Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Johnny B. Handsome und die Tiefflieger, der alte Karl und das Windrad: Charaktere und Themen aus zwei regionalen Hörspielen , die am Freitag im Kreiskulturzentrum Zons ausgezeichnet worden sind.
Rhein-Kreis Neuss Johnny B. Handsome ist ein ganz verwegener Typ. Mit seinem Gaul durchreitet er den wilden Osten, erkundet das Land, in dem einst der real existierende Sozialismus zu siegen versuchte.
Das Kapitel ist Vergangenheit, doch zu den vielen alten kamen nicht wenige neue Probleme hinzu. Wie gut also, dass Johnny stets dann vor Ort ist, wenn sich die Lage zuzuspitzen droht - so wie rund um das „Bombodrom“, einen Tieffliegerhorst irgendwo in der märkischen Heide, der den Anwohnern - „Siedlern“ - das Leben schwer macht.
Die im Rundfunk Berlin-Brandenburg im Oktober 2006 ausgestrahlte Geschichte von Johnny bescherte den Autoren Carla Spies und Thomas Doktor am Freitag den mit 1000 Euro dotierten Preis für den besten innovativen regionalen Kurzbeitrag im Hörfunk, kurz „SchnippZ“ genannt.
Regionales Hörspiel
Das regionale Hörspiel ermöglicht eine akustische Begegnung mit Autoren, Geschichten und der Sprache einer Region. Der Zonser Preis würdigt solche Hörspiele, die oft alles andere als praktizierter Provinzialismus sind - ein Verdacht, dem regionale Kulturbeiträge immer wieder pauschal unterstellt sind.
Verliehen wurde er im Kreiskulturzentrum Zons am Ende der Zonser Hörspieltage, die vom Internationalen Mundartarchiv „Ludwig Soumagne“ in Verbindung mit dem Arbeitskreis „Regionales Hörspiel“ seit Mittwoch veranstaltet worden waren.
„SchnippZ“ feierte im Beisein von Kreisdirektor Hans-Jürgen Petrauschke und Kulturdezernent Tillmann LonnesPremiere: Der Arbeitskreis, der aus Redakteuren, Regisseuren, Autoren, Fachjournalisten und Wissenschaftlern besteht, hatte erst im vergangenen Jahr beschlossen, einen neuen Hörfunkpreis für Kurzbeiträge im deutschsprachigen Hörfunk zu vergeben.
Im Gegensatz zum Zonser Hörspielpreis ist „SchnippZ“ nicht an die ARD gebunden, das heißt, auch freie Radiostationen im deutschsprachigen Raum haben die Möglichkeit, sich an der Ausschreibung zu beteiligen.
Achim Thissen, Leiter des Mundartarchivs, erhofft sich von „SchnippZ“ (das Z steht für Zons) neue Impulse - nicht zuletzt auch mit Blick auf die Radiolandschaft in Nordrhein-Westfalen. Der Wunsch, dass das Regionaltypische - also insbesondere die Sprache - wieder verstärkt von hiesigen Sendern berücksichtigt werden möge, gilt umso mehr für das Hörspiel.
Der Eindruck täuscht sicher nicht: Gerade das Rheinische wird in die Comedy-Ecke gedrängt und scheint für Ernsthafteres nicht zu taugen. In der Liste der bislang in Zons prämierten Hörspiele sucht man Rheinisches jedenfalls vergeblich. Auch in diesem Jahr blieb es dabei: Den mit 2500 Euro dotierten Preis der Stiftung Kulturpflege und Kulturförderung der Sparkasse Neuss, die auch „SchnippZ“ unterstützt, ging an Ursel Meyer für das niederdeutsche Hörspiel „Dreihmusik“, eine Produktion des WDR Münster unter der Regie von Georg Bühren. Hauptfigur ist der greise Karl Heitmann.
Der 92-Jährige blickt auf sein Leben zurück, in dem er Karussellbesitzer und Landarbeiter war, glücklicher und verzweifelter Vater, Geliebter, Kämpfer und zuletzt ein einsamer Mann. Statt des Karussells, das ihm viel gegeben und viel genommen hat, dreht sich jetzt der Rotor eines kirchturmhohen Windrades in Hörweite, spielt „Dreh-Musik“ und wirft bedrohliche Schatten auf sein Haus.
Die Autorin Ursel Meyer, die am Freitag in Zons nicht anwesend sein konnte, wurde 1944 in Bremen geboren und hat seit 1975 außer Hörspielen auch Geschichten und Lieder geschrieben, Schallplatten und ein Liederbuch veröffentlicht. Für „Dreihmusik“ bekam sie bereits den Hans-Henning-Holm-Preis.
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