Noch herrscht reges Treiben auf der Station K 1 in der Kinderklinik des Neusser Lukaskrankenhauses. Muntere Kleinkinder, die auf den ersten Blick gar nicht so krank aussehen, flitzen über den Flur der Station. Kurz vor Weihnachten sind zwölf der Betten belegt, zumindest nachts. Claudia Willamowski, die als Erzieherin im Lukaskrankenhaus arbeitet, hofft, dass die meisten der kleinen Patienten noch vor den Festtagen entlassen werden können. Vor Weihnachten schmücken die Kleinen in der Kinderklinik gemeinsam den Tannenbaum.
"Wir behalten nur die schwer kranken Kinder hier, alle anderen dürfen nach Hause zu ihren Familien, sobald die Ärzte das verantworten können." Weihnachten im Krankenhaus - das ist selbst für Erwachsene unerfreulich. Für Kinder jedoch, die schon Wochen und Monate vorher gebannt auf das Christkind warten, ist ein Krankenhausaufenthalt während des für sie schönsten Festes im Jahr meist unvorstellbar.
Aus diesem Grund versuchen die Kinderkrankenschwestern und die Erzieherin, den Kindern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Zimmer sind bunt dekoriert, überall hängen Bilder, die Kinder während ihres Stationsaufenthaltes gemalt haben, und natürlich darf der Weihnachtsschmuck nicht fehlen. Als wichtigstes Requisit gilt nach wie vor der Weihnachtsbaum. Auch Aktionen, zum Beispiel das gemeinsamen Kekesebacken, helfen den kranken Mädchen und Jungen über die Festtage in der Kinderklinik hinweg. NGZ-Fotos: A. Woitschützke
"Die Kinder helfen gern beim Schmücken des Baumes, genauso wie es in den meisten Familien zu Hause üblich ist", erzählt Claudia Willamowski. "Kurz vor Weihnachten haben wir gemeinsam Plätzchen gebacken und anschließend in großer Runde gefeiert. Dabei gab es selbstverständlich für jedes Kind ein kleines Geschenk." An Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen kümmern sich die Schwestern und die Eltern allein darum, den Kindern ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. "Wir lassen den Eltern so weit wie möglich freie Hand bei der Gestaltung des Weihnachtsfestes. Natürlich kann es hier niemals so sein wie zu Hause, aber Geschwister und Großeltern dürfen mitkommen und hier feiern."
Die Erzieherin arbeitet mit großer Begeisterung auf den Kinderstationen. Ihre Aufgaben unterscheiden sich von denen, die in einem Kindergarten oder einer Kindertagesstätte anfallen. Der Kontakt zu den Kindern ist meistens recht kurz, die durchschnittliche Verweildauer auf der Station K.1 beträgt lediglich vier bis fünf Tage, dann werden die Kinder wieder entlassen, und Claudia Willamowski muss sich auf neue Patienten einstellen. Das gelingt ihr in der Regel gut.
Das Spielzimmer ähnelt den Räumen in Kindergärten, so dass sich die Kleinen schnell wohl fühlen und die Situation akzeptieren können. Kindgerechte Möbel, Spielzeug und Bücher für alle Altersstufen, Bastelmaterialien und vieles mehr helfen der Erzieherin dabei, für die Kinder im Spielzimmer eine angstfreie Zone und Gegenpole zum sterilen Klinkalltag zu schaffen. Unterstützt wird sie dabei von Mitarbeitern des Kinderschutzbundes. Einmal in der Woche kommt jemand und beschäftigt sich über einen gesamten Vormittag mit einem Kind.
"Die Arbeit im Krankenhaus ist sehr abwechslungsreich", erläutert die Pädagogin, "hier treffen sich alle sozialen Schichten und alle Kulturkreise. Vor allem an Weihnachten und Ostern kommt es daher vor, dass Eltern ihre Kinder an den christlichen Feiern nicht teilnehmen lassen. Für die Kleinen ist es hart, aber ich muss es akzeptieren."
Claudia Willamowski nimmt Feste wie St. Martin und den Nikolaustag zum Anlass, den kranken Kindern Abwechslung zu bieten. Mit einem Laternenumzug durch das Krankenhaus und über das Gelände zur Kindertagesstätte "Libelle" machte sie ihnen am Martinstag eine große Freude. Und am 6. Dezember erschien ein "echter Nikolaus" mit seinem Knecht Ruprecht auf den Kinderstationen.
Wie in den Jahren zuvor übernahmen Schüler des Erzbischöflichen Collegium Marianum, einer Ausbildungsstätte für Priester und Diakone, diese Rollen, lasen aus dem goldenen Buch vor und verteilten Süßigkeiten. Die Pflege kranker Kinder erfordert eine andere Ausbildung als die Betreuung erwachsener Patienten. In der Krankenpflegeschule werden daher Kinderkrankenschwestern ausgebildet.
Neben den medizinischen Kenntnissen, die dort vermittelt werden, darf auch die Pädagogik nicht zu kurz kommen. Claudia Willamowski unterrichtet im Lukaskrankenhaus die angehenden Kinderkrankenschwestern und -pfleger, damit auch sie in ihrem späteren Berufsalltag mit den besonderen Bedürfnissen der Kinder im Krankenhaus zurecht kommen. Weihnachten im Krankenhaus verbringen zu müssen, ist für Kinder besonders traurig. Schwestern und Pfleger müssen auch auf diese Situationen vorbereitet werden.
Wer in diesem Jahr den Heiligen Abend in der Kinderklinik des Neusser Lukaskrankenhauses erleben wird, ist wenige Tage vorher noch völlig ungewiss: "Bis zum Weihnachtswochenende ist theoretisch der komplette Austausch möglich. Ich hoffe, dass es nicht so viele Kinder sind, die hier bleiben müssen", wünscht sich Claudia Willamowski. Ulrike Keller-Hümbs
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