Rommerskirchen (NGZ). Der Ruheständler Ferdi Tiggelkamp bestreitet seinen 32. 100-Kilometer-Lauf. Er hofft aufs richtige Wetter und will das Ziel in weniger als zehn Stunden erreichen. Leicht wird's nicht. "Du wirst älter, musst länger trainieren."
Etwas mehr als ein Jahr ist Ferdi Tiggelkamp inzwischen im Ruhestand, gerastet hat der langjährige Bezirksbeamte der Polizei seither keineswegs. Nicht, dass er mit dem Alter hadert. Zum Sinnieren bringt es Tiggelkamp (62) dennoch: "Du wirst älter und musst länger trainieren, das ist das Problem", blickt er auf die vergangenen 20 Wochen zurück.
So lange hat die Vorbereitung auf seinen 32. Ultra-Marathon gedauert, den er übermorgen im niederländischen Windschoten austragen wird. Tiggelkamp, der vor 15 Jahren Marathon-Vizeweltmeister seiner Altersklasse war und 2005 Europameister sowie NRW-Polizeisportler des Jahres, geht nach 3000 Trainingskilometern topfit in das Rennen. "Ich habe es mir nur ausgesucht, um dieses Jahr zumindest einen 100-Kilometer-Lauf zu bestreiten", erzählt Tiggelkamp: "Ich hätte auch im August in Leipzig starten können, aber da war es mir zu heiß."
Ferdi Tiggelkamp
Wohl weit über das Kreisgebiet hinaus dürfte Ferdi Tiggelkamp mit bislang 31 100-Kilometer-Läufen niemand Paroli bieten können. Der vierfache Deutsche Meister hat neben 66 klassischen Marathons zudem 50 Läufe über Strecken zwischen 50 und 70 Kilometer bestritten. Im Training legt er jährlich etwa 6000 Kilometer zurück.
66 Mal Marathon
Tiggelkamp ist von Haus aus eigentlich Fußballer, doch als er die Schuhe an den Nagel hängte, kam er erst richtig ans Laufen: 1986 startete er über 10 000 Meter, kam jedoch schon bald zum Marathon: 66 Mal ist er die klassische Strecke von knapp 43 Kilometern bislang gelaufen. In Windschoten, wo am Wochenende die niederländischen Meisterschaften ausgetragen werden, geht Ferdi Tiggelkamp zum fünften Mal an den Start: Was er dort besonders schätzt, ist "die volksfestartige Atmosphäre".
Als der "Deutsche mit dem holländischen Namen" ist er in Windschoten ein Begriff, auch wenn Ferdi Tiggelkamp darauf verweist, dass seine Vorfahren aus dem Westfälischen kommen. "Wenn ich unter zehn Stunden bleibe, bin ich zufrieden", so das Minimalziel. Geradezu glücklich wäre der langjährige Bezirksbeamte der Polizei, wenn es ihm gelänge, die Marke von neun Stunden und 30 Minuten zu unterbieten. Tiggelkamp hofft auf "sein" Wetter: "15 Grad und bedeckt wären ideal", wobei für Windschoten allerdings am Wochenende wärmere Temperaturen vorhergesagt sind. Gecoacht wird der Experte für die ganz lange Langstrecke von der "besten Betreuerin der Welt", seiner Frau Elisabeth.
"Die Europameisterschaft habe ich nur ihr zu verdanken", erinnert sich Ferdi Tiggelkamp an den Titelgewinn vor fünf Jahren. "Es waren 30 Grad und ich wollte bei 55 Kilometern rausgehen, da hat sie mir Krach angedroht", beschreibt er die unorthodoxen Trainingsmethoden seiner Frau. Tiggelkamp scheute jedenfalls den Krach und nahm die "restlichen" 45 Kilometer in Angriff – mit Erfolg. Sind die nächsten 100 Kilometer erst einmal bewältigt, mag er eine zweijährige Pause zumindest nicht ausschließen.
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