Rhein-Kreis Neuss (NGZO). Über sieben Millionen Menschen leiden bundesweit an einem Typ-2-Diabetes. Die Folgen können fatal sein: Amputationen von Zehen und Füßen werden mehr. Experten geben am 28. Oktober am NGZ-Telefon Antworten.
Rhein-Kreis Neuss Diabetes mellitus – im Volksmund vielfach nur kurz "Zucker" genannt – ist eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen. Weit über sieben Millionen Menschen leiden bundesweit an einem Typ-2-Diabetes. Jedes Jahr kommen weitere 350 000 Menschen hinzu, die an einem so genannten Altersdiabetes erkranken. Die Bezeichnung selbst beschönigt die Situation. "Denn die Betroffenen werden immer jünger", weiß Dr. Rainer Betzholz. "Mit 30 oder 40 Jahren ein Altersdiabetiker zu sein, ist längst keine Seltenheit mehr." Allerdings bezweifelt der Neusser Diabetologe, ob sich die Menschen wirklich bewusst sind, was auf sie zukommt.
Und so blickt Betzholz besorgt auf den drastischen Anstieg der Zivilisationskrankheit, die durch krankhaftes Übergewicht (Adipositas) und eine daraus resultierende Stoffwechselstörung verursacht wird. Das Fatale an der Erkrankung: Der Diabetes kann sich über viele Jahre hinweg unbemerkt entwickeln. Die Erkrankung wird häufig erst dann erkannt, wenn durch die hohe Zuckerkonzentration im Blut bereits Folgeschäden an Gefäßen, Nerven, Nieren und Augen entstanden sind.
Und so ist beispielsweise der diabetische Fuß – der Fachbegriff lautet Diabetisches Fuß-Syndrom (DFS) – eine häufige Folgekomplikation eines dauerhaft überhöhten Blutzuckerspiegels. Führend bei der Entwicklung sind Störungen und Ausfälle der für Bein und Fuß zuständigen Nerven. Zudem stellt sich noch vielfach eine Störung der Blutzirkulation – eine Makroangiopathie – ein.
"Mit einer übermäßig trockenen Haut fängt vielfach alles an", lenkt Dr. Betzholz den Blick der Betroffenen auf die Veränderung der Haut des Fußes, die normalerweise leicht feucht und geschmeidig ist. Als weiteres Signal führt er die starke Schwielenbildung an. Erschwert wird das Krankheitsbild durch die Gefühllosigkeit: "Oft kommt es zu Verletzungen an der Fußsohle, die der Patient lange Zeit gar nicht bemerkt. Die Warnfunktion des Schmerzes entfällt durch die Neuropathie, so dass die rechtzeitige Erkennung und Versorgung von Wunden einfach ausbleibt." Die Wundheilung wird durch die eingeschränkte Durchblutung und die durch den hohen Blutzucker geschwächten Abwehrkräfte verhindert. So können sich – laut Betzholz – banale Hautschäden durch Druckstellen und Risse ungestört ausbreiten. "Gelingt es nicht, diesen Prozess kurzfristig aufzuhalten, kann die Amputation von Zehen, Fuß, Unterschenkel oder des ganzen Beines folgen", spricht der Neusser Facharzt Klartext.
Für ihn ist eine frühzeitige Aufklärung wichtiger Bestandteil einer vorbeugenden Therapie. Zudem mahnt er zu einer "gründlichen Fußinspektion". Schließlich spricht der Facharzt die traurige Bilanz offen an: "Mehr als 30 000 Amputationen als Folge des Diabetischen Fuß-Syndroms werden pro Jahr bundesweit vorgenommen." Damit es nicht dazu kommt, stehen mit Dr. Rainer Betzholz, die Neusser Podologin Dagmar vom Dorff und der Grevenbroicher Orthopädie-Schuhmacher-Meister Michael Reuters am NGZ-Telefon zur Verfügung. Ergänzt wird die Runde von Sabine Strelow, bei der AOK Rheinland-Hamburg für die Integrierte Versorgung zum Thema DFS zuständig.
Die Experten, die auch im so genannten Fuß-Netz Düsseldorf-Neuss eng zusammenarbeiten, werden am Mittwoch (28. Oktober) Ratsuchenden alle Fragen rund um den diabetischen Fuß beantworten. Sie sind dann von 16 bis 18 Uhr im Pressehaus am NGZ-Telefon zu erreichen, um Hinweise zur Entstehung, zur Therapie, aber auch zur Vorbeugung zu geben.
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