"Executive Terminal" (NGZO). Reportage Wo Stars in die Luft gehen und Wirtschaftsbosse landen: Am Rande des Düsseldorfer Flughafens liegt der "Executive Terminal" von Jet Aviation.
Rhein-Kreis Neuss Die Beschilderung auf dem Flughafengelände ist nicht unbedingt zielführend. "Executive Terminal" liest man da. Kein Hinweis, dem man ohne Anlass mal einfach so folgen würde. Und das soll auch so sein. Denn dort, wo ganz am Rand des Düsseldorfer Airports der Executive-Bereich (GAT) angesiedelt ist, checken Menschen ein und aus, die einem von der Kinoleinwand, aus dem Fernsehen oder aus den internationalen Zeitungen und Hochglanzblättern bekannt sind, die aber beim Reisen denkbar wenig Interesse an jeglichem (Star-)Rummel haben.
Eben weil dem so ist, dass Paparazzi hier aufgrund erhöhter "Promi-Dichte" lukrative Jagdgründe wittern könnten, bleibt Sascha Broll betont zurückhaltend, wenn es darum geht, Namen zu nennen. Ein freundlicher, aber bestimmter Blick, dem der Satz folgt: "Wir unterliegen der Schweigepflicht."
Broll ist bei Jet Aviation, dem Betreiber dieses "Executive Terminals", in leitender Position tätig und weiß um die Diskretion, die die Kunden ganz allgemein erwarten, wenn sie auf die Leistungen des Unternehmens zurückgreifen. Nur so viel deutet er als Antwort auf die Frage an, zu welchem Anlass die Prominenz den Service nutzt: "Wann immer wichtige Events im Umfeld von Düsseldorf stattfinden."
Dass bei der von Ute Ohoven am 14. November im Düsseldorfer Maritim-Hotel veranstalteten Unesco-Gala, die über viele Jahre im Neusser Swissôtel stattfand, mit erhöhtem Aufkommen zu rechnen sei, will Broll dabei nicht bestreiten. Wer in die Gästeliste für die nächste Gala blickt, darf seiner Phantasie nun freien Lauf lassen. Dabei sollte man aber im Blick behalten, dass die Schönen und Reichen nicht die Masse des jährlich via Jet Aviation startenden und landenden Kundenklientel darstellen. "Die Geschäftsfliegerei macht 95 Prozent aus", zerstört Broll die Vorstellung, die Firmenphilosophie stütze sich allein auf Glitter und Glamour. Zu den Turbulenzen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise und über ihre Auswirkungen auf exklusive Dienstleistungen meint er: "Es ist zu verspüren, dass die Talsohle erreicht wurde. Wir verzeichnen jetzt wieder mehr Umläufe als in den Vormonaten."
Wenn in diesem Zusammenhang vom Fliegen und von Flugzeugen die Rede ist, geht es in der Regel um sieben- bis fünfzehnsitzige Privat-, Firmen- und Chartermaschinen. So intim die Beförderung erfolgt, so intim geht es bei Abflug und Ankunft zu. Blumenkübel flankieren den Eingang, an den die Limousinen vorfahren können. Der erste Blick ins Innere des 2006 passend zur Fußball-Weltmeisterschaft neu eröffneten Gebäudes fällt auf die Rezeption, direkt dahinter liegen schon die Zugänge aufs Rollfeld, wo eine ganze Reihe kleinerer und mittelgroßer Maschinen geparkt ist. Das Gebäude verfügt neben Büros im Erdgeschoss über eine "Executive Lounge" zum Aufenthalt für die Fluggäste und im Obergeschoss über eine Lounge für die Crew. Mit dem, was Otto Normalreisender mit einem Check-in-Terminal verbindet, hat das Ganze wenig zu tun.
"Der Kunde soll nach Möglichkeit von dem ganzen Drumherum nichts mitbekommen", lautet ein Grundsatz, nach dem bei Jet Aviation alle Rädchen leise ineinander greifen. Zum Leistungspaket zählen neben der Erledigung der Ein- und Ausreiseformalitäten unter anderem der individuelle Transfer- und Shuttle-Service, Personenschutz oder Hotel- und Restaurantreservierung. Für Konferenzen und Meetings bietet Jet Aviation Räumlichkeiten im eigenen Hause an. Die firmeneigenen Flugzeughallen können ebenfalls für Veranstaltungen angemietet werden. In den Hallen dreht sich normalerweise alles um "Maintenance", um Kontrolle, Wartung und Reparatur der Geschäfts- und Privatflugzeuge, ausgelegt für Maschinen der Serien Cessna, Hawker und Embraer.
Im Zusammenhang mit den Möglichkeiten, die Individualreisende hier haben, noch die Kostenfrage zu bemühen, erscheint da irgendwie müßig. Nach diesen Eindrücken ist man ohnehin versucht zu sagen: Wer hat, der hat. Nur wenige hundert Meter von den großen Ankunfts- und Abflugschaltern entfernt, öffnet sich hier eine andere Welt, von der niemand, der mit Blick aufs Fliegen Endlosschlangen beim Einchecken und Zitterpartien bei der Gepäckausgabe für unvermeidlich hält, etwas ahnt.
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