Rommerskirchen (NGZ). Frixheim (S.M.) Kriegsgefangene, die aus Berlin stammten, wurden von den West-Allierten nach dem Zweiten Weltkrieg erst deutlich später als andere Gefangene entlassen. Herbert Preuss ersparte dies nicht nur das ansonsten überaus hohe Risiko russischer Gefangenschaft in Sibirien, vielmehr bescherte ihm der längere Verbleib im Westen Deutschlands auch die Gelegenheit, seine Frau Hannelore kennen zu lernen.
Zum 60. Mal jährte sich am Sonntag der Tag, an dem Herbert und Hannelore Preuss den Bund fürs Leben schlossen.
Herbert Preuss war nach dem Krieg für die Fahrbereitschaft der englischen Besatzungsmacht tätig und kam auf einer seiner vielen Touren auch nach Essen: In Kupferdreh ist er dabei erstmals seiner aus dem Stadtteil Heisingen stammenden Frau begegnet.
Nach der Hochzeit im Heimatort seiner Frau blieb der gebürtige Berliner dann dauerhaft im Westen. Im elterlichen Betrieb hatte der gebürtige Berliner das Bäckerhandwerk erlernt, in dem er nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft zunächst auch wieder arbeitete.
Danach war er im Baugewerbe ebenso tätig wie in einem Gießereibetrieb in Velbert oder auf der Zeche in Heisingen. Keine einfache, aber doch „eine schöne Zeit“ sei es gewesen, sagt Hannelore Preuss im Rückblick auf die 50-er Jahre im Ruhrgebiet.
1961 lockte dann schließlich Bayer Dormagen, wo seinerzeit nach Arbeitskräften gesucht wurde: Am 15. Juni 1961 hatte der heute 82-jährige Herbert Preuss seinen ersten Arbeitstag bei Bayer und blieb dem Unternehmen dann bis zum Ruhestand verbunden. Hannelore Preuss hatte noch während des Krieges in einem Haushaltswarengeschaft eine Lehre als Verkäuferin absolviert.
Nach ihrer Hochzeit war sie jedoch zunächst voll von ihren Aufgaben als Hausfrau und Mutter in Beschlag genommen. Aus der Ehe der beiden Diamanthochzeiter gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor. Deren Ehepartner sowie drei Enkel und eine Enkelin komplettierten im Lauf der Jahrzehnte die Familie. Später wurde Hannelore Preuss dann doch noch einmal berufstätig und arbeitete insgesamt neun Jahre lang im Dormagener Ring-Kaufhaus.
Ein Campingplatz in der Eifel war lange Zeit der Standort des Wohnwagens der beiden Diamanthochzeiter, die es später in den hessischen Kneipp-Kurort Band Endbach zog, wo sie zwölf Jahre lang lebten. „Endbach war wunderbar“, schwärmt Hannelore Preuss noch heute von der Landschaft ebenso wie von der guten Nachbarschaft.
Mit dem „Hessischen Gebirgsverein“, dem die beiden Ruheständler schon bald beigetreten waren, haben sie viele Wochenendtouren unternommen. Die wohl strapaziöseste war die Wanderung über den Lahn-Höhenweg, für die Hannelore Preuss sogar mit einer Auszeichnung bedacht wurde: „Zum Schluss war ich froh, dass man sich setzen konnte“, erinnert sich die 81-Jährige an den Kraftakt.
Mittlerweile wohnen die beiden Jubilare im zwölften Jahr an der Gohrer Straße in Frixheim - so lange es die Gesundheit zuließ, war Hannelore Preuss beim Sport für betagte Bürger aktiv und auch an den sonstigen Unternehmungen des Turnvereins haben sich die beiden gern beteiligt. Gefeiert haben Herbert und Hannelore Preuss ihren Ehrentag gestern im Kreise der Familie.
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