Rommerskirchen (NGZO). Theo Huppertz stellte jetzt beim Geschichtskreis des "Netzwerks Rommerskirchen 55+" eine Familienchronik seines Großvaters vor. Sie liefert ein aufschlussreiches Bild davon, wie die Menschen früher am Gillbach lebten.
Nettesheim/Butzheim Bis ins hohe Alter verfügte Theodor Hilgers über ein ausgezeichnetes Gedächtnis: Als er 1948 im Alter von 91 Jahren starb, hinterließ der Butzheimer eine Chronik seines Heimatorts und des mit ihm verwachsenen Nettesheims, die bis ins Jahr 1821 zurückreicht. Neben eigenen Erlebnissen hat er sich dabei auch auf die Erinnerungen seines Vaters wie seines Großvaters gestützt, die ein aufschlussreiches Bild davon lieferten, wie die Menschen früher am Gillbach lebten.
Dem neu gebildeten Geschichtskreis des "Netzwerks Rommerskirchen 55+" präsentierte jetzt sein Enkel Theo Huppertz die Chronik von Theodor Hilgers, die zeitweise im Zonser Kreisarchiv aufbewahrt wurde und sich inzwischen wieder im Familienbesitz befindet. Huppertz, der sich lange Zeit intensiv mit der Geschichte der Indianer beschäftigte, hat die Chronik erst in den vergangenen Jahren für sich entdeckt und dabei festgestellt, dass ihm "Opa doch wichtiger ist als Sitting Bull."
Hilgers' eigene sowie die von ihm wiedergegebenen Erinnerungen machen deutlich, dass die preußische Herrschaft über das Rheinland für viele Jahrzehnte ein Kulturschock für beide Seiten war. Die von den Preußen eingeführte Schulpflicht jedenfalls wurde noch in den 60er Jahren des 19.Jahrhunderts zumindest "sehr nachlässig behandelt", wie es in der Chronik heißt. Auch die gescheiterte Revolution von 1848 spielt eine Rolle: "Das spätere Jahr 48 war das tolle Jahr, welches mancher harmlose Bürger hinter Schloss und Riegel verbracht hat", schreibt Theodor Hilgers. Der Grund: "Freiheit und Gleichheit wurden gepredigt und man nahm das alles als bare Münze hin. Aber es kam bald anders." Für Wochen und Monate wurden "brave Bürger" in Gewahrsam genommen – mit entsprechenden Konsequenzen: "Ein gewisser Joh. Karris, ein selten kluger Mensch, hat deshalb gleich nach seiner Verurteilung seine Heimat verlassen und ist nach Amerika ausgewandert." Womit er anderen ein Beispiel gab: "Durch diesen Mann kamen später viele Familien zum Verlassen ihres Vaterlandes", berichtet der Chronist, in dessen Werk auch Mord und Totschlag nicht zu kurz kommen: Matthias Kremer, der Schwager des Vaters von Theodor Hilgers besuchte 1863 am Peter- und Paulfest den Vogelschuss in Widdeshoven – in der Nacht wurde er dort beim Kartenspiel erstochen. "Zu dieser Zeit war's schwer, nach dem Gesetze eine Leiche nach der Heimat zu bringen", beschreibt er die Mühen, die es kostete, den Toten zu überführen.
Ein Denkmal eigener Art war der damalige Lehrer Weingarten, der seit 1819 seines Amtes waltete und dessen 50-jähriges Dienstjubiläum Theodor Hilgers hautnah miterlebte. Die Fähigkeiten des Pädagogen würdigt der Chronist nicht ohne Ironie in zwei markanten Sätzen: "Seine Handschrift war bewundernswert. Seine großen Kenntnisse waren nicht weit her."
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