Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Rhein-Kreis Neuss Der Appetit ist den Organisatoren des Genießertreffs zwar noch nicht ganz vergangen, aber nach vier Auflagen in der Neusser Stadthalle denken die Verantwortlichen an das ambitionierte Projekt momentan nur mit Grummeln in der Magengegend.
Blick nach Dortmund
„Dortmund à la carte“: Das Highlight unter den Freiluftveranstaltungen Dortmunds
zieht seit Jahren hunderttausende Besucher aus Dortmund und dem Umland an.
Bei diesem lukullischen Stelldichein treffen sich Kochkünstler, (regionale) Erlebnisgastronomen,
Kleinkünstler, Kapellen und Leckermäuler zu einem sinnenfrohen Spektakel auf
dem Hansaplatz. (Weitere Infos unter www.do-alacarte.de)
Denn ob es eine Wiederholung in der bisherigen Form geben wird, bei der sich die bis zu 1000 Gäste nach Zahlung des Eintritts an den Ständen gratis durchprobieren konnten, ist nach dem momentanen Stand der Dinge zweifelhaft.
Rolf Slickers, Direktor des Dorint Novotels, das mit der Neusser Tagungs- und Tourismus-GmbH, dem Dehoga und mit Unterstützung der Stadt Neuss die bisherigen Genießertreffen auf die Beine stellte, hat seine Kollegen in einem der NGZ vorliegenden Brief jetzt darüber informiert, dass er künftig nicht mehr als Veranstalter mit am Tisch sitzen wolle.
„Hauptgrund sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit erheblichen Kostensteigerungen, die wir nicht an unsere Kunden weitergeben können“, sagt Slickers.
Er will seine Anstrengungen künftig noch stärker auf gewinnbringende Aktivitäten konzentrieren.
Vor diesem Hintergrund lasse sich der mit dem Genießertreff verbundene zeitliche und personelle Aufwand nicht länger rechtfertigen, deutet er an.
Slickers macht keinen Hehl daraus, dass ungeachtet seines Renommees in der Bevölkerung der Genießertreff in der Gastronomieszene des Rhein-Kreises auf Vorbehalte stößt.
„Es ist uns nicht gelungen, die Trendsetter und Gallionsfiguren zur dauerhaften Teilnahme zu bewegen“, weist er auf das entscheidende Problem hin.
Zur Erinnerung: Beim Auftakt 2003 war beispielsweise Sternekoch Dieter Kaufmann („Zur Traube“, Grevenbroich) mit von der Partie.
Ein einmaliges Gastspiel zwar, aber eines, dass in Erinnerung bleibt. „Durch das eigene Gourmetfest der Liedberger Gastronomen droht eine weitere Abwanderung von Imageträgern“, befürchtet Slickers.
Eine Entwicklung, die seiner Meinung nach den Genießertreff auf eine Sackgasse zusteuern lässt: Die Veranstaltung werde ihrem ursprünglichen Anspruch nicht mehr gerecht.
Damit stehen für Slickers Einsatz und Ergebnis in keinem Verhältnis mehr. Aber: „Ich will den Genießertreff nicht zu Grabe tragen“, betont er und signalisiert Gesprächsbereitschaft.
Michael Erb als Vorsitzender des Dehoga Neuss/Kreis Neuss äußerte sich auf Nachfrage der NGZ am Montag optimistisch, dass ein kulinarischer Treff irgendwie weiter bestehen bleiben könne: „Jetzt erst recht.“
Der Gastronom (Wetthalle) zollt Slickers und seiner Mannschaft ausdrücklich Lob.
„Die Veranstaltung ist vom Ablauf her immer besser geworden.“ Dass die Idee des Genießertreffs unter den Gastronomen so reserviert aufgenommen werde, begründet Erb: „Was die abschreckt ist der wahnsinnige logistische Aufwand.“
Die Kostenfrage dürfte ebenfalls ein Faktor sein. „Sie sind verpflichtet, sechs- bis siebenhundert Portionen vorrätig zu haben“, nennt Ralf Dymek, Stadtmarketing Neuss, Fakten.
„Ist es das wert oder nicht, muss jeder für sich entscheiden“, formuliert es Dymek diplomatisch.
Zu dem Dilemma, dass die Spitzenköche dem Genießertreff die kalte Schulter zeigen, versucht er eine Erklärung zu geben: „Die werden in ihren Betrieben erwartet.“
Das Restaurant zugunsten einer PR-Aktion in der Stadthalle geschlossen zu halten - dazu sind in der Branche viele nicht bereit. „Wir waren am Anfang idealistisch“, bekennt Dymek freimütig.
Er blickt in die Zukunft und stellt unmissverständlich klar: Als Veranstalter eines Genießertreffs werde die Stadt nicht auftreten. „Aber wir sind gerne dabei, wenn es darum geht zu helfen.“
Fazit: Kulinarik im Zwei-Jahres-Rhythmus, im Winter oder Sommer, überdacht oder unter freiem Himmel, als Gourmet- oder Gourmand-Adresse - das Spiel ist eröffnet, die Karten werden neu gemischt.
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