Rommerskirchen (NGZ). Beim 100. Kabarettabend im Eckumer Kulturcafé präsentierte Wilfried Schmickler sein neues Programm "Weiter". Der politische Furor des wortgewaltigen Kabarettisten, der durch seine Rolle als Rausschmeißer in "Mitternachtsspitzen" bekannt wurde, ist ungebrochen.
Im März 1991 nahm das Kulturcafé mit einem Auftritt von Felix Janosa seinen Betrieb auf. Dass es einmal den 100. Kabarettabend im evangelischen Gemeindezentrum zu feiern geben würde, "haben wir damals nicht angepeilt", erinnerte Thomas Spitzer jetzt an den Beginn der bald 20-jährigen Erfolgsgeschichte.
Gemeinsam mit den beiden anderen Organisatoren Walter Grubert und Hilmar Konrad konnte er sich zum mittlerweile vierten Mal in diesem Jahr über ein rappelvolles Haus freuen: Was nicht verwunderlich ist, denn zum Jubiläum gastierte mit Wilfried Schmickler einer der renommiertesten deutschen Kabarettisten in Eckum – wo er in den 90er Jahren schon mit dem legendären "3 Gestirn Köln 1" und später dann auch solo aufgetreten war.
Auch mit seinem neuen Programm "Weiter" wird der in den vergangenen Jahren mit wichtigen Preisen geradezu überhäufte Kölner seinem Ruf gerecht , eine "Revolverschnauze" und der "Scharfrichter" unter den politischen Kabarettisten zu sein. Zwei Stunden lang unterhielt er das Publikum in seinem berühmt-berüchtigen Sprechtempo aufs Beste.
Kein Vorbei gibt es in diesen Tagen an Thilo Sarrazin: Die geringe "Fertilität der Autochthonen", also die nicht übermäßig große Fruchtbarkeit der Eingeborenen, hat dieser Sarrazin als einen wesentlichen Grund dafür ausgemacht, dass "Deutschland sich abschafft": Wilfried Schmickler zieht aus den Thesen des "Geistesriesen" den naheliegenden Schluss, sich die Zeit vor dem Einschlafen lieber mit "ein paar Fertilitätsübungen" zu vertreiben als mit der Lektüre des Buches, denn "Deutschlands Zukunft darf man nicht verhüten."
Gehörige Breitseiten schießt Schmickler auf Verteidigungsminister Guttenberg und auch inhaltsleere Redebeiträge von Angela Merkel werden messerscharf seziert. Satt ist er die inflationäre Zunahme von Kochshows, wobei indes Besserung in Aussicht steht: "Der Koch geht so lange ins Fernsehen, bis der Zuschauer bricht." Was Schmickler eingestandenermaßen nicht los wird, ist seine katholische Vergangenheit: So sehr die Kirche Zielscheibe seiner wortgewaltigen Attacken ist – für den unwahrscheinlichen Fall, dass sie seiner Empfehlung folgte und ihr Wirken einige Jahre lang einstellte, wäre er gern bereits die Rolle des Predigers übernehmen.
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