Rommerskirchen (NGZ). Interview Wolfgang Könen ist Partei- und Fraktionsvorsitzender der Rommerskirchener CDU: Ein Gespräch über Realismus in der Politik, aktuelle Herausforderungen und die Schwierigkeit, Identifikation zu stiften.
Herr Könen, Bürgermeister Albert Glöckner entwickelte unlängst die Vision "Rommerskirchen 2030". Ist es richtig, so weit voraus zu blicken?
Wolfgang Könen Ich habe in der Tat den Eindruck, in der Vergangenheit standen diese Reden mehr im Hier und Heute. Wir haben doch genug konkrete Probleme, warum der Bürgermeister sich dazu nicht geäußert hat, verstehe ich nicht. Stattdessen wurde das Silo der Genossenschaft in den Blick gerückt, das es 2030 nicht mehr geben soll. Mir fehlt bei solch einer Argumentation ein Konzept für die kommenden Jahre – sprich: die verbleibende Amtszeit. Mir fehlt eine Spur mehr Realismus. Wir haben hier in Rommerskirchen keine heile Welt – das zeigen nicht zuletzt die jüngsten Vorfälle rund um die Tafel.
Wolfgang Könen
Könen betont seine Rommerskirchener Wurzeln, auch wenn er prägende Jahre im nahen Hüchelhoven verbracht hat. Der Jurist mit Kanzlei in Rommerskirchen wurde 1968 geboren. Er ist Vater eines Sohnes und wohnt mit seiner Familie in Butzheim. Seit September 2008 steht er an der Spitze des CDU-Gemeindeverandes.
Die CDU will Zähne zeigen: Ist Ihre Kritik am Planungsverfahren rund um den Lerchenweg in Nettesheim ein Beispiel für Ihre neue Angriffslust?
Könen Es ist sicher nicht so, dass es konstruktive Kritik seitens der CDU nicht gegeben hätte. Der Eindruck wäre falsch. Ich erinnere nur an die Haushaltsdebatten der beiden letzten Jahre. Was das Areal Lerchenweg/Am Fronhof betrifft, so wurde uns erst wenige Minuten vor der Ratssitzung ein Quartierskonzept vorgelegt, obwohl das von Bürgermeister Glöckner im Herbst 2008 angestoßene Projekt rund 15 Monate Vorlauf hatte. Dadurch bestand für uns keine Möglichkeit mehr, das Ganze vorher zu besprechen. Es hat mich gefreut, dass die Grünen und Teile der UWG mit unsere Auffassung übereinstimmten, und so eine weitere Beratung des Themas im Bauausschuss überhaupt erst möglich wurde.
Wie ist Ihre Haltung zur B 477n?
Könen Wir erwarten, dass die einstimmig gefassten Beschlüsse des Rates respektiert werden. Die Variante, die letztlich verwirklicht werden soll, muss planungssicher sein und mit den allgemeinen Interessen der Betroffenen abgeglichen sein. Das muss im Blick behalten werden. Am 11. März findet in der Schützenhalle Anstel um 18 Uhr eine Informationsveranstaltung statt, an der alle interessierten Bürger teilnehmen können.
Wo sehen Sie weitere Ansatzpunkte, um das politische Profil der Rommerskirchener CDU weiter zu schärfen?
Könen Es gibt derzeit drei große "Baustellen": die andauernde finanzielle Schieflage des Finanzhaushalts der Gemeinde, der im März verabschiedet werden soll, das oben angesprochene Gebiet am Lerchenweg und das Thema "Kunstrasenplätze".
Bei den Kunstrasenplätzen ziehen Sie mit der SPD also am gleichen Strang?
Könen Es ist eher umgekehrt: Die SPD ist auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Wir hatten im Frühsommer 2009 schon erste Gespräche geführt und die Lage sondiert. Im September 2009 haben wir dann einen Antrag in den Rat eingebracht, dass zwei Kunstrasenplätze gebaut werden sollen. Danach ist eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, die erste Vorschläge zur Realisierung dieses Projektes erarbeitet hat. In der Ratssitzung am 17. Dezember 2009 gab es dann eine Tischvorlage – und in Anlehnung an diese Tischvorlage noch einen eigenen Antrag der SPD. Ungeachtet dessen ist es in der Sache richtig, dieses wichtige Thema gemeinsam zum Erfolg zu führen!
Stichwort "Lebensqualität": Man hat mitunter das Gefühl, die Gemeinde entwickelt sich vor allem in Bereich Eckum und Rommerskirchen. Was ist mit Randbezirken, beispielsweise Ramrath?
Könen Das stimmt, in Rommerskirchen und Eckum konzentriert sich zunehmend alles. Ich selbst wohne mit meiner Familie in Butzheim, dort gibt es noch eine gewisse Infrastruktur. Aber hinter der Bahn wird's in der Tat dünn. Man sollte vielleicht einmal über die Einführung eines rollenden Supermarktes nachdenken. Als großes Problem sehe ich auch den Öffentlichen Personennahverkehr. Denkbar wäre, das Modell des Bürgerbusses auch auf Rommerskirchen zu übertragen. Was Ramrath konkret betrifft, hatte ich zuletzt ein Gespräch mit einem "alten" Ramrather. Dabei konnte man den Eindruck gewinnen, dass es auch 35 Jahre nach der kommunalen Neugliederung nicht wirklich gelungen ist, Identifikation mit der Gesamtgemeinde Rommerskirchen zu stiften.
Simon Hopf führte das Gespräch.
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