Rettungskräfte (NGZ). Ein Unfall passiert. Zeugen rufen unter 110 oder 112 die Polizei oder Feuerwehr. Hinter diesen Telefonnummern verbergen sich die jeweiligen Leitstellen. Von dort wird dann Hilfe in Bewegung gesetzt. Die Beamten am anderen Ende der Leitung fragen den Anrufer zuerst nach den fünf berümten "w": Wo, was, wer, wann und wieviel Verletzte.
Kreisbrandmeister Reinhard Seebröker erklärt das Vorgehen: "Werden wir angerufen, klären wir zuerst, ob es eine reine Polizeiangelegenheit ist. Dann leiten wir dies an die entsprechenden Kollegen weiter". Beim Unfall eines Gefahrenguttransporters wie vor zwei Tagen auf der A 57 im Kaarster Kreuz wird zudem auch die Untere Wasserbehörde eingeschaltet. Die muss kontrollieren, ob gefährliche Substanzen in das Grundwasser gelangen können. In Kaarst wurden, um diese Gefahr abzuwenden, im Umkreis von 500 Metern der Unfallstelle alle Gullideckel abgedichtet. "Unpraktisch" findet Seebröker die zwei unterschiedlichen Nummern für den Notruf. Denn oft könnten die Betroffenen gar nicht unterscheiden, ob sie die Hilfe der Polizei oder der Feuerwehr bräuchten. Das würde nur unnötig Zeit kosten.
In Zukunft soll es deshalb europaweit nur noch einen Notruf unter 112 geben. Das haben die EU-Länder bereits beschlossen. Im Brandfall oder wenn bei einem Unfall Fahrzeuginsassen eingeklemmt werden, ist eindeutig die Feuerwehr zuständig. Die alarmierte Kreisleitstelle benachrichtigt dann die örtliche Feuerwehr, die den Fall übernimmt. Wer welches Einsatzgebiet im Kreis hat, ist in einem Papier der Bezirksregierung Düsseldorf genau festgelegt. Beim Zusammenprall der Lastwagen auf der A 57 musste die Kaarster Feuerwehr einen Fahrer mit einer Hydraulikschere - die übrigens bis zu 4,5 Tonnen Gewicht aushalten kann - aus seinem demolierten Führerhäuschen befreien.
Neben der Betreuung der Verletzten hielt vor allem das Auslaufen gefährlicher Chemikalien die Rettungsdienste in Atem. Drei Gefahrgutzüge besitzt die Kreisfeuerwehr für solche Zwecke. 60 Feuerwehrleute - im Kreis Neuss gibt es insgesamt 1.600 - waren angerückt, um die A 57 von der flüssigen Säure namens "Impranil DLN Dispersion SD" sowie dem Natriumsalz- und hydroxid zu säubern. Gelangen diese Substanzen an die Haut können sie schwere Verätzungen verursachen. Mit roten Schutzanzügen machten sich die Feuerwehrleute an die Arbeit. Höchstens 20 Minuten können sie in diesen luftundurchlässigen Ganzkörperhüllen bleiben, dann muss wieder Luft an die Haut. Hinzugezogen hatten die Einsatzkräfte auch Facharbeiter von Bayer Dormagen.
"Dies ist kein ungewöhnlich Verfahren", erklärt der Kreisbrandmeister, "diese Leute kennen sich bestens mit Chemiekalien aus und können uns beim Umgang mit den Stoffen beraten." Zu erfahren, welche Substanzen Transporter geladen haben, sei manchmal nicht so einfach, beklagt Seebröker. Im Zweifel müsse der Sender oder Empfänger der Fracht zu Rate gezogen werden. Zwar müssten die Lastwagen Fahrgutblätter mit sich führen, aber oft würden diese bei Unfällen durcheinander gewirbelt oder seien gar unauffindbar. Lastwagen, die immer die gleiche Substanz geladen haben, müssen dies an ihrem Fahrzeug kennzeichnen. Das würde die Arbeit erheblich erleichtern. sz
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