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Tötungsdelikte mit äußerster Grausamkeit verübt: Über die Grenzen hinweg

zuletzt aktualisiert: 08.10.2004 - 23:22

Tötungsdelikte mit äußerster Grausamkeit verübt (NGZ). Von Cordula Schmitz Die Brutalität bei Verbrechen nimmt zu. Längst wird von der Polizei grenzübergreifend ermittelt. Zum Informationsaustausch über die organisierte Kriminalität trafen sich jetzt in Neuss Beamte aus den Niederlanden, der Türkei und der Russischen Förderation mit ihren deutschen Kollegen.

Fünf Morde, grenzüberschreitend in den Niederlanden und im Ruhrgebiet verübt, hielten in jüngster Vergangenheit die Polizei beider Länder in Atem. Die Tötungsdelikte waren mit äußerster Grausamkeit im Drogen-Milieu verübt worden. Die Spur führte die Ermittler nach Russland. Der Fall wurde aufgeklärt, vier Täter konnten festgenommen werden. Gewalt als Heldentat Dies ist nur ein Beispiel von globalisierter Kriminalität, die auch das Land Nordrhein-Westfalen betrifft. „Nur die gute Zusammenarbeit und vor allem persönliche Kontakte zu den Polizisten der betroffenen Länder machen die Auflösung solcher Fälle möglich“, betonte am Freitag Innenminister Dr. Fritz Behrens.

Um die grenzüberschreitende Arbeit zu intensivieren und einen besseren Informationsfluss zu ermöglichen, trafen sich am Freitag rund 80 Polizisten aus Belgien, den Niederlanden, der Türkei und der Russischen Förderation im Bildungszentrum der Polizei NRW in Neuss. Das Seminar wird seit 1993 jährlich abwechselnd in Deutschland, in den Niederlanden und in Belgien ausgerichtet. Im Mittelpunkt der dreitägigen Tagung stand die grenzüberschreitende Bekämpfung der Organisierten Kriminalität. Dabei beschäftigten sich die Teilnehmer intensiv mit den Entwicklungen in der Türkei und der russische Förderation. Ein Referent der Universität Moskau hielt einen Vortrag über die Gewalt in der Gesellschaft Russlands, über ihre Erscheinungsformen und Ursachen.

„In den anderen Kulturkreisen, mit denen wir uns beschäftigen, wird ein Menschenleben anders bewertet“, betonte Dieter Kretzer, Leiter des Instituts für Aus- und Fortbildung der Polizei in NRW. „In der osteuropäischen Gesellschaft wird die Gewalt als solche glorifiziert. In den kriminellen Subkulturen dort gilt es als Heldentat, kriminell zu sein. Dazu gehört auch ein besonders hartes Image. Das erklärt auch die extreme Gewalt und Brutalität, auf die wir zunehmend stoßen“, erläutert Kretzer. Auch die Gewaltanwendung türkischer Gruppierungen in den Niederlanden wurde vorgestellt.

In der Türkei sei das Handeln durch den Begriff der Ehre geprägt. Dort würde eine Verletzung der selbst auferlegten Satzungen innerhalb des organisierten Verbrechens hart bestraft, so Kretzer. Ein gemeinsames operatives Vorgehen und verdeckte Ermittlung in konkreten Fällen sei deshalb genauso wichtig wie der Austausch während der Ausbildung der Polizisten. Die Deutschen sind bei diesen Zusammenkünften allerdings keine „Missionare“, die den anderen erklären, wo es lang geht. „Wir lernen von einander und begegnen uns dabei auf Augenhöhe“, sagt Kretzer. Der Zusammenarbeit seien natürlich auf Landesebene Grenzen gesetzt, betonte Innenminister Behrens nach der Verabschiedung der Teilnehmer.

Man dürfe sich nicht verzetteln und zu viele Kooperationen schließen. Behrens wies aber auch darauf hin, dass die internationalen Rechts-Instrumentarien in den kommenden Jahren noch zu verbessern seien. Europäische Institutionen, wie zum Beispiel Europol, müssten noch weiter entwickelt und ausgeweitet werden.

Quelle: NGZ


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