Der brozene Jakobus (NGZ). Neuss (hbm) Zwei Paar Schuhe, ein breiter Hut, ein Mantel, der gegen Kälte und Nässe jeder Art schützt, ein Stab, eine Flasche und ein Reisesack - das sind, so heißt es, seit Jahrhunderten die Insignien eines Jakobspilgers. Aber warum kommt dann der bronzene Jakobus des Düsseldorfer Künstlers Bert Gerresheim barfuß daher?
Seit gut zwei Jahren steht er in dynamischer Laufhaltung am Quirinusmünster. Geschaffen im Auftrag der Scheibenschützen-Gesellschaft, die damit den eigenen Patron würdigt und zugleich der Stadt ein Kunstwerk geschenkt hat, das wie für diesen Ort gemacht zu sein scheint. „Eine bronzene Straßenpredigt am Wege“, hatte Gerresheim seine Arbeit bei der feierlichen Einweihung am Jakobstag 2007 sehr passend genannt, denn nichts anderes verkörpert seine Figur: Sie lädt zum Innehalten ein, zum Nachdenken über den eigenen Weg und zum „Beten mit den Augen“, wie der Künstler es selbst so treffend sagte.
Dass der 1935 geborene Bildhauer seinem Jakobus, den er im übrigen für Santiago de Compostela entworfen hat, ein Paar Schuhe verweigert, passt indes zu dieser Figur, dem bei aller Heiligkeit so viel Menschliches innewohnt. Die nackten Füße, die knochigen Hände, nicht zuletzt der Riss, der durch die bronzene Figur geht, zeigen, dass der Vater aller Pilger kein lebensfernes Wesen ist, sondern ein Mensch wie jeder andere, dem Leid zugestoßen, Schmerz bereitet worden ist.
Aber nichts kann ihn abhalten, seinen Weg weiterzugehen. Keine zerschundenen Füße, kein anderer Mensch. Ist er deswegen ein einsamer, in sich gekehrter Mann? Nein, dieser Jakobus steht mitten in der Welt, macht sie sich forschen Schrittes zu eigen, sieht die Vögel, sieht den Himmel. Und wenn er angekommen ist? Bleibt er dann stehen? Vielleicht für einen Moment. Aber dann wird er weitergehen. Voller Kraft und Zuversicht, einen neuen Weg zu bewältigen. Denn unterwegs sein, um an das eigene, im Inneren wohnende Ziel zu kommen - dafür steht der Jakobus von Bert Gerresheim.
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