Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Die steinerne Fratze mit ihren wild gelockten Haaren, den asiatisch lang gezogenen Augenpartien, den hervorquellenden Pupillen und dem verzerrtem Mund verabschiedet den Besucher beim Verlassen des Dycker Schlossgeländes durch das alte Torhaus auf recht unfreundliche Art. Ein seltsames Bild.
Das drohend dreinblickende Gesicht ist auf den Schlussstein des inneren Torbogens gemeißelt. „Der Neidkopf soll nach altem Volksglauben Unheil und Böses abwehren“, erklären die bei der Stiftung Schloss Dyck beschäftigten Kunsthistoriker Dr. Marion Liske-Pruss und Martin Wolthaus in einer Beschreibung des Bauwerks. Demnach sollten die bösen Mächte und Geister den Menschen in den betreffenden Gebäuden nichts neiden. Und dass sie es hätten tun können, wird man beim Blick auf die barocke Pracht von Dyck nicht bezweifeln wollen.
Der Neidstein jedenfalls ist ein kleines, aber wichtiges Detail des Torhauses, das derzeit mit viel Aufwand saniert wird. „Das Gebäude senkt sich unterschiedlich ab“, beschreibt Kreisdezernent Tillmann Lonnes, Vorstand der Stiftung Schloss Dyck, die Ausgangslage. Mit Stahlträgern musste der Bau bereits statisch gesichert werden.
Das Familienwappen am Torhaus von Schloss Dyck
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Südflügel des Hochschlosses umgestaltet. Das dort befindliche große Familienwappen fand seinen neuen Platz am Torhaus. Zu sehen sind in der Mitte von links nach rechts die Wappen von Niedersalm, Obersalm und Reifferscheidt sowie außen im Uhrzeigersinn Dyck, Bedburg, Alfter und Hackenbroich.
Errichtet wurde das Tor nach dem Dreißigjährigen Krieg, unter dem auch die alte Burganlage stark gelitten hatte. Graf Ernst Salentin zu Salm-Reifferscheidt-Dyck erbaute die Anlage zwischen 1645 und 1667 neu. Das frühbarocke Torhaus, ursprünglich ein hoch aufragender Solitär, wurde erst im 18. Jahrhundert durch Seitengebäude ergänzt. Auch eine Zugbrücke muss es einst gegeben haben, weil die Löcher für den Kettenmechanismus beidseits der Einfahrt noch vorhanden sind.
Trotz des wehrhaften Charakters - links und rechts des Durchlasses befinden sich aus Liedberger Sandstein gehauene Schießscharten - dürfte das Gebäude auch für den friedlichen Aufenthalt genutzt worden sein, worauf die Fenster und ein Kamin hindeuten. Dass bei der Errichtung gleichwohl Elemente mittelalterlicher Torburgen aufgegriffen wurden, hat symbolische Gründe: Alter und Vornehmheit des Ortes sollten damit ebenso deutlich gemacht werden wie die Zugehörigkeit seiner Bewohner zum Hochadel, erklären Dr. Marion Liske-Pruss und Martin Wolthaus.
Nach einem Brand erhielt das Torhaus im Jahre 1809 ein abgewalmtes Satteldach, zuvor trug es eine Zwiebelhaube, wie sich aus Gemälden des Hofmalers Roussau rekonstruieren lässt.
„Das Tor ist zum Wasser hin auf Pfählen gegründet“, sagt Franz Steves, der als Architekt bei der Kreisverwaltung tätig ist, und gemeinsam mit seinem Kollegen Bernd Simon und zwei weiteren Mitarbeitern die Baumaßnahmen auf Dyck begleitet. Im Mai wurden die Arbeiten an dem Torhaus aufgenommen. Bis zu 15 Meter tief wurde gebohrt: Löcher, die mit Beton wieder verfüllt werden sollen, um das Fundament stabiler zu machen. „Die hölzernen Pfähle sind noch vorhanden“, berichtet Helmut Montag, Polier bei der mit der Sanierung betrauten Firma. „Aber die halten dem Druck nicht mehr stand.“ Aus Kiefer seien sie, erklärt er weiter.
Während ein Großteil der Sanierung im Untergrund stattfindet, wird anschließend auch das aus Werkstein und Liedberger Sandstein gemauerte Gebäude selbst restauriert. Architekt Steves spricht von „Vernadelung“, die dort angewandt werde, wo die Wände auseinander driften: „Im jetzigen Zustand ist das Gebäude nicht nutzbar.“ Im Frühjahr, schätzt Steves, sei die vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege betreute Sanierung beendet. Rund eine Million Euro, sagt Tillmann Lonnes, soll das Projekt kosten. Entstehen werden nach seiner Auskunft neue Büroräume für die Stiftung Schloss Dyck.
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