Rommerskirchen (NGZ). Der Sinstedener Walter Beilke feierte am Sonntag in großer Runde in der evangelischen Kirchengemeinde seinen 100. Geburtstag. Der rüstige Senior ist vielfach im Leben des Dorfes engagiert, und er hat noch Ziele und Perspektiven.
Zukunftspläne hat Walter Beilke noch einige: Vor kurzem hat er seinen Mercedes durch die TÜV-Untersuchung gebracht und seinen Schwiegersohn kurzerhand "verpflichtet", ihn in zwei Jahren erneut zu begleiten. Gestern stand jedoch Wichtigeres auf dem Programm, denn der Sinstedener feierte in der evangelischen Kirche seinen 100. Geburtstag. "Es ist schon selten, dass solch ein Geburtstag in einem Gottesdienst gefeiert werden kann", sagt Pfarrer Thomas Spitzer über den derzeit einzigen Hundertjährigen in seiner Gemeinde.
"Er war ein Mann der ersten Stunde", würdigt Spitzer die Verdienste von Walter Beilke, der viele Jahre lang als Presbyter wirkte. "Ich habe immer Glück gehabt", lautet das Motto des rüstigen Seniors, der auf einen überaus bewegten Lebensweg verweisen kann. Im Pommer'schen Klein-Leistikow geboren, war der gelernte Schäfer während des Zweiten Weltkriegs in Russland. Glück hatte er, als er 1943 "nur" wegen einer Handverletzung ins Lazarett musste. Wenige Tage nach seiner Entlassung aus der Wehrmacht begann am 3. März für Walter Beilke, seine Frau Margarete und die beiden Kinder Hans und Barbara die Flucht, die die Familie zunächst nach Schleswig-Holstein führte. Um Arbeitsmöglichkeiten war es seinerzeit schlecht bestellt und bei der Suche nach einer Lehrstelle für seinen Sohn, bediente sich Walter Beilke eines früheren Kontakts nach Düsseldorf, wo die Familie 1952 heimisch werden sollte.
Die Familie
Mit seiner Frau Margarete war Walter Beilke von 1934 bis zu ihrem Tod 1991 verheiratet. Neben seinem (inzwischen verstorbenen) Sohn und seiner Tochter sowie deren Ehepartnern gehören zwei Enkel und ein Urenkel zur Familie des Seniors, der mit seiner Schwiegertochter in einem Haus lebt und sich selbst versorgt.
Ein absolutes Muss war für den Jubilar ein eigener Garten: "Er hat mehr die groben Arbeiten erledigt, meine Mutter hatte den totalen grünen Daumen", erinnert sich seine Tochter Barbara Bender. Bei Beilkes wurde viele Jahre lang gespart, bis dann 1971 das eigene Haus in Sinsteden bezogen werden konnte. "Hier werden wir unser Leben verbringen", sagte Walter Beilke damals und seinem aufgeschlossenen Naturell gemäß ging er auf die Leute zu und engagierte sich in der Kirche ebenso wie bei den St. Maternus-Bürgerschützen, die gestern ebenfalls zu den Gratulanten zählten.
Was nicht nur sie stets beeindruckt hat, sind die vielseitigen Fähigkeiten des Allround-Handwerkers: Strümpfe zu stricken war für ihn ebenso wenig ein Problem wie ein Reetdach zu decken. Als Friseur und Gerber konnte Walter Beilke ebenso reüssieren wie als Gerber oder Schuster. Auch gestern beeindruckte seine Vitalität die zahlreichen Gäste.
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