Büderich „Ich will nun keine neuen Arbeiten annehmen, und wenn ich nur einmal eine Pause machen kann, vielleicht einen Monat irgendwohin aufs Land, dann möchte ich mit einem neuen inneren Anstoß das Aquarell auf eine höhere Linie zuführen. Dürer im Nacken! Der hat ein paar Bäume gemalt - da stockt der Atem“. So schrieb es Ewald Mataré am 24. Februar 1964 in Büderich in sein Tagebuch.
Info
Die Aquarell-Ausstellung von Mataré ist bis zum 3. Juni im Museum Kurhaus Kleve an der Tiergartenstraße 41 zu sehen. Geöffnet ist von dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 3,50 Euro, ermäßigt zwei Euro. Die Familienkarte kostet sieben Euro. Weitere Infos über die Mataré-Ausstellung gibt es im Internet unter der Adresse www.museumkurhaus.de.
Zum zehnjährigen Bestehen des Museums Kurhaus Kleve sind dort eben diese Aquarelle Matarés aus- gestellt. Rund 100 Arbeiten - zum Teil noch nie öffentlich gezeigt - kann der Besucher betrachten. In erster Linie handelt es sich um prä- zise beobachtete und direkt vor dem Motiv mit größter malerischer Delikatesse umgesetzte Landschaften, die vom fortwährenden Dialog des großen Meerbuscher Künstlers mit der Natur zeugen. Im Museum an der Tiergartenstraße, das den umfangreichen Nachlass des gebürtigen Aacheners bewahrt und erforscht, ist ein Raum ausschließlich mit Büdericher Motiven ausgestat- tet.
Im Januar 1945 schrieb Mataré in sein Tagebuch: „Ich mache nun Aquarelle, hier vom Fenster aus die herrliche Winterlandschaft überblickend, die erstrebte Abstraktion gelingt noch nicht nach Wunsch! Aber besser ist’s als gar nicht arbeiten. Im Atelier kann ich mich nicht aufhalten, es fehlen mir die Kohlen seit 14 Tagen, doch hoffe ich, bald wieder etwas arbeiten zu können.“
In Matarés facettenreichem Gesamtwerk kommt dem Aquarell eine Sonderstellung zu. Wenngleich er als Maler ausgebildet war - er studierte an der Akademie der Bildenenden Künste in Berlin unter anderem bei Lovis Corinth - begriff er sich seit Beginn der 20-er Jahre hauptsächlich als Bildhauer und entwickelte seine abstrahierten Skulpturen von Tieren und Menschen aus dem intensiven Kontakt mit dem Material - vornehmlich Holz. Die Herausforderung des Aquarells hingegen lag für Mataré im Fehlen jeglichen materiellen Widerstandes, in der Luftigkeit und Transparenz der mit Wasser aufgetragenen Farbe.
Noch heute grämen sich die Kulturinteressierten in Meerbusch, dass der Nachlass einer der wichtigsten und einflussreichsten Pro- tagonisten der Klassischen Moderne in Deutschland in Kleve gelandet ist.
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