Rommerskirchen (NGZ). Paul-Rolf Essel, Arnd Picker und Walter Grubert arbeiten an einem Buch über die wirtschaftliche Entwicklung Eckums seit Ende des 19. Jahrhunderts. Dabei soll es nicht nur um bloße Lokalhistorie gehen.
Beim Stöbern in alten Ordnern des Eckumer Artilleriekorps sind dessen Schriftführer Arnd Picker zahlreiche säuberlich abgeheftete Rechnungen und Belege ins Auge gefallen, die ihn zum Staunen brachten: "Dass es in der Kastanienallee ein Lebensmittelgeschäft und eine Schlachterei gab, wusste ich", erzählt der Diplom-Volkswirt. "Vollkommen verblüfft" war Picker jedoch, auch von einer Bäckerei in der Mittelstraße oder etwa einem Schreibwarengeschäft an der Gillbachstraße zu erfahren. "Da müsste man eigentlich mal was draus machen", dachte sich Picker, womit die Idee zu einem Buchprojekt entstanden war.
Dokumente gesucht
"Wenn wir es jetzt nicht machen, geht das Wissen verloren", sagt Paul-Rolf Essel. Er und seine Co-Autoren bitten die Eckumer, nach alten Zeitzeugnissen zu suchen, die Aufschluss über die wirtschaftliche Entwicklung geben. Dabei kann es sich um alte Rechnungen, Kassenbelege, Fotos und manches mehr handeln.
Die Idee kam auch bei seinen Freunden Walter Grubert und Paul-Rolf Essel gut an. "Je mehr man sucht, desto mehr findet man auch", berichtet Walter Grubert von den Recherchen über die einst in "Alt-Eckum" florierende Geschäftswelt. Die Aufgabe, das Material in den historischen Kontext einzuordnen, hat Paul-Rolf Essel übernommen, dem "keine bloße Lokalhistorie" vorschwebt. Eckum sieht er vielmehr als "Glücksfall" an, weil der Ort "repräsentativ für das ganze Rheinland" sei. Die Industrialisierung habe sich hier Ende des 19. Jahrhunderts nur mit großer Verzögerung durchgesetzt – Eckum habe vorher "noch fast im Mittelalter gelebt". Essel, der an einem Mönchengladbacher Gymnasium unter anderem Geschichte unterrichtet, nennt "fünf Schlüsseldaten", die diesen Zustand beendeten: 1874 wurde auf dem Gelände der späteren Metallhütte Schumacher die Gillbacher Zuckerfabrik gegründet, die 50 Beschäftigte hatte. Die Darlehenskasse als Vorläuferin der heutigen VR-Bank folgte 1885, ein Jahr später begann die Firma Müller, mit US-Landmaschinen zu handeln. Mit der Gründung des Transportunternehmens Engelbert Scheuren 1898 und dem im selben Jahr eröffneten Bahnhof hatte auch die Infrastruktur einen Sprung nach vorn gemacht.
Für den Zeitraum von 1874 bis 1900 sind für Eckum 155 Gewerbe registriert. "Die Namen haben wir, aber das Ganze müssen wir noch recherchieren", so Essel. Bis in die frühen 1970er Jahre sei es verbreitet gewesen, dass Beschäftigte gleichsam nebenberuflich noch einen Laden betrieben haben. Dabei hätten Geschäftsleute eine große Flexibilität an den Tag gelegt: "Allein das Lebensmittelgeschäft Kux hat drei Mal seinen Standort gewechselt", berichtet Essel. Das veränderte Bild Eckums soll fotografisch dokumentiert werden: Nachdem Ende der 50er Jahre Bilder vom Dach der Genossenschaft gemacht wurden, wollen die Autoren bis Ende des Jahres für neue Fotos sorgen, ehe das Gebäude abgerissen wird.
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