Fragen über Fragen - wenn die Zuschauer mit eben diesen aus seiner Inszenierung herausgehen, ist Regisseur Theo Meller zufrieden. Im Theater am Schlachthof wird er "Das Missverständnis" von Albert Camus herausbringen, und er ist davon überzeugt, das das recht düstere Stück "excellent in unsere Zeit passt". Jeder Mord wird sie ein Stück voneinander entfernen: Svenja Schwieger (l.) spielt die Tochter, Anna Maria Gonzalez die Mutter in "Das Missverständnis". Foto: TaS
In eine Zeit, in der nach Meinung des 1967 in Hamburg geborenen Künstlers der in den vergangenen Jahren durchaus zu Recht wichtig gewordene Individualismus mehr und mehr in Egoismus umschlägt. "Der Weg zum Ziel muss kurz sein", hat er festgestellt, "wie man es erreicht, ist egal". Meller legt zwar mit dem Camus-Stück seine Regiearbeit vor, arbeitet aber seit mehr als zehn Jahren als Schauspieler - davon einige mit Kindern und Jugendlichen am Düsseldorfer Kinder- und Jugendtheater.
"Die meisten wissen, was sie erreichen wollen", sagt er, "vor allem in materiellen Dinge." Werte blieben da auf der Strecke, glaubt er - wie in dem 1943 veröffentlichten Stück beschrieben, in dem eine Mutter und ihre Tochter allein reisende, wohlhabende Männer umbringen, die ihnen das nötige Kleingeld liefern für die Realisierung des für sie einzig Wichtigen: schnell und weit weg zu kommen aus ihrem düsteren Zuhause in einer unwirtlichen Gegend.
Zur Sonne, ins Licht am Meer zieht es sie, doch mit jedem Mord, der sie dem Ziel ein Stück näher bringt, entfernen sich die beiden Frauen voneinander. "Als schließlich der letzte Gast eintrifft", erklärt Meller, "findet Kommunikation schon nicht mehr statt". Dass dieser auch noch der vor 20 Jahren weggelaufene Sohn der Familie ist und ausgerechnet reich und zufrieden in einem Sonnenland am Meer lebt, aber sine Identität nicht zu erkennen gibt, kompliziert die Sache erheblich ...
Warum macht die Tochter da mit? Hat sie überhaupt Schuld auf sich geladen oder konnte sie gar nicht anders, als das Morden geradezu zu perfektionieren? Warum kehrt der Sohn zurück? Hat er überhaupt noch emotionale Bindungen an Mutter und Schwester? Für die beiden Frauen könnte er eine "Messiasgestalt" sein, die ihnen das große Glück bringt, "aber der Sohn testet eigentlich, ob die beiden des Glückes wert sind", ist zumindest eine Antwort, die Meller in der Bearbeitung des Stücks für sich gefunden hat und auch zur Richtschnur des Spiels macht.
Karolin Stern (sie spielt die Schwiegertochter) hat der in Hamburg ausgebildete Schauspieler aus Düsseldorf mitgebracht; Anna Maria Gonzalez (Mutter), Svenja Schwieger (Tochter) kommen von der Alten Post, Marc Andrä (Sohn) und Thomas Peters (Knecht) vom Theater am Schlachthof. Das Bühnenbild für das auf rund eineinhalb Stunden eingestrichene Stück hat Meller zusammen mit Rainer Lehmann entworfen. Zumindest für den zweiten Akt, so verspricht TaS-Geschäftsführer Reinhard Mlotek, gebe es "etwas, dass man bei uns so noch nie gesehen hat". Helga Bittner .Donnerstag, 1. Mai (Premiere), Freitag, 2. Mai, jeweils 20 Uhr
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