Kann das Senioren-Netzwerk der Stadt Arnsberg Vorbildcharakter für Meerbusch haben? Während die einen eine steuernde Koordinierungsstelle befürworten, zählen andere auf die Initiative der Bürger.
Die Stadt Arnsberg als Vorbild für Meerbusch. Nach Meinung des Sozialausschusses ist eine Vorbildfunktion Arnsbergs durchaus denkbar. Marita Gerwin aus Arnsberg referierte jetzt im Osterather Seniorenzentrum zum Thema „Demographie - (k)ein Problem: eine Kommune auf dem Weg in die Zukunft“.
Anfang der 90er Jahre mit einem steigenden Anteil der Generation 50Plus konfrontiert, beschloss die Kommune einen Paradigmenwechsel. Statt die Senioren länger als ökonomische Bürde anzusehen, begann sie, den demographischen Wandel aktiv zu gestalten - mit Hilfe der älteren Menschen, die drei entscheidende Potenziale mitbringen: Wissen, Erfahrung und Zeit.
„Für uns hieß es zurück zur Bürgerkommune“, erklärte Gerwin. Zunächst wurden knapp 30 000 Menschen über 50 angeschrieben und gefragt: „Wie möchte ich leben, wenn ich älter bin?“
Senioren-Netzwerk
Damit habe man den Stein ins Rollen gebracht. „Im Mittelpunkt stand das Ziel, das Leistungspotenzial der Senioren gewinnbringend für die Bürgerschaft auszuschöpfen“, sagte die 51-Jährige. In Arnsberg bildete sich in kürzester Zeit ein Senioren-Netzwerk, das mehr als 50 unterschiedliche Projekte umfasst.
Ältere Technik-Freaks bringen sämtliche Computer aller Schulen auf Vordermann, ein pensionierter Kripochef legt Kindern Natur und Tierwelt nahe, ein anderer kommt täglich in „seinen“ Kindergarten, um dort Gemüsebeete mit den Kleinen anzupflanzen. Doch auch andersherum klappt das Ganze prima. So übernehmen junge Leute Patenschaften für Behinderte oder Pflegefälle.
In der Stadtverwaltung wurde eigens eine Koordinationsstelle „Leben im Alter“ eingerichtet. Dort berät Gerwin als Bindeglied zwischen Bürgern und Verwaltung. In Arnsberg funktioniert das Zusammenleben der verschiedenen Generationen hervorragend. „Ich bin mir sicher, dass auch in Meerbusch viele Potenziale schlummern, die man nur zu Tage fördern muss“, sagte Gerwin.
Sozialausschuss stimmte zu
Damit stieß sie bei den Mitgliedern des Sozialausschusses auf breite Zustimmung. „Der Vortrag hat mir sehr imponiert. Es wird Zeit, dass wir auch hier ein solches Netzwerk aufbauen. Aber wir brauchen jemand, der die Ideen bündelt“, stellte Gabriele Schmidt für die FDP fest.
Ins gleiche Horn stieß Wolf Mache von den Grünen: „Wir sollten keinen Schnellschuss abfeuern, sondern im Sozialausschuss die Ideen sammeln. Im zweiten Schritt wäre es möglicherweise sinnvoll, eine Stelle bei der Stadt Meerbusch dafür zu schaffen.“
Auch Sozialdemokrat Hans Günter Focken war vom Arnsberger Modell begeistert, war aber der Ansicht, dass von Seiten der Stadt nur der Anstoß gegeben werden sollte: „Ich habe viel Vertrauen in die Bürger, dass sie das Ganze erst einmal eigenständig händeln würden.“
Ähnlich sieht die CDU den Sachverhalt. „Die Stadt kann nur die Rahmenbedingungen setzen, die Initiative muss von den Bürgern ausgehen“, meinte Bernd Parys. Zumal eines klar ist: „So gut das Modell auch ist, zum Nulltarif wird es das nicht geben“, stellte Sozialdezernent Hans Mattner-Stellmann angesichts der leeren Stadtkasse fest.
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