Neuss (jul) Die ersten Erfahrungen der NGZ-Leser mit dem neuen Autobahnkreuz Neuss-West, das am Samstag offiziell von NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke frei gegeben wurde, sind zwiespältig: Die einen freuen
sich darüber, dass die Baustelle nun endlich ein Ende hat; die anderen Autofahrer finden die Verkehrsführung viel zu gefährlich. Die NGZ veröffentlicht eine Auswahl der erlebten Eindrücke und unterschiedlichen Meinungen der NGZ-Leser.
Siegfried Martin, Neuss : „Die Beschilderung Neuss-West als Hinweis in die Innenstadt ist weder für Ortskundige, noch für Fremde zielführend. Neuss-West ist ein Begriff, der sich im Wesentlichen auf das Kreuz bezieht. Der Begriff mag in Planungen oder Karten vorkommen, hat aber keinen Inhalt, wenn man nach Neuss abbiegen will und die Jülicher Landstraße stadteinwärts fährt. Eine Beschilderung Neuss-Zentrum wäre sinnvoller.
Dieter Schiffer, Bedburg: „Wieso ampelfreie Verkehrsführung? Beim Auffahren auf die A 46 oder auf die A 57 aus Richtung Neuss, Jülicher Landstraße, steht eine neue Ampel in Höhe Eselspfad (Firma Kampmann) für Linksabbieger, für Geradeausfahrer (A46) und für Rechtsabbieger (A 57 Richtung Krefeld). Desgleichen beim ,Verlassen’ der A 46 in Richtung Neuss. Gibt es da eine Sonderregelung?“
Marlene Mathes, Neuss: „Ich nutze täglich die Autobahnauffahrt Neuss-West auf die Autobahn 57 in Richtung Krefeld. Die Verkehrsführung finde ich nicht sehr gut gelöst. Ein Beispiel dafür ist die Autobahnauffahrt: Es geht zweispurig
von der Jülicher Landstraße los, die linke Spur ist dann aber als Zufahrt für
Kampmann gekennzeichnet. Dazu kommt die störende Ampelanlage für Kampmann, die beispielsweise am Sonntagmittag Rot anzeigt, obwohl weder ein Fußgänger noch ein Auto zu sehen ist.
Die Beschilderung der einzelnen Autobahnauffahrten ist allgemein sehr klein ausgefallen und schlecht zu lesen. Als Autofahrerin in Richtung Krefeld muss ich mich in den zweispurigen Wechselverkehr von der A 46 fädeln, danach auf die linke Spur wechseln, dann nochmals wechseln, um auf die A 57 zu kommen. Bei viel Verkehr ist das eine große Fädelei und nicht immer einfach. Außerdem ist die Abfahrt Neuss-West aus Richtung Grevenbroich von der A 46 sehr schlecht gelöst. Man muss sich auf der linken Spur befinden, um in Neuss-West die Autobahn verlassen zu können. Dabei wird man von Autofahrern gedrängt, die schnell noch nach Köln auf die A 57 wechseln wollen.
Die Abfahrt Neuss-West aus Richtung Krefeld ist unübersichtlich. Man fährt eine ganze Zeit lang parallel zur Autobahn, dann kommt eine sehr scharfe Abfahrt ohne Temporeglung.“
Eric Theissen, Neuss: „Ich bin am Samstag aus Köln über die A 57 gefahren
und habe die neue Abfahrt Neuss- West benutzt. Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass man an dem ,Vorfahrt-achten’-Schild den von links von der A 46 kommenden Verkehr nur sehr schwer einsehen kann, da die stark erhöhte Leitplanke auf der Autobahnbrücke die ganze Sicht nach links versperrt. Ich habe meine Eindrücke dann auch direkt bei der Polizei an der Jülicher Landstraße geschildert, da ich dabei einen Unfallschwerpunkt vermute. Man sollte dort kurzfristig handeln.“
Gunter Winbeck, Jüchen: „Ich fahre seit 20 Jahren von Jüchen nach Düsseldorf
über A 46 und A 57 in Richtung Krefeld. Und ich kann nicht bestätigen, dass
die ehemalige Ampel jemals ein Problem bereitet hat, wie in zwei von vier Politikerzitaten in der NGZ behauptet wird. Das Problem waren immer die Autofahrer, die in Richtung Köln fuhren. Die einspurige und chronisch verstopfte Abfahrt war vielen Dränglern und Vorfuschern zu schmal. Also musste man auf der linken Spur immer soweit wie möglich am Stau vorbei fahren, um sich kurz vorm Abzweig wieder einzureihen.
Das führte zwangsläufig zu Geschwindigkeitsreduzierung bis teilweise zum Stillstand, wordurch der Abbiegeverkehr Richtung Krefeld zusätzlich behindert wurde. Hatte man endlich die Ampel erreicht, war man heilfroh, und nahm gern eine oder zwei Rotphasen in Kauf. Dieses Problem besteht immer noch und ist wohl schlimmer geworden: Alle haben mittlerweile gemerkt, dass es Richtung Köln zwei Abbiegespuren gibt und nutzen sie auch aus.
Und der Verkehr Richtung Krefeld zweigt viel zu spät nach links ab, so dass man verstärkt unter dem Stau Richtung Köln leiden muss. Diese Verkehrsführung halte ich für eine Fehlkonstruktion, die sich viel zu stark am Abbau der Ampel als an den tatsächlichen Problemen orientiert hat.“
Reinhardt Michael, Jüchen: „Der Umbau ist keinesweges schneller als erwartet
fertig geworden. Die alte Planung ist mal kurz um ein Jahr nach hinten verlängert worden, und die Ausschreibung der zweiten Stufe hat monatelang auf dem Schreibtisch gelegen, mit Pause der Bauarbeiten. Warum soll denn der Stau am Ende der A 46 jetzt weniger werden? Eine Abbiegespur auf die A 57 hat es schon immer gegeben! Die Verengung auf eine Spur ist sehr gefährlich, besonders in der Kurve vor dem Tunnel von der A 57 auf die A 46. Bei den ersten Unfällen werden die Planer dieses erstaunt feststellen.“
Michael Hohlmann, Neuss „Obgleich das neue Dreieck gerade erst eingeweiht wurde, sind schon jetzt viele Lärmschutzwände und die neuen Brückenbauwerke über und über beschmiert. Anscheinend wurde die Baustelle nicht konsequent bewacht! Warum wird dann eigentlich ein solches Bauwerk wie das Autobahnkreuz Neuss-West abgenommen und bezahlt? Müsste der öffentliche
Bauherr nicht darauf bestehen, dass das in Auftrag gegebene Bauwerk in ordnungsgemäßen Zustand übergeben wird?“
Burkhard Zülow, Neuss : „So sehr ich mich über den Abschluss der Bauarbeiten freue, so unverständlich und ungewöhnlich ist für mich die Zielführung des Kreuzes. Die Ausfahrt in die Innenstadt Neuss aus der Überholspur abzuleiten - bei einem Abflussvolumen von vielleicht fünf Prozent -, halte ich einfach für zu gefährlich.“
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