Unternehmen als Partner der Gesellschaft: So geht’s
(ki) Praktische Erfahrungen unter anderem aus den Niederlanden, so Ulf D. Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft, zeigen die Bandbreite von Kooperationsmöglichkeiten, von denen Unternehmen und Partner in der Gesellschaft profitieren können.
Beispiel 1: Ein Sportverein will einen neuen Umkleideraum bauen und findet einen Architekten und ein Unternehmen, das Baumaterial zur Verfügung stellt, sowie ein Team von Mitarbeitern, die einen halben Arbeitstag für die Bauarbeiten spenden. Im Gegenzug wird von dem Verein ein Sommersportfest für verschiedene Unternehmen organisiert.
Beispiel 2: Eine Schule erhält Unterstützung bei der Suche nach Praktikumsplätzen für ihre Schüler durch eine Zeitarbeitsfirma, die dadurch neue Kontakte zu Unternehmen knüpfen kann.
Beispiel 3: Ein Sportverein mit finanziellen Problemen sucht einen Schatzmeister, der ihm bei der Organisation der Buchführung hilft. Ein Unternehmen springt ein und stellt einen Mitarbeiter zur Verfügung. Der junge Buchhalter sammelt dabei exzellente Praxiserfahrung.
Kunden und Verbraucher nutzten das Internet, so Königs, um Forderungen an Unternehmen zu stellen, in Schwellen- und Entwicklungsländern seien Firmen mit drängenden Problemen wie Armut, Krankheit oder Kinderarbeit, aber auch mit fehlenden Arbeitsschutz- und Umweltschutzbestimmungen konfrontiert. Unternehmen könnten dazu beitragen, diese Probleme zu lösen - allerdings nur ergänzend, nicht als Ersatz für staatliches Handeln: „Das gesellschaftlich engagierte Unternehmen darf nicht als Ausfallbürge des Staates herhalten“, betonte der IHK-Vizepräsident und erfolgreiche Unternehmer aus der Textilbranche.
Als Paradebeispiel für CSR verwies er auf das Projekt „Kirche und Wirtschaft gemeinsam gegen HIV & Aids“, das in Südafrika und Namibia einen wichtigen Beitrag leiste, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen zu verbessern. Hand in Hand mit den evangelischen Landeskirchen in NRW übernähmen Unternehmen wie Falke -im Land am Kap mit einer Produktionsstätte vertreten - dort gesellschaftliche Verantwortung.
Franz-Peter Falke, Geschäftsführender Gesellschafter der Gruppe, bezeichnete bei der Diskussion im Borussia-Park „ethisch korrektes Verhalten und Verantwortung“ nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Teil der christlich geprägten Identität seiner Unternehmensgruppe. Die Philosophie: „Vorteilsstreben nicht auf Kosten anderer, sondern nur, wenn davon auch andere einen Vorteil haben.“
Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, freut sich darüber, dass immer mehr Unternehmen so oder ähnlich „gemeinschaftliche oder institutionelle soziale Verantwortung“ übernehmen: „Offenbar ist die Erkenntnis gewachsenen, dass der kleinste gemeinsame Nenner gesetzlicher Vorschriften keine befriedigende Grundlage menschengerechten Wirtschaftens ist.“ Gerade kleine und mittlere Unternehmen zeigten überproportional kulturelles und soziales Engagement.
Schneider warnte aber auch vor der „Missbrauchsanfälligkeit“ des Themas: „Trotz seiner das Image fördernden Funktion für das Unternehmen darf das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen nicht auf strategische Erwägungen reduziert werden.“ Ohne Glaubwürdigkeit der Aktivitäten könne sich die Wirkung von CSR nicht entfalten.
Dass viele Unternehmen dies verinnerlicht hätten, zeigten die Erfolge des Projektes gegen HIV und Aids, eine Entwicklung, die Perspektiven eröffne: „Die Wahrnehmung von unternehmerischer Verantwortung, ein soziales Gesicht der Wirtschaft, die neuen Kooperationen von Wirtschaft, Kirche, Politik und Zivilgesellschaft - ein spannendes, ein lohnendes und wegweisendes Thema.“
Und das, so betonte beim IHK-Forum NRW-Minister Karl-Josef Laumann, nicht nur in Schwellen- oder Entwicklungsländern. Der CDU-Politiker lenkte den Blick auch vor die eigene Haustür, zum Beispiel auf das Angebot an Ausbildungsplätzen. Inhabergeführte Unternehmen hätten viel dafür getan, neue Lehrstellen zu schaffen, viele Großunternehmen hingegen hätten das Land, das sich um Chancen für die Schulabgänger bemühe, mit Ausbildungsquoten teils unter zwei Prozent „jämmerlich im Stich gelassen“.
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