Neuss Alles fing an mit einer Frage: „Du magst doch Swing, oder?“. John von Düffel und Regisseurin Sylvia Richter kennen sich schon seit einigen Jahren aus gemeinsamen Produktionen.
Deshalb überraschte es von Düffel auch nicht, dass Sylvia Richter ausgerechnet von Düffel anrief und mit ihrer Frage nach Swing den Grundstein für die aktuelle Zusammenarbeit legte. John von Düffel übrigens beantwortete die Frage mit „Ja“.
Und so entstand in Zusammenarbeit das Stück „Call the Police“. Zum Swing gekommen sei der Autor durch seine Frau, sagt der Autor: „Sie war begeistert von Robbie Williams Swing-Album und hat mich angesteckt“.
Zu Beginn der Arbeit an „Call the Police“ hatte von Düffel zwar keine Erfahrung mit Swing-Musicals, aber schon öfter Liederabende gemacht. Er sieht einige Unterschiede zu „normalen“ Theaterstücken.
John von Düffel
Der Autor John von Düffel arbeitete zunächst als Film- und Theaterkritiker, später als Dramaturg in Stendal, Oldenburg, Basel, Bonn und derzeit am Hamburger Thalia Theater.
Von Düffel schreibt Theaterstücke und Romane und ist Dozent am Literaturwissenschaftlichen Seminar in Hamburg. Er erhielt bereits mehrere Preise, unter anderem den Aspekte-Preis.
„Die Schauspieler öffnen sich dem Publikum ganz anders wenn sie singen, und auch die Regie entfaltet sich neuartig“, sagt er und freut sich über die schon gesangserfahrenen Schauspieler im Call-the-Police-Ensemble.
Die Geschichte des Swing-Musicals „Call the Police“, das am 8. September im Rheinischen Landestheater unter der Regie von Sylvia Richter Premiere feiert, spielt in Moskau - Ort dunkler Hinterhöfe und finsterer Machenschaften.
Hier hat auch der „Gogo West“-Nachtclub seinen Standort, Striptease-Bar und Location für die Geburtstagsfeier von Don Stojewski, dem Paten. Don Stojewski, genannt Don Sinatra, ist großer Swing-Liebhaber und erwartet ein Geburtstagsständchen. Organisieren soll dies Boris Besorgowitsch, seine rechte Hand.
Der hat allerdings das Problem, dass die bestellten Swing-Künstler nicht mehr aufzufinden sind. Als Gesangs-Ersatz ist spontan nur Olga Vernaschowa, eine Stripteasetänzerin, aufzutreiben, an zwei Klavieren begleitet von den Straßenmusikern Mitka und Sidka. Der Schwindel muss mit allen Mitteln aufrecht erhalten werden, da es sonst tödliche Folgen für alle Beteiligten haben könnte.
„Das Stück lebt von Ironie und den Klischees, die es über Russland gibt“, erklärt von Düffel. „Die Figuren nehmen den amerikanischen Traum, verkörpert durch die Swingmusik, und brechen ihn auf das herunter, was sie darunter verstehen“. Sie würden sowohl den Traum als auch die Musik kopieren, wobei nicht immer nur Gutes herauskomme.
Die Lieder spielen im dramaturgischen Aufbau eine wichtige Rolle. Die Hits und Evergreens aus den fünfziger und sechziger Jahren sind so ausgesucht, dass die Texte die Geschichten der Figuren in dem Stück untermalen oder weitererzählen. Die musikalische Leitung hat, wie auch bei „Frauen für Napoleon“ aus der letzten Spielzeit, Jochen Hartmann-Hilter.
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