Rhein-Kreis Neuss (NGZ). rhein-kreis neuss Wasserpfeifen, so genannte Shishas , sind in Szene-Treffs der Hit. Kenner schwören auf den entspannten Rauchgenuss, der zum Nachdenken anrege. Ärzte dagegen warnen vor einer Gefährdung der Gesundheit.
Das sonore Blubbern geht nahezu völlig im stampfenden Rhythmus von Madonnas „Hung up“ verloren, als Florian sich das Mundstück zwischen die Lippen schiebt und tief inhaliert. Der 17-Jährige bläst eine kleine, fruchtig duftende Rauchwolke in die Luft, flüstert seiner Nachbarin einige Worte ins Ohr und reicht den Schlauch, der mit Lammleder umhüllt und an einer goldenen, kunstvoll geschwungenen Wasserpfeife befestigt ist, weiter.
Bilder wie dieses sind in Szene-Treffs inzwischen gang und gäbe - nicht nur in Trend-Hochburgen wie Hamburg, München oder Düsseldorf. Das Shisha-Rauchen gerät auch im Rhein-Kreis Neuss zunehmend zum gesellschaftlichen Happening unter Jugendlichen, längst hat die Wasserpfeife das schmuddelige Image als Kiffer-Utensil abgestreift.
Baris Karaömer, der den Club Atisha in Neuss An der Münze betreibt, hat „50 bis 60 Shishas“ in seinem Sortiment; unter „14 Tabaksorten“ könne der Gast wählen. „Der Tabak ist aus Ägypten, die Pfeife aus der Türkei“, erklärt der 22-Jährige. Die „Zeit zum Nachdenken“, die der Wasserpfeifen-Genuss laut Prospekt ermögliche, sollte sich der Gast wohl aber in Neuss nehmen.
Die Funktionsweise der Wasserpfeife
Eine Wasserpfeife (Shisha, Narghileh, Hookah, Arghileh) besteht aus einem wassergefüllten Glasgefäß, einem Tongefäß für den Tabak, einer Rauchsäule mit Ventil und einem Mundstück. Der Wasserpfeifen-Tabak wird mit Früchten, Fruchtessenzen oder Sirup aromatisiert. Auf das mit dieser Mischung gefüllte Tongefäß werden ein Metallsieb oder eine Alu-Folie und darunter glühende Kohle gelegt. Beim Saugen an dem Schlauch wird der Rauch durch den Wasserbehälter geschleust.
Im Atisha ist das Licht stets gedimmt, die weichen Bänke laden mehr zum Liegen ein als zum Sitzen, das Flair ist fast ein wenig esoterisch - so könnte die Atmosphäre sein bei einem Stammtisch für Jugendliche. Wer nach einer Weile die Tür zur Straße öffnet, erwartet dann auch einen Ausblick auf den Himalaya, nicht den auf eine schnöde Häuserfront. „Shisha-Bars gibt es inzwischen in jeder Stadt“, sagt Karaömer.
Als er das Atisha vor rund einem Jahr eröffnete, war es sein Ziel, die Düsseldorfer Club-Atmosphäre nach Neuss zu holen. Jetzt, sagt er, kämen sogar die Gäste aus Düsseldorf, aus Krefeld oder Grevenbroich.
Das Flair in der G.T.G Handelsgesellschaft mbH ein paar Häuser weiter ist das eines Gemischtwarenladens. Teppiche kann man hier kaufen, Kleinkram und auch Wasserpfeifen. Große, kleine, in einer Preisspanne von 15 bis 85 Euro, je nach Geschmack und Geldbeutel-Größe.„Besonders gut geht der Apfeltabak“, erklärt Abdulwahab Sbata, der das Geschäft betreibt. Vor etwa sechs Monaten habe der Wasserpfeifen-Trend seinen Laden erfasst.
Er legt ein Päckchen „Prince Molasses“ (Geschmacksrichtung Weintraube) auf den Tisch und deutet auf das Kleingedruckte. Teer: 0,0 mg; Nikotin: 0,5 mg; Kohlenmonoxid: 0,0 mg. Shisha-Rauchen sei eindeutig weniger gesundheitsschädlich als Zigaretten-Rauchen.
Das sehen Gesundheitsschützer indes völlig anders. Andrea Kleinbreuer, Sprecherin der Techniker Krankenkasse in Neuss, mahnt: „Vor allem bei Jugendlichen ist der orientalische Tabakgenuss beliebt und gilt als harmlose Alternative zur Zigarette.“ Auch Nichtraucher würden durch Tabaknamen wie Ananas, Melone oder Banane verführt. Doch sei das Shisha-Rauchen mit dem Konsum einer filterlosen Zigarette vergleichbar.
Kleinbreuer: „Entgegen der verbreiteten Annahme filtert das Wasser die Schadstoffe nicht aus dem Tabak.“ Zudem werde durch den gemeinschaftlichen Gebrauch der Pfeife die Übertragung von Infektionskrankheiten begünstig. Und: Beim Verbrennen der Kohle entstehe gefährliches Kohlenmonoxid.
Das sagt auch Sbata: Gesundheitsschädlich sei weniger der Tabak als die Kohle, die zum Verbrennen des Tabaks unter einem kleinen Metallsieb platziert wird. „Das ist so ähnlich wie mit der Grillkohle.“
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