„Meine ersten Wochen in Neuss waren von einer großen Euphorie begleitet. Ich hatte mit ,Konfetti!’ einen tollen Anfang, mit einer tollen Crew in einer tollen Arbeitsatmosphäre“, schwärmt Raik Singer, der seit Oktober das Ensemble des Rheinischen Landestheaters verstärkt.
Bereits im Alter von fünf Jahren stand für den gebürtigen Leipziger (Jahrgang 1963) fest, dass er Schauspieler werden wollte: Im Kindergarten sprang er für ein erkranktes Mädchen als Pechmarie ein und fand die Verwandlung so toll, dass er fortan seinen Berufswunsch stringent verfolgte. „Ich wusste, man muss musikalisch sein, als bin ich in den Fanfarenzug eingetreten. Musketiere müssen fechten können, also habe ich Fechten eine Zeit lang sogar als Leistungssport betrieben. Im Pionierhaus Leipzig gab es eine Sprechergruppe, also bin ich dorthin gegangen. Dass das ideologisch verbrämt war, war mir zu dem Zeitpunkt egal, ich wollte ja Schauspieler werden.“
Mit zwölf Jahren spielte er schließlich seine erste Hauptrolle in der Pioniertheatergruppe und konnte seither „einen großen Rucksack an Bühnenerfahrung“ füllen. In der neunten Klasse vor die Wahl Abitur oder Beruf gestellt, entschied Raik Singer sich, den Beruf des Elektromonteurs zu erlernen „ für denen Notfall, falls es mit der Schauspielerei nicht klappt“. Weiterarbeiten wollte er nach der Ausbildung jedoch nicht. Er betätigte sich zunächst eineinhalb Jahre als Filmvorführer, bevor er an den Städtischen Bühnen in Leipzig als Techniker engagiert wurde. Im November 1986 konnte er an der Schauspielschule in Rostock endlich die lang ersehnte Ausbildung als Schauspieler beginnen. Nach seinem Diplom 1990 war er fest am Mecklenburgischen Landestheater Parchim, am Stadttheater Hildesheim, am Staatstheater Braunschweig und am Stadttheater Gießen engagiert.
Ab 1998 arbeitete Singer freischaffend an verschiedenen Theatern, für das Fernsehen unter anderem als Notarzt in der Sat 1 -Serie „Alphateam“, als Hörfunk- und Hörbuch- Sprecher. „Jetzt wollte ich unbedingt wieder fest an ein Haus. Mir fehlte das kontinuierliche Arbeiten. Als Gast bietet man einem Regisseur an, was man draufhat und kommt dadurch nicht weiter. Wenn man fest engagiert ist, sagt spätestens nach dem dritten Mal jemand: Singer, das haben wir von dir oft genug gesehen, versuch doch mal was anderes.“ Derzeit probt Raik Singer Präsident von Walter für Schillers Stück „Kabale und Liebe“, das in der Regie von Andreas Ingenhaag am 14. Januar im Schauspielhaus Premiere hat. Als Martin ist Raik Singer am Mittwoch wieder in „Konfetti!“ zu sehen (20 Uhr; Karten im Ticketshop, Telefon 02131/ 26 99 33).
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