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Rommerskirchen: Auf den Spuren der Steinzeit

VON SIMON HOPF - zuletzt aktualisiert: 29.01.2010 - 10:35

Rommerskirchen (NGZO). Ob Feuersteinsplitter, Äxte oder Beile: Adi Klein hat auf den Feldern rund um Anstel einzigartige Funde zusammengetragen, die Einblicke in das Leben am Gillbach vor tausenden von Jahren gewähren.

Rechts sind so genannte Mikroliten zu sehen: Winzig kleine Steinpartikel, die vielfältig Verwendung fanden.  Foto: NGZ
Rechts sind so genannte Mikroliten zu sehen: Winzig kleine Steinpartikel, die vielfältig Verwendung fanden. Foto: NGZ

Man muss schon Augen haben wie ein Luchs, um die winzigen Feuersteinsplitter im Erdreich zu erkennen. Adi Klein hat seinen Blick in vielen Jahren so geschärft, dass er unzählige dieser bis zu 10.000 Jahre alten Mikroliten bei seinen Gängen über die Felder zusammentragen konnte. Es sind unscheinbare aber unzweifelhafte Zeugen steinzeitlichen Lebens im Gebiet der heutigen Gemeinde Rommerskirchen. Die messerscharfen Splitter fanden beispielsweise Verwendung bei der Anfertigung von Pfeilen, Schneidewerkzeugen und Harpunen.

Kontakte zur Fachwelt

"Der beste Zeitpunkt, um auf einem archäologischen Feld zu suchen, ist nach dem Regen", sagt der 75-Jährige. Seit 1987 machte er sich regelmäßig auf den Weg – rund um Anstel und bis Rosellerheide. An seinen ersten Fund erinnert er sich noch ganz genau. Er nimmt den kleinen Gegenstand zur Hand: ein kleines Beil aus schwarzem Feuerstein.

Info

Steinzeit

Als "Steinzeit" wird jene Epoche der Menschheitsgeschichte bezeichnet, während der nach herrschender Meinung Stein – neben Holz, Knochen, Horn – als vorrangiger Werkstoff verwendet wurde. Fachleute unterteilen diese Periode in Alt-, Mittel- und Jungsteinzeit, wobei vor allem letztere immer schlagzeilenträchtig ist: Die mehr als 5000 Jahre alte Gletscherleiche "Ötzi" ist ein prominentes Beispiel.

"Das war ein Anhänger", sagt er und hält einen länglichen Gegenstand hoch. Ob er als Amulett getragen wurde? Die Phantasie kommt unweigerlich mit ins Spiel, wenn man sich die vielen, Jahrstausende alten Spuren menschlicher Besiedlung betrachtet. Zugleich führt dies einem wieder einmal ausdrucksstark vor Augen, welche Bedeutung die Region aus Sicht der Archäologie und Geschichtswissenschaft haben muss.

Adi Klein, der sich sein umfassendes Wissen selbst angeeignet hat – "ich habe jede Menge Bücher" – sucht deshalb immer wieder den Kontakt zur Fachwelt. Er zeigt den Ordner "Fundmeldung": Das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege steht für die penible Erfassung und Auswertung solcher Relikte, die Klein, der im Einvernehmen mit den Landwirten über die Äcker streift, gefunden hat.

Adi Klein zeigt zwei seiner vielen Funde, die er auf den Äckern und Feldern rund um Anstel gefunden hat. Deutlich ist bei dem einen Werkzeug eine runde Bohrung zu erkennen. Foto: NGZ

"Ich bin lange nicht mehr gegangen", bedauert er den Umstand, dass er zwischenzeitlich gesundheitlich etwas kürzer treten musste. Seit 44 Jahren wohnt der gebürtige Straberger in Anstel. Mit seiner Frau bewohnt er ein gemütliches Haus an der Wasserburgstraße. Während des Besuchs bei ihm, holt er den Nachbau eines Bogens hervor: "Der ist aus Eibenholz", sagt er. Die Pfeile dazu sind ebenfalls selbst gefertigt. Keine Frage: ein wirkungsvolles Instrument.

Auch Funde aus der Römerzeit

Das, was Adi Klein auf den Feldern aufgelesen hat, präsentiert er in Auszügen in Vitrinen in der Grundschule Frixheim. Zu den Dingen, die ihm im Laufe der Jahre "zu Füßen lagen", gehören freilich nicht allein Steinzeitartefakte. Insbesondere die Römer nutzten die fruchtbaren Gefilde am Gillbach – und die Böden hier geben deshalb zweitausend Jahre später immer wieder teils aufsehenerregende Entdeckungen frei.

Die intensive landwirtschaftliche Nutzung jener Zeit spiegelt sich in einer von Klein gefundenen Sichel ebenso wie in einer Pflugschar wider. Aber auch Werkzeuge und Keramik – unter anderem Terra Sigillata – gehören zu dem, was der Ansteler aufgelesen hat. Nicht zuletzt sind dies Münzen mit Aufschriften wie "Lucilla Augusta" und "Severus Pius Augustus". Für Klein ist klar: "Es liegt noch vieles, vieles in der Erde."

Quelle: RP

 
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