Sommertour: Geheimnisvolle Orte (38) (NGZ). Während der Ferienwochen berichten unsere Reporter täglich von uralten Legenden und geheimnisvollen Orten in Nordrhein-Westfalen. Heute: Die Barock-Kirche in Mönchengladbach-Wickrathberg.
Tief im Süden Mönchengladbachs versteckt liegt eine architektonische Rarität am linken Niederrhein, eine wahre Perle: die Spätbarock-Kirche in Wickrathberg. Und wenn von einer Perle die Rede ist, dann ist dies gar nicht so falsch, denn Barock bedeutet übersetzt "unregelmäßig geformte Perle". Um bei der Metapher zu bleiben, ist auch das Gotteshaus in Wickrathberg auf seine Weise nicht ganz regelmäßig, denn im Laufe der Zeit haben viele Baustile auf es eingewirkt. Geheime Zeitfenster, die überall im Gebäude verteilt sind, zeugen von der Geschichte, die zur Zeit der Karolinger begann.
"Unter der Kirche hat man Spuren eines Gräberfeldes, vermutlich aus dem 8. Jahrhundert, gefunden. Die erste romanische Kirche wurde 1050 erbaut", sagt Ulrike Krüner, die 14 Jahre lang Presbyterin in der evangelischen Kirchengemeinde war. Nach der Zerstörung folgte der Bau eines weiteren romanischen Gotteshauses 1220. Einen gotischen Einfluss bekam das Gebäude im 14. oder 15 Jahrhundert mit dem Gewölbe. "Die barocken Innenverzierungen mitsamt der Orgel und der Grafenloge für die Familie von Quadt folgte im Jahr 1770, also schon im Rokoko", erklärt Krüner. Evangelisch wurde die Kirche relativ kurz nach Beginn der Reformation 1517 im Jahre 1530.
Die Kirche
Europa Die Kirche wurde im Rahmen des Interregio-Projektes "Menschen und Kirchen im Dialog über Zeiten und Grenzen" gefördert.
Musik In dem Gotteshaus finden in regelmäßigen Abständen Konzerte statt. Von barocker Orgelmusik bis zum Streichquartett ist alles dabei.
Führungen Die evangelische Kirche in Wickrathberg kann in kleinen Gruppen besichtigt werden. Die Kirchengemeinde ist zu erreichen unter 02166-855506.
Die Spuren der Vergangenheit sind unübersehbar: "Den Abendmalstisch kann man zur Seite schieben, da die Kirche früher auch als Gericht genutzt wurde", sagt Krüner. Ein weiteres Zeichen befindet sich auf der Kanzel. Dort wo der Pastor predigt, sind im Laufe der vergangenen 240 Jahre Mulden im Holz entstanden. "Damals hat eine Predigt 60 Minuten gedauert. Viele Pfarrer haben vermutlich mit ihren Füßen gescharrt", sagt Krüner.
Das Gewölbe der Kirche war bis zur Restaurierung 1965 noch mit Fresken verziert. Dann wurden sie übermalt. An einer Stelle im Chorraum wurde jedoch ein Stück ausgelassen. Bei einer Restaurierung im Jahr 2002 hat man dann einen vorher unentdeckten Psalm in einem Holzbrett gefunden. "Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung." Für Ulrike Krüner ein eindeutiges Zeichen, einmal nach Wickrathberg zu kommen.
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