Amerikas Filmwelt hat den Buhmann des Jahres: Regisseur Oliver Stone. Der verdiente sich die fragwürdigen Lorbeeren mit dem Geschichts-Epos „Alexander“, das mehr als 150 Millionen Dollar kostete, aber nur knapp über 30 einspielte und von der Kritik Prügel bezog wie kaum ein anderer Film. Lassen wir lieber die Kirche im Dorf: So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Einmal mehr Colin Farrell - dieses Mal in der Rolle des makedonischen Feldherrn Alexander. FOTO: CONSTANTIN
Colin Farrell verkörpert den makedonischen Eroberer Alexander der Große (356 bis 323 v.Chr.), der zwar nicht zum allzeit strahlenden Helden idealisiert wird, im Großen und Ganzen jedoch zu gut wegkommt. Denn im wesentlichen machte er Politik, wie das damals halt üblich war: Wenn der Nachbar schwächer ist, wird er hingemetzelt oder versklavt. Darin war der Titelheld erfolgreicher als die meisten anderen Größenwahnsinnigen, was denn auch genug Filmstoff hergäbe, sogar für drei Stunden.
Und trotzdem ist der Wurm drin. Filmbiographien (so genannte Biopics) zählen zu den Eckpfeilern von Oliver Stones Gesamtwerk, siehe „Nixon“ oder „The Doors“. Dabei kam und kommt es ihm nicht darauf an, einfach nur Fakten in brave Bilder zu fassen; „Alexander“ zielt weit höher als ein reines Spektakel wie Wolfgang Petersens „Troja“ und bemüht sich wenigstens um psychologische Vertiefung der Figuren.
Damit betritt er freilich unerforschtes Neuland im Monumentalfilm, einmal abgesehen von einem Exoten wie dem ägyptischen „Sultan Saladin“ (1963) von Youssef Chahine. Aber wer kennt den schon? In seinem löblichen Bemühen um weniger Trivialität macht Oliver Stone dann allerdings Fehler, die bei einem so erfahrenen Mann doch ziemlich erstaunen.
Ein Film, dessen erste von drei Stunden so gründlich verkorkst ist wie hier, vergrault das Publikum beinahe unwiederbringlich. Es beginnt mit elend langen, bis zur Lächerlichkeit geschwätzigen Dialogen und Monologen, in denen beispielsweise Anthony Hopkins im Stil des Schulfernsehens belehrende Vorträge hält. Dazwischen sehen wir Alexanders Jugend (die wohl ebenfalls sehr wortreich gewesen sein muss).
Und wer ist auf die Idee gekommen, Angelina Jolie (29) als Mutter von Colin Farrell (28) zu besetzen? Die Szenen, in denen sich die beiden als „Mutter“ und „Sohn“ anreden, sind grotesk! Eine geschlagene Stunde also vergeht, bis es zur ersten großen Schlacht kommt (bei Gaugamela -im heutigen Nordirak) und Zigtausende von computergenerierten Statisten aufmarschieren. Dann endlich kommt der Film in Fahrt, und wenn danach der rauschebärtige Gegner Dareios III durch den halben Nahen Osten verfolgt wird, erinnert das wohl nicht zufällig an jüngere Ereignisse unserer Tage.
Schließlich zieht Alexanders Heer noch weiter nach Osten, was immerhin schöne Landschaftsbilder bringt. Außerdem gibt es sogar ein bisschen exotischen Softsex. In dieser Phase lässt sich das immerhin ganz passabel anschauen. Leider mangelt es auch dort nicht an Albernheiten.
Der vielseitige Colin Farrell ist zwar als semi-schwuler Alexander eine vertretbare Besetzung, doch mit solchen Frisuren kann auch er nichts retten: Das wuchert in den drei Stunden vom blonden Lockenköpfchen über die berüchtigte Vokuhila-Matte bis zur Rockstar-Mähne. Und Jared Leto als Alexanders homosexueller Kumpel ist mit mehr Eyeliner aufgedonnert als eine ganze Goth-Metal-Combo. (jwi)
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