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Rhein-Kreis Neuss: Wespentaille und Tonnenlinie

VON ANNELI GOEBELS - zuletzt aktualisiert: 22.09.2009 - 21:30

Rhein-Kreis Neuss (NGZO). Rheydt Mäntel, Skianzüge, Alltags-, Party- und Cocktailkleider, das, was "drunter" gehört, Accessoires à la Schuhe, Handtaschen, Hüte und Handschuhe und nicht zuletzt das, was die moderne Frau für ihre Körperpflege benötigt – all das ist noch bis zum 22. November im Städtischen Museum Schloss Rheydt zu sehen. Willkommen in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren.

"Was wir hier zeigen, stammt aus Privatbesitz", erläutert Museums-Volontärin Julia Wallentin, die die Ausstellung organisiert hat. Eine 83 Jahre alte Dame aus Mönchengladbach sei gekommen und habe verkündet, sie wolle ihren gesamten Kleiderbestand, größtenteils selbst geschneidert, da sie in den fünfziger Jahren einen eigenen Modesalon geführt hatte, dem Museum vermachen.

Dass es sich bei der Schenkung um fast 100 Kleidungsstücke handelte, damit hatte niemand gerechnet. "Die wollten wir natürlich keinesfalls sang- und klanglos im Depot verschwinden lassen", sagt die Museumsmitarbeiterin. Doch "nur" bei Kleidung beließ es die 26-Jährige nicht, auch zeitgemäßes Mobilar, Produkte für die Schönheitspflege, Zeitschriften und eine Strickmaschine, die Julia Wallentin selbst beisteuerte, ein Erbstück ihrer Großmutter übrigens, sind in den Schloss-Räumen zu bewundern.

Schnell wird deutlich, dass die Frauen nach der langen Zeit der Entbehrungen – bedingt durch den zweiten Weltkrieg – wieder ein stärkeres Bedürfnis danach hatten, ihre Weiblichkeit zu betonen. Das Kleid bildete daher besonders in den 50er Jahren die "zweite Haut" Mit der schmalen Taille, der berühmten Wespentaille, und der Betonung auf die Rundungen der Brust und Hüfte entsprach die Silhouette der Kleider genau dem femininen Erscheinungsbild, nach dem sich die Frauen sehnten.

Kurzärmlige Kleider aus leichten Stoffen mit fröhlichen Mustern ließen die Damen warme Sommertage beschwingt genießen. Zum Nachmittagskaffee dann zog man sich um und hüllte sich in edlere Stoffe. Ein Jahrzehnt später setzte die Jugend die modischen Trends. Für Empörung sorgte in dieser Zeit die von Mary Quant ins Leben gerufene Mini-Mode. Mit bunten, geometrisch gemusterten Stoffen prägte diese Mode das Lebensgefühl der "Swinging Sixties".

Die Cocktailkleider waren aus edlen Stoffen, wie Samt, Brokat und Seide. Wichtig für die Gastgeber einer solchen waren übrigens die Accessoires für Knabbereien, so zum Beispiel der durchaus futuristisch anmutende Salzstangenhalter oder der rot-weiße Käsepilz. Auch wenn's kalt wurde, verzichteten die Damen übrigens nicht auf Kleider.

Sie waren halt nur aus dickerem Wollstoff. Bei der Wintersportmode dagegen stand Kälteschutz offensichtlich nicht im Vordergrund – "chic auf Skiern" lautete die Devise. Wintermäntel änderten ihre Form recht schnell – von der wenig schmeichelhaften Tonnenlinie hin zu tailliert und schließlich passend zu Mini-Mode recht kurz.

Ein kleiner Ausstellungsbereich widmet sich auch der Unter- und Nachtwäsche. So wurde aus dem starren Korsett, das den Damen mitunter den Atem nahm (den Herren vielleicht ebenso) das Mieder. Neue synthetische Stoffe, wie Perlon, machten das Tragen angenehmer. Nachtwäsche war betont feminin oder aber sehr mädchenhaft, wie der Baby Doll deutlich macht.

8x4-Deo, Nivea-Creme, Taft für die Haare – auch das Produkte der fünfziger Jahre, die heute noch im Laden stehen und in der Ausstellung zu sehen sind. Weniger Anhänger dagegen finden mittlerweile Persianer- und Nerz-Mäntel, die damals auch den aufkommenden Wohlstand dokumentierten.

Quelle: RP

 
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