Von Daniel Brinckmann
„Just 4 Fun“ begeisterte bei einem Konzert im Thomas-Morus-Haus mit Musik und Original-Filmszenen aus dem rockigen Neuss der 60er Jahre.
„Let the good times roll“ (sinngemäß: genieße die guten Zeiten) wählten die Beat-Recken von „Just 4 Fun“ vor Jahren als Motto aus, und die Fans wissen offenbar, dass sie dieses für bare Münze nehmen können. Mit 370 Gästen war das Thomas-Morus-Haus beim Konzert am Samstag nahezu ausverkauft.
Ein bemerkenswerter Ruf hängt der langen Spielzeit der Neusser Formation an, ein Markenzeichen, dass auch an diesem Abend Bestätigung fand: Nicht weniger als 39 Lieder zogen „Just 4 Fun“ aus dem Ärmel. Passenderweise flimmerten während des gesamten fünfstündigen Konzertes klassische Aufnahmen aus der Neusser Musikszene der 60er-Jahre über die Beamer-Leinwand: „The Pontiacs“, „The Fellows“, „The Sharks“ - Portraits von Bands aus einer Zeit, in der der Artikel vor dem Bandnamen quasi zum guten Ton gehörte, fanden vor allem anfangs so viele interessierte Zuschauer, dass ein Teil des Publikums der Bühne den Rücken zuwandte.
Akribisch recherchierte Details zu den Bandmitgliedern und unterhaltsame Illustrationen sorgten für eine warme nostalgische Stimmung. Damals war es grundsätzlich üblich, dass Gruppen Hits anderer Bands nachspielen, genau dort schließt sich dann auch der Bogen zur Gegenwart, denn auch „Just 4 Fun“ hatten ausschließlich Cover-Material an Bord. Spontan bejubelte Meilensteine der Rock-Geschichte, stellvertretend von „All my Lovin’“ (Beatles) über „Tears in Heaven“ (Eric Clapton) bis hin zu „Crazy little Thing called Love“ (Queen) wurden drei Dekaden überzeugend zusammengefasst.
Obwohl die Stücke durchweg frisch interpretiert wurden, konnten sich zumindest ein Bandmitglied den ironischen Seitenhieb aufs Alter einfach nicht verkneifen: „Wir haben da einen Zettel mit unserem Programm, aber ohne Brille kann man halt nichts mehr machen“, witzelte Gitarrist Peter Richter, der trotz einer Erkältung als Sänger des Beat-Repertoires voll überzeugen konnte. Bei Stücken aus der Feder Eric Claptons übernahm hingegen Wilfried Krauss den Gesang; zudem steuerte der Gitarrist in der Tradition „Mr. Slowhands“ feinfühlige Soli mit samtweichem Ton bei.
Songs wie „Wake up little Susie“, die ihre wahre Magie erst durch harmonischen Satzgesang entfalten, zauberte die Sänger/Gitarristen-Doppelspitze gemeinsam mit Bassist Erwin Beeg wahre Glücksmomente herbei, die von tanzfreudigen Pärchen mit Freude angenommen wurden. Freilich ein ganz anderes Kapitel waren „K.I.N.K.A.“.
Obwohl die Verpflichtung einer 14-köpfigen Percussion-Gruppe schwarzafrikanischer Prägung als Verstärkung für ein Rockkonzert sicher eine mutige Wahl bedeutete, wurden die versierten Damen und Herren an Bongos, Kuhglocken und Toms vom Publikum mit offenen Armen begrüßt. Wirklich außergewöhnlich geriet dann das Session-artige Zusammenspiel mit „Just 4 Fun“, das beide Welten homogen zusammen führte. Bis zum Ende um ein Uhr morgens harrten immer noch rund 80 Gäste aus, denen es augenscheinlich sehr gut gefallen hatte.
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