Rommerskirchen (NGZ). Rommerskirchen Nach wie vor ziehen gerade junge Familien auf der Suche nach günstigem Bauland und ruhiger Umgebung in die Gemeinde Rommerskirchen. Doch auch die Bevölkerung am Gillbach wird älter - und auf diese Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten soll Rommerskirchen vorbereitet sein. Im Planungsausschuss wurde am Donnerstag Abend das Konzept für eine Mehr-Generationen-Wohnanlage präsentiert.
Die Gesellschaft müsse sich auch in Rommerskirchen darauf einstellen, die Fähigkeiten, Stärken und Erfahrungen der älteren Generation besser zu nutzen, erklärt Dezernent Bernd Sauer den Hintergrund des Modells. Senioren seien heute bis ins hohe Alter aktiv und wollten am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Gleichzeitig würden die Unterstützungsnetze durch die Familie immer rissiger: Kinder wohnten nicht mehr in der Nachbarschaft oder seien den ganzen Tag berufstätig. Immer mehr ältere Menschen hätten selbst gar keine Kinder mehr.
„Die Dreigenerationen-Großfamilie im herkömmlichen Sinn wird kaum noch gelebt, heute wohnen meist nur noch Eltern und ihre Kinder unter einem Dach“, so Sauer. „Um die Generationsbeziehung auch außerhalb der Familie neu zu gestalten und zu ermöglichen, brauchen wir neue Wege.“
Ein Vorschlag ist die Mehr-Generationen-Wohnanlage. „Sie soll ein kleines Dorf im Dorf an einem zentralen Standort in Rommerskirchen werden“, sagt Sauer. Die ersten Gespräche mit Investoren seien bereits geführt. Ein Projektentwicklungs- und Architekturbüro habe sich mehrere Grundstücke in Rommerskirchen angeschaut. „Das Mehr-Generationen-Wohnprojekt ist kein Altenpflegeheim und auch keine Seniorenresidenz“, betont Sauer.
Die Wohnungen sollten individuell gestaltet werden, barrierefrei und altengerecht ausgebaut sein, aber auch die Bedürfnisse von Familien mit Kindern berücksichtigen. Älteren Menschen stehe es frei, bestimmte Service-Leistungen wie Essen auf Rädern oder einen Pflegedienst zusätzlich zu buchen. „Diese Dienstleistungen sind aber nicht Bestandteil des Konzeptes“, so Sauer. Ein wichtiger Punkt im Modell seien jedoch Gemeinschaftsbereiche und Plätze, an denen sich ältere Menschen und junge Familien treffen könnten.
„Diese Gemeinschaftsbereiche sollen ein intensives Zusammenleben fördern, aber sich fordern“, betont Sauer. Das heißt konkret: Wenn die junge Mutter für die ältere Nachbarin die schweren Einkäufe erledigt und diese im Gegenzug als Babysitterin einspringt, ist das durchaus erwünscht, aber keine zwingende Voraussetzung, um eine Wohnung in dem Haus zu mieten. „Das Motto heißt: Helfen, ohne sich gegenseitig zu beengen“, sagt der Dezernent.
Das Gebäude solle durch seine Architektur als eine städtebauliche Einheit zu erkennen sein. Die Unterhaltung und Pflege des Gemeinschaftsbereichs soll durch eine Umlage finanziert werden, in die alle Bewohner einzahlen. „Interessierte Bewohner können gern auch selbst Aufgaben übernehmen“, so Sauer.
Rund 50 Bau- und Wohngemeinschaften dieser Art gebe es mittlerweile in Deutschland, darunter beispielsweise in Dortmund und in Köln. In Grevenbroich sei ebenfalls ein Mehr-Generationen-Projekt geplant. „Auch die Gemeinde Rommerskirchen muss sich darauf vorbereiten, dass es immer mehr alte Menschen gibt und sich deshalb intensiv mit diesen neuen Wohnformen beschäftigen“, sagt Sauer.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.