Rhein-Kreis Neuss (NGZO). Die Stimmung in der regionalen IT-, Kommunikations- und Medienbranche ist positiv. Das geht aus dem Konjunkturbarometer der Digitalen Stadt Düsseldorf hervor. Im Rhein-Kreis Neuss herrscht Skepsis.
Rhein-Kreis Neuss In der Welt des Kaarster Softwarehauses ams.hinrichs+müller wird der graue Schleier der Wirtschaftskrise im regelmäßigen Rhythmus von optimistischen Nachrichten zerrissen: Im Dezember wird dessen Auftragsmanagementsystem "ams.erp" zum "ERP-System des Jahres" gekürt; wenig später vermeldet das Unternehmen ein Umsatzwachstum um 23 Prozent; vor zwei Wochen durfte sich dann ams – und auch das Neusser Haus AVL Emission Test Systems – zum wiederholten Mal das Gütesiegel "Top 100" vom ehemaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Lothar Späth, ans Revers heften lassen. Das wird für "herausragendes Innovationsmanagement" verliehen.
Digitale Stadt
Die Digitale Stadt Düsseldorf (DSD) ist ein Netzwerk der Zukunftsbranchen in der Metropolregion Düsseldorf, die auch die Kreise Neuss und Mettmann umschließt. Dazu gehören die Medien- und Kommunkationsindustrie, Informationstechnologien und Telekommunikation sowie deren Dienstleister. Noch in diesem Jahr soll eine DSD-Zweigstelle im TZG-Business Center an der Königstraße in Neuss entstehen.
Dass es der so genannten ITKM-Branche (IT, Kommunkation, Medien) in der Region besser geht als dem Gros der Wirtschaftszweige, bestätigt seit gestern das "1. Konjunkturbarometer der Digitalen Stadt Düsseldorf" (siehe Infokasten), das auch die Kreise Neuss und Mettmann untersucht hat. Für die Umsetzung waren das Neusser Inkassounternehmen Creditreform und Konjunkturforscher Dr. Rainer Bovelt zuständig.
Umsatzwachstum von 13 Prozent
"IT ist immer noch eine Wachstumsbranche par excellence", sagte Bovelet, der seine Folien im Gebäude der Stadtwerke Düsseldorf vorstellte. Ein Vergleich der Jahre 2004 und 2008 macht deutlich: Die gesamte ITKM-Branche entwickelte sich positiv. So wuchs der Umsatz innerhalb dieser vier Jahre um 13 Prozent. Von insgesamt 87 040 Unternehmen in der Metropolregion entfallen 7235 auf die ITKM-Branche, 1419 davon sind im Rhein-Kreis Neuss angesiedelt.
Bovelet attestiert dieser "Zukunftsbranche" überdurchschnittliche Produktivitätswerte, "lediglich die Ertragssituation kränkelt etwas". Immerhin 37 Prozent der befragten Unternehmen vermelden dagegen eine schlechtere Ertragssituation, 25 Prozent eine bessere.
Besonders stark getrieben wird die positive Entwicklung von Existenzgründern. Bei einem Mittelwert von 106 Punkten bewerten sie mit 134 Punkten ihr Geschäfts- und Konjunkturklima als außerordentlich gut; die alt eingesessenen Traditionsunternehmen dagegen sehen die Lage skeptisch. Spaltet man die Metropolregion, wird klar: Im Rhein-Kreis Neuss ist das Klima unterdurchschnittlich (102 Punkte), in Düsseldorf dagegen überdurchschnittlich gut (108 Punkte). Das heißt nicht, dass der Rhein-Kreis Neuss hinterher hinkt. Zwar wird die Ertragslage in den acht Städten und Gemeinden stark unterdurchschnittlich bewertet, das Personalklima dagegen als sehr gut.
Immerhin 74 Prozent der ITKM-Firmen geben an, investieren zu wollen, wobei die Höhe der geplanten Vorhaben niedriger ausfallen wird. Die meisten befragten Unternehmen gaben zudem an, auf die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter zu setzen, um ihren Betrieb zukunftsfähig zu halten.
Doch es gibt einen Wermutstropfen, mit sich problemlos eine Badewanne füllen ließe: 80 Prozent aller befragten Unternehmen glauben, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise negative Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit haben werde. "Es wird noch härter", sagt Konjunkturforscher Bovelet, "dennoch ist Licht am Horizont."
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