Neuss (KaTse) Man braucht keine Phantasie, um hinter einem Filmtitel wie „Liebesgrüße aus der Lederhose“ ein dummdreistes Sexfilmchen bajuwarischer Provenienz zu vermuten.
Ist ein solches Machwerk schon per se derart blödsinnig, dass man es schlechterdings nicht parodieren kann, so kann man es doch immerhin ad absurdum führen.
So dachte es sich offenbar das Kammerensemble Neuss und präsentierte unter dem gleichen Titel am Samstag im Kulturkeller einen aberwitzigen Bühnenklamauk.
Es wird rhythmisch gekeucht und gehechelt, was das Zeug hält, die Damen befinden sich grundsätzlich kurz vor der Hyperventilation, die Herren kurz vor der Erschöpfung.
Ob nun der Kurschatten mit der Französin, die Frau Kommerzienrat mit dem Antonio, der Sepp mit dem Schorsch oder die Froni mit Frau Lamke - wer mit wem, das ist in diesem grellen Spektakel völlig schnurzegal.
Konsequent wählt Regisseur Ralf Hemecker deshalb zu Beginn des Abends seine Akteure scheinbar aus dem Publikum aus.
Nach dem Aufbau einer dürftigen Wirtshauskulisse mit ein paar Hockern und einem Tisch lässt er sie in schwindelerregendem Tempo die Kostüme wechseln und in immer wieder neue Rollen schlüpfen.
Daniel Wandelt, Stefanie Krey, Oliver Schmidt, Bozana Brozovic und Jessica Kühnel zeigen als Darsteller Geschick beim schnellen Rollenwechsel und Mut zum bizarren Outfit.
Vor allem machen sie mit großer Spielfreude aus dem hirn- und sinnfreien Spektakel einfach einen netten Spaß, in dem Handlung keine Rolle spielt, dafür grelle Klischees vom bizarren Verhalten der Bayern wie etwa das Fensterln nicht fehlen dürfen.
Bei all dem wird die „conditio sine qua non“ solchen Landluftpornos, der an Orten mit Namen wie „Zum wilden Eber“ oder „Zum feurigen Stier“ stattfindet, in Hemeckers Inszenierung mit draller Symbolik, allerhand Gestöhn und Gewälze angedeutet und so fröhlich umfassend und restlos lächerlich gemacht.
Was das alles soll?
Einen Einblick in den „wahren Alltag der Süddeutschen“, wie das Programmheft süffisant ankündigt, gibt solcher knapp zweistündiger Klamauk gewiss kaum, dafür aber treibt er mit frechem Spaß am Aberwitz jene volkstümlerisch-platte Männerphantasie mit Kuhstallflair, die in den 70er Jahren durch die Kinos geisterte, auf ihre inhaltsfreie Spitze.
Alles in allem ein ziemlich grober Unfug.
Info Nächste Vorstellung: 27. Mai, 20.30 Uhr
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