Doping hin, Skandale her - die „Tour de France“ ist weltweit das drittgrößte Medienereignis des Sports. Diesen Aufschlag wollen nun die Marketing-Experten aus dem Rathaus nutzen, um die Stadt ins rechte (internationale) Licht zu setzen.
Und weil es Didi Senft als „Tourteufel“ mit seinen Auftritten am Straßenrand zu einiger Bekanntheit gebracht hat, soll’s nun für Neuss als Pendant ein Heiliger richten. Quirinus ist der bekannteste Neusser, der zudem als überzeugter Europäer gelten kann, denn er wird in rund 500 mitteleuropäischen Orten verehrt. Viele Anhänger leben in Frankreich. Das Vogesen-Städtchen St. Quirin zählt zu seinen bekanntesten Kultstätten.
Zum Grab des Heiligen pilgerten im Mittelalter viele Gläubige und brachten - so ganz nebenbei - Geld in die Stadt: Auch damals schon war Quirinus fürs (Stadt-)Marketing im Einsatz. Nur den Begriff kannte noch keiner. Die Neusser verehren und lieben ihren Stadtpatron. Darum steht diese Figur für Neuss und die Neusser werden sich mit ihm als Botschafter identifizieren.
Diese enge Bindung gelingt, weil es sich beim heiligen Quirinus um keine Kunstfigur der Werbung handelt, sondern um einen Märtyrer, der mit seinem konsequent gelebten Glauben den Menschen Vorbild und Beschützer war. Wenn es bei der Tour-Aktion gelingt, auch etwas von den Werten zu vermitteln, für die der heilige Quirinus steht, dann wäre das ein Gewinn - nicht nur für die Marketing-Experten der Stadt Neuss, sondern auch für die Menschen. Einst suchten die Pilger ihn. Heute besucht der Heilige die Spaßgesellschaft.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.