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Rommerskirchen: Funde ins rechte Licht gerückt

VON SASCHA WICHMANN - zuletzt aktualisiert: 13.02.2008 - 21:30

Rommerskirchen (NGZ) Eckum Sie waren die Bezwinger des bis dahin sicheren Limes. Schon in den Jahren um 350 nach Christus hatten die Franken für Angst und Schrecken in den Gebieten am linken Rheinufer gesorgt. Einige Jahre später siedelten sich die einstigen Plünderer dauerhaft in der neu gefundenen Heimat an. So auch im heutigen Eckum. Die Funde des dort von Archäologen aufgedeckten fränkischen Gräberfeldes wurden jetzt im Rahmen einer Pressekonferenz und eines Vortrages im Rheinischen Landesmuseum in Bonn dem Publikum präsentiert.

Die in einem Grab gefundenen Schmuckstücke entfalten einen für die Frankenzeit untypischen Schmuck für Harre und Bekleidung. Die Funde wurden jetzt in Bonn neu bewertet.

Es war eine Überraschung, als 2005 die ersten Gräber in dem geplanten Neubaugebiet zutage traten. Niemand, auch nicht der spätere Grabungsleiter Dr. Michael Gechter, vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege in Overath hätte vermutet, dass sich an dieser Stelle ein archäologischer Befund von solch enormer Größe verbergen würde. „Im Oktober 2007 waren es schließlich 467 Gräber, ein Langhaus und ein Speichergebäude, die wir gefunden hatten“, erinnerte sich der Archäologe auf der jetzt gehaltenen Pressekonferenz im Rheinischen Landesmuseum. Nach einer ersten Untersuchung durch die Grabungsfirma Archaeonet im Jahre 2005 hatten die Kosten der archäologischen Forschungen das Budget der Gemeinde Rommerskirchen überstrapaziert. Nach Verhandlungen mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege des Landschafts-verbandes Rheinland sprang schließlich die Außenstelle Overath ein und setzte die Bearbeitung des Fundplatzes fort. „Die Arbeiten haben uns über zwei Jahre beinahe völlig ausgelastet“, erklärte Gechter im Gespräch mit der NGZ.

Info

Grab Nummer 4

Herausragend war bei den Grabungen das Grab Nr. 4. Es enthielt als Grabbeigaben einen Einhenkelkrug aus Weisston, einen Terra-Sigillata-Teller, Typ Dragendorff 18/31 mit Stempel, eine sehr seltene so genannte Zirkusflasche aus grünem Glas sowie die Überreste eines Holzkästchens mit Beschlag, in dem der Leichenbrand enthalten war. Der Glaskrug stellt sicherlich eine Sonderanfertigung dar, da sich diese Zirkusdarstellung normalerweise nur auf kleinen Bechern befindet. Aufgrund der Beigaben lässt sich dieser seltene Fund an das Ende des 1. Jahrhundert datieren.

Ein erster Lohn der Mühen zeigte sich schon jetzt im Rahmen der Präsentation des „Fund des Monats Februar“. Unter den Funden, die zeitlich in die zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts bis in das späte 7. Jahrhundert datieren, finden sich zahlreiche kleine wie auch größere Preziosen. „Leider ist das Gräberfeld schon in der Spätantike stark beraubt worden. Viele Knochen lagen nicht mehr im Verbund, als wir die Gräber öffneten. Die Gräber waren damals an der Oberfläche wohl noch gut zu erkennen und leicht zu finden.“, beschreibt Gechter den Zustand vieler Grablegungen.

Dass sich schon im unruhigen 5. Jahrhundert fränkische Frauen mit eindrucksvollem Schmuck hervorzuheben wussten, zeigt das Grab Nr.490 mit Bügelfibeln, Perlenschmuck und einem Glasbecher. Funde wie eine Pressblechfibel aus vergoldetem Silber beweisen, dass sich der Wohlstand bis in das 7. Jahrhundert erhalten hat. Das Ende der Bestattungen innerhalb des Gräberfeldes kann Michael Gechter ebenfalls mit einiger Sicherheit datieren. „Mit dem Ende des 7. Jahrhunderts brechen auch die Bestattungen auf dem Gräberfeld plötzlich ab. Fortan werden die Toten im Bereich der heutigen Kirche St. Peter beigesetzt“. Die Bearbeitung und Restaurierung der vielen Einzelfunde, die nun gut verpackt im Depot aufbewahrt werden, wird allerdings noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Und auch über die individuellen Lebensgeschichten der fast 500 Toten lässt sich, so Gechter, bisher wenig sagen. „Wirklich detaillierte Erkenntnisse zum Gräberfeld können wir derzeit überhaupt nicht treffen“.

Bei einem der Fundstücke handelt es sich um ein magisches Kaiserbildnis. Nach aufwendiger Restauration konnte auf einer der Pressblechfibeln ein maskenartiges Gesicht mit Spitzbart kenntlich gemacht werden. Archäologen vermuten, dass es sich um ein imitiertes Bildnis des byzantinischen Kaisers Phokas (602-610) handelt. Vermutlich wurde die Fibel als besonderer Heils- und Glücksbringer angesehen und getragen.

Fotos
Die Metallarbeit, ein Glücksbringer, zeigt vermutlich ein Bildnis des Kaisers Phokas.

Quelle: NGZ

 
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