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Feuilleton: Wenn sie nicht verrückt wären

VON ANNA SCHNÜRCH - zuletzt aktualisiert: 16.10.2006 - 21:30

Neuss Nun haben sie alle ein Reagenzglas mit Weinbrand in der Hand, womit sie sich zuprosten. Dann wünschen sie sich in diesem schmalen, eiskalten Raum zwischen Holzstühlen, Bildschirmen und Weinbrand-Vorräten herzlich „Toi, toi, toi!“. Und was war davor? Davor war eine Woche intensive Aufbauphase. Davor war über ein halbes Jahr regelmäßig Probe. Davor waren zwanzig Jahre humorvolles Theater.

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Vorstellungen

Die nächsten Vorstellungen der Komödie „Und alles auf Krankenschein“ von Ray Cooney im Pastor-Trimborn-Haus (Ecke Lupinen-/Aurinstraße) gehen am kommenden Freitag und Samstag um 20 Uhr, und am kommenden Sonntag um 17 Uhr über die Bühne. Karten (acht Euro) gibt es unter Telefon 0 21 31 / 46 09 89 (ab 18 Uhr).

Der Theaterkreis der Pfarre St. Hubertus, „Kabäuske“, feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum und gewährte aus diesem Anlass Einblick in seine witzige, spannende und gemütliche Welt hinter der Bühne, auf der es in diesem Jahr „Alles auf Krankenschein“ gibt, in einer Komödie von Ray Cooney.

Die Bühne, errichtet in einem Saal des Pastor-Trimborn-Hauses in Reuschenberg, besteht aus gestapelten Cola-Kisten, wie Mitglied Herbert Streese verrät; die Wände sind dünne Spanplatten, zwischen denen man sich leicht in engen Gängen verirren kann. „Das bauen wir alles vor der Vorstellungszeit im September und Oktober selbst auf“, erzählt Streese stolz.

Sie sind spürbar: die liebevolle Handarbeit, die Gemeinschaftlichkeit und die Freude, die hinter all dem stecken. Fotos von vergangenen Aufführungen kleben an den Spanwänden, Tüten mit Süßigkeiten liegen neben den persönlichen Trinkbechern der fünfzehn Mitglieder, die hier auf ihren Auftritt warten. Die Kälte, die durch die Tür hereinzieht, stört sie nicht sonderlich - sie haben ja den Weinbrand und ihre gute Laune.

Bevor die Darsteller und anderen Mitarbeiter, Frauen und Männer unterschiedlichen Alters, sich hinter der Bühne versammeln, schlüpfen sie in der improvisierten Garderobe im Keller des Gemeindehauses in ihre Kostüme, schminken sich gegenseitig mit Pinsel und Puder, rezitieren vereinzelt Textpassagen - und lachen. „Sind wir entspannt?“, fragt Flori Prieto durch ein Megafon.

„Manche sind hier wohl etwas aufgedreht“, gibt Ralf Schriddels grinsend zurück. „Wo ist mein Messer?“ fragt jemand im Hintergrund. Geradezu ansteckend ist diese familiäre Fröhlichkeit, die den Raum erfüllt - und von Nervosität keine Spur.

Ohne Regisseur

„Eine klare Aufgabentrennung haben wir nicht“, erklärt Streese. „Die Deko und anderen Utensilien stammen aus eigenen Beständen, sind teilweise Geschenke. Das macht den Reiz aus!“. Einen Regisseur hat die Theatergruppe auch nicht, und so entstehen die meist englischen Komödien ebenfalls in Gemeinschaftsarbeit.

Dass dies seit Jahren hervorragend funktioniert, zeigt die Menge der Zuschauer, die sich um kurz vor acht in dem kleinen Theaterraum versammelt. Und während dort aufgeregt geplappert wird, führt das Darstellerteam wenige Meter entfernt hinter der Bühne seine Startrituale durch, bevor es noch einige hektische Fotos schießt (für die Spanwände) und auf dem Bildschirm gespannt die erste Szene verfolgt.

Schließlich kehrt Ruhe ein. Auf der Bühne wird mit Eifer gespielt, hinten wartet man auf seinen Auftritt. Aber lachen können die Mitglieder von „Kabäuske“ auch leise. „Wenn wir nicht verrückt wären, würden wir das hier nicht machen“, sagt Streese. Das macht sie ungemein sympathisch.

Quelle: NGZ

 
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