Von Chris Stoffels
Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen standen im Mittelpunkt der Herbsttagung der American Chamber of Commerce in Neuss. Gastgeber war die deutsche Niederlassung des amerikanischen Unternehmens 3 M, deren Generaldirektor Reinhold Hiersemann Präsidiumsmitglied der Kammer ist. Festredner war Ministerpräsident Wolfgang Clement.
"Innovation und Kundennähe - Garanten für Unternehmenserfolg", diesem Motto sieht sich Reinhold Hiersemann vor etwa 70 amerikanischen Unternehmensvertretern aus ganz Deutschland und heimischen Ehrengästen wie Bürgermeister Herbert Napp, Landrat Dieter Patt und IHK-Geschäftsführer Dr. Dieter Porschen mit seinem Unternehmen verpflichtet. Mit der 3 M eigenen Innovationskultur sowie den unterschiedlichen Aktivitäten in Richtung Wachstum und Kundenloyalität stellte der Generaldirektor Eckpfeiler des Unternehmens heraus.
Das neue europäische Technologie-Center in Neuss gehört zu diesen Aktivitäten ebenso wie die erfolgreichen Akquisitionen von 3 M in Deutschland. Hiersemann verkündet dabei ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland - und zu Neuss. Festredner Wolfgang Clement verbindet eine herzliche persönliche Bindung zu 3 M: Eine seiner Töchter lebt in St. Paul, dem Sitz der amerikanischen 3 M-Muttergesellschaft, und Clement nutzte eine familiären Besuch zu Firmenkontakten. "Nordrhein-Westfalen ist ein europäischer Spitzenstandort mit hoher Wachstums- und Innovationsdynamik", so der Ministerpräsident. In diesem dynamischen Umfeld seien die USA der wichtigste Handelspartner außerhalb Europas.
Das Handelsvolumen zwischen den USA und Nordrhein-Westfalen lag im vergangenen Jahr bei knapp 25 Milliarden Mark. Unternehmen aus NRW haben Waren und Diensleistungen im Volumen von knapp 15 Milliarden Mark in die USA exportiert. Die USA liegen als Handelspartner für Nordrhein-Westfalen auf Platz vier bei den Exporten und auf Platz sieben bei den Importen. Der Ministerpräsident warb auch für neue Investitionen: "Ich kann Ihnen versichern, dass die Landesregierung alles tun wird, um Investitionen hier zu begleiten und zu unterstützen." Wolfgang Clement stellte vor den amerikanischen Gästen auch eines seiner wichtigsten Ziele für Nordrhein-Westfalen vor: Die elf Millionen Menschen an Rhein und Ruhr zusammenzuführen. Bis 2006, dem Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft, sollen beide Regionen mit der Magnet-Schwebebahn Transrapid, dem "Metroraopid" miteinander verbunden werden. Dabei gelte es neue Wege einer privaten Finanzierung zu beschreiten.
Überhaupt gebe es angesichts der verkehrlichen Entwicklung neue Verbindungen zu schaffen, wenn in den kommenden fünf Jahren alleine der Güterverkehr in Nordrhein-Westfalen um 40 Prozent zunehme. Auch den Bildungsbereich sieht Clement von einer Vision getragen: "Nordrhein- Westfalen und die Benelux-Staaten werden eine Bildungslandschaft haben, die so eng ist, wie es sie nirgendwo auf der Welt gibt." Der Englisch-Unterricht in den Grundschulen sei ein erster Schritt dazu. Das Abitur nach zwölf Schuljahren sollte in jeder Stadt möglich sein. Kooperationen, Netzwerke und Eigenverantwortung von Bildungseinrichtungen auf allen Ebenen sollen gestärkt werden.
Innovationen und Neugründungen sieht Clement auf der Überholspur: Mit 26.912 Neueintragungen in das Handelsregister in diesem Jahr verzeichne die Wirtschaft im Lande einen "absoluten Rekord". Als Gründe für diesen Boom führte er das gute Gründerklima, schnelle Genehmigungsverfahren, die gute Infrastruktur und eine Fülle von Förder-, Beratungs- und Qualifizierungsprojekten gerade für kleine und mittlere Unternehmen an. Clement will die Anstrengungen für neue Gründer noch steigern: Ab sofort sollen Antragsverfahren von Förderprogrammen für Selbständige in Nordrhein-Westfalen innerhalb von zwei Wochen bearbeitet werden. Und auch die Finanzierung von Existenzgründungen und die Bereitstellung von Wagnis-Kapital soll grundlegend verbessert werden.
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