Rommerskirchen (NGZ). Die Kreisbauernschaft bestreitet die Notwendigkeit einer Umgehungsstraße: Vor allem die unterschiedlichen Zahlen des Landesbetriebs Straßenbau und des Verkehrsministeriums nähren die Skepsis am Bedarf für die B 477n.
Die Mitglieder der Bürgerinitiative "Pro Natur und Heimat" seien von der geplanten Umgehungsstraße B 477 n in unterschiedlichem Maße betroffen – für manchen Landwirt habe die beabsichtigte Trassenführung existenzielle Bedeutung. So hatte es kürzlich Manfred Schauf, der Sprecher der Initiative, formuliert.
Deutlich schärfer kritisiert Peter Herzogenrath, der Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Neuss/Mönchengladbach, das Projekt. Die Ortsumgehung werde von der örtlichen Landwirtschaft abgelehnt, erklärt Herzogenrath gegenüber der Regionalniederlassung Ville-Eifel des Landesbetriebs Straßenbau. Angesichts der "massiven Eingriffe in die Agrarstruktur" und "der teilweise erheblichen Betroffenheit einzelner landwirtschaftlicher Betriebe" verneint er ein überwiegendes öffentliches Interesse, das für den Bau der Straße nötig ist. Der Geschäftsführer der Kreisbauernschaft belässt es nicht bei pauschaler Kritik: Für Peter Herzogenrath sind die Angaben zum Verkehrsaufkommen, die dem gesamten Verfahren zugrunde liegen, schlichtweg "irreführend".
Ackerqualität
Die Ackerböden am Gillbach zeichnen sich bekanntermaßen durch hohe Qualität aus. 100 Bodenpunkte – "mehr geht nicht", so Peter Herzogenrath – sind hier keine Seltenheit. Was die Möglichkeit eines Flurbereinigungsverfahrens angeht, ist er besonders angesichts der zu erwartenden Dauer skeptisch: "Das zieht sich wie Kaugummi", lehre die Erfahrung beim Bau der B 59n.
Während auf der Grundlage einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2006 eine tägliche Verkehrsbelastung von bis zu 11 000 Fahrzeugen angegeben werde, verfügt das NRW-Verkehrsministerium über andere Zahlen: Einem Rommerskirchener Bürger ist laut Herzogenrath 2007 mitgeteilt worden, die Verkehrsbelastung im Bereich der heutigen B 477 liege bei 6884 Fahrzeugen am Tag. "Diese Verkehrsbelastung ist seitdem auf 6085 Fahrzeuge täglich im Jahr 2009 gesunken, wie der Homepage des Ministeriums zu entnehmen ist", sagt Peter Herzogenrath, der die vom Landesbetrieb zugrunde gelegten Zahlen bezweifwelt. Wenig überzeugend ist für ihn auch die Prognose, bis 2020 werde das Verkehrsaufkommen auf über 12 000 Fahrzeuge am Tag steigen. Dem Ministerium zufolge sind 2006 an 65 Dauermessstellen höhere Verkehrsbelastungen registriert worden als an der B 477 in Rommerskirchen und lediglich an 22 Stellen niedrigere. "Auch dieser Umstand spricht nicht dafür, dass die Ortsumgehung wirklich nötig ist", wie der Geschäftsführer der Kreisbauernschaft betont.
"Die erheblichen Zweifel" am Bedarf einer Ortsumgehung werden nach seinen Worten dadurch verstärkt, dass sie lediglich eine Verkehrsbelastung um 35 Prozent nach sich ziehe. Die geplante B 477n müsse im Zusammenhang mit der bereits bestehenden B 59n und der geplanten Umgehung Sinstedens gesehen werden. "Alle Umgehungsstraßen zusammen genommen durchschneiden im Wesentlichen gut arrondierte Ackerbereiche – und das in einem Maße, das eine Kompensation einzelner betrieblicher Eingriffe unmöglich erscheinen lässt", so Herzogenrath. Zumal einzelne Betriebe von mindestens zwei, wenn nicht gar allen drei Straßenbauvorhaben betroffen seien. "Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe wären von Flächenverlusten betroffen, einige davon voraussichtlich in einem existenzgefährdenden Ausmaß", sagt Peter Herzogenrath zur Situation der betroffenen Bauern.
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