Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Laut Jahresbericht der Frauenberatungsstelle und ihres Trägervereins haben knapp 500 Frauen im Rhein-Kreis Neuss häusliche Gewalt erleiden müssen. Ausgesprochene Brennpunkte gibt es dabei nicht.
Beratungsstelle
Gründung Seit 1982 ist die Frauenberatungsstelle Neuss eine etablierte Adresse für Frauen in Krisen.
Angebot Psychologische und psychosoziale Beratung, die Mitarbeiter unterstehen der Schweigepflicht, auf Wunsch wird anonym beraten.
Kontakt Tel. 02131 27 13 78
Auf der Karte des Rhein-Kreises, die an einer Wand in den Räumen der Frauenberatungsstelle hängt, sind viele bunte Nadeln verteilt. Jede Nadel steht für eine Frau, die sich 2009 hilfesuchend an die Neusser Beraterinnen gewandt hat. "Es gibt für häusliche Gewalt keine Brennpunkte, es ist eher ein Flächenbrand", sagt Ursula Habrich, Sozialpädagogin bei der Frauenberatungsstelle.
Häusliche Gewalt findet sich allen Klischees zum Trotz nicht nur in den sozialen Brennpunkten: Rund zwei Drittel der Männer, die ihrer Partnerin körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt antun, verfügen über mittlere bis gute Einkommen, sind weder arbeitslos noch von Sozialleistungen abhängig.
Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle sowie Vorstandsfrauen des Trägervereins "Frauen helfen Frauen" stellten jetzt den Jahresbericht 2009 vor, zu dem sie erstmalig Vertreter des Kreises sowie Landespolitiker aller Parteien eingeladen hatten.
"Wir sind dankbar für die Unterstützung, die wir zuverlässig vom Land und vom Kreis erhalten und wollen deutlich machen, was wir damit tun", sagte Geschäftsführerin Janne Gronen und begrüßte die Gesellschaft, zu der unter anderem Fritz Behrens, Landtagskandidat der SPD, Hans-Christian Markert, Kandidat der Grünen sowie Hans-Ulrich Klose und Jürgen Steinmetz als Vertreter des Kreises gehörten.
Insgesamt 858 Frauen nutzten im vorigen Jahr die Angebote der Beratungsstelle, weit mehr noch holten sich telefonisch Rat. Trauriger Spitzenreiter unter den Themen, mit denen Frauen sich an die vier hauptamtlichen Sozialpädagoginnen wandten, war die häusliche Gewalt: 296 Frauen suchten Hilfe nach einer Gewalterfahrung, 185 wurden durch die Polizei an die Beraterinnen vermittelt, nachdem die Beamten den Partner aus der gemeinsamen Wohnung gewiesen hatte. Eine gute Zusammenarbeit gibt es mittlerweile zwischen Beratungsstelle und Polizei.
Nicht viel, so Janne Gronen, habe sich in all den Jahren an der allgemeinen gesellschaftlichen Tabuisierung häuslicher Gewalt geändert. Vor allem die Vorurteile, dass Gewalt in der Partnerschaft ein Bildungs-, Schicht- oder Migrationsproblem sei, seien nach wie vor da. Die Folge: Viele Betroffene suchen sich keine Unterstützung.
Zu schaffen macht den Beraterinnen das fehlende Geld: "Bislang konnten wir unseren Eigenanteil auch durch Zahlungen finanzieren, die wir vom Gericht zugewiesen bekamen. Hier gibt es immer weniger, weil die Verurteilten oft die Strafgelder nicht zahlen können", sagt Gronen. Die Beratungsstelle brauche dringend Sponsoren.
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